Glosse: Rauscher



Glosse: Rauscher

Den Namen für unsere Glosse leiht uns Fraa Rauscher, bekannt aus dem mehr als 80 Jahre alten Lied nach dem Text des Frankfurter Grafikers Kurt Eugen Strouhs:

Die Fraa Rauscher aus de Klappergass, die hat e Beul am Ei,
ob's vom Rauscher, ob's vom Alte kimmt, des klärt die Bolizei.

Erste Hilfe (31.05.2013)

Das Internet ist schon eine feine Sache. Vor allem, wenn man ein Tablet hat. Wenn mal ein Malheur passiert ist – halb so schlimm. Ab ins Internet, das Problem gegoogelt, und schon landet man in einem Forum, in dem geklärt wird, wie man Sekundenkleber wieder von den Fingern kriegt. Und wenn man das mit Gottes Hilfe, Salatöl, Geduld, Bimsstein und Schmirgelpapier geschafft hat, dann landet man fast ebenso schnell in einem Forum, das die Frage behandelt, wie man den vermaledeiten Dreckskleber wieder vom Bildschirm kriegt.

Pausenfüller (29.05.2013)

Wegen der derzeitigen Fliegerbombenfundflaute im Europaviertel präsentieren wir an dieser Stelle zur Überbrückung einen geschmacklosen Fliegerbombenwitz auf Kosten unserer Nachbarstadt: Zwei Offenbacher verlaufen sich im Stadtwald und stolpern dort über zwei Fliegerbomben. Pflichtbewusst tragen sie diese auf ihren Schultern zum nächsten Polizeirevier. Fragt der eine: „Was machen wir eigentlich, wenn eine runterfällt und explodiert?“ Sagt der andere: „Dann behaupten wir einfach, wir hätten nur eine gefunden.“

Herzlich (28.05.2013)

Der Kapitän vom Hamburger SV wünscht alles Gute für die nächsten zwölf Monate. Nett, zumal ich seinem Verein das nicht wünsche. Der E-Mail-Anbieter schenkt mir ein größeres Postfach – na ja, er schenkt mir einen Rabatt für den Kauf eines größeren Postfachs. Das Wettbüro gibt mir einen Bonus. Super, leider spielt die Eintracht in der Saison nicht mehr. Und die Mietwagenfirma gewährt zehn Prozent Nachlass. Seit man im Internet überall angeben muss, wann man geboren wurde, macht es doppelt so viel Spaß, Geburtstag zu haben.

Fehlleistung (27.05.2013)

Die 38 Stockwerke des Opernturms schafft der hochmoderne Aufzug in 20 Sekunden. Zu welchen technischen Leistungen die Ingenieure in Frankfurt fähig sind, das konnte man beim Wolkenkratzer-Festival eindrücklich erleben. Wer dieser Tage allerdings am Südbahnhof unterwegs ist, dem wird klar, dass der technische Fortschritt noch nicht bei den Rolltreppen der U-Bahn-Station angekommen ist. Hoch hinaus ging es da mal wieder nur per pedes – 20 Meter in zwei Minuten.

Gene (25.05.2013)

Ach, ist das schön, wenn man seinem siebenjährigen Sohn das Nibelungenlied vorliest. Und er – wie man selbst – ganz narrisch danach ist. Aber am schönsten ist es, wenn der Filius die eigene, eher exklusive Meinung teilt: dass nämlich Siegfried ein Depp, Angeber und Drachenschinder ist und Hagen von Tronje ein knorker Recke. Womit bewiesen wäre: Der Sohn ist wohl nicht vom Briefträger.

Feuer frei! (24.05.2013)

Normalerweise schickt es sich nicht, über das Wetter zu motzen. Aber das sind jetzt langsam auch keine normalen Verhältnisse mehr. Daher: Mai, du Vollpfosten, du betrügerischer Wonnemonat, du Winter unseres Missvergnügens, du Pflaumenaugust – du solltest dich was schämen! So. Das war jetzt kein Motzen. Das war Notwehr.

Symptomfrei (23.05.2013)

Das Pfeifen im Ohr ist kaum mehr zu hören. Es trat erstmals auf, als die Eintracht das 2:2 erzielte und in der schönsten Arena der Welt das Chaos ausbrach. Das Krächzen im Hals weicht so langsam wieder einer echten Stimme. Der Biergeruch, der sich trotz Duschen und Kleiderwechsel irgendwie festgesetzt hatte, seit der Sitznachbar im Stadion die Kontrolle über seinen XXL-Becher verlor, verflüchtigt sich nach und nach. Ja, es hat auch was für sich, wenn nach fünf Tagen Europapokal-Feierei die Symptome ganz allmählich nachlassen.

Situativ (22.05.2013)

Es gibt so Worte, die fallen nur geschulten Profis für Polit-PR ein. Im Bundeswissenschaftsministerium war mal von „Handlungskorridoren“ die Rede, weil das einfach schicker klingt als „Bereiche, in denen etwas getan werden muss“. Und dann gibt es Begriffe, auf die kommen nur Werbefuzzis. Zum Beispiel: Verzehrsituation. Diese Großtat sprachlicher Gestelztheit war neulich in einer Anzeige zu lesen, um auszudrücken, dass manche lieber im Stehen essen und andere im Sitzen. Und, wie gestaltet sich heute Ihre Zeitungslektüresituation?

Veggie (21.05.2013)

Blutwurst, Leberwurst, Salami – Kollege A. wusste, was schmeckt. Rumpsteak, Wiener Schnitzel, Hamburger – mit A. konnte man prima fachsimpeln. Niere, Leber, Hirn – A. kam es auch auf innere Werte an. Brat-, Rinds-, Currywurst – beim Thema Stadionwurst konnte A. kaum jemand etwas vormachen. Am Freitag nimmt mich A. zur Seite: „Bevor du es von jemand anderem erfährst: Ich lebe die nächsten 30 Tage vegan – ich will das mal versuchen.“ Die Welt ist aus den Fugen geraten.

Zeitungsenten (18.05.2013)

Heil euch, ihr Helden! Obwohl ihr nur zwei Kinder im zarten Alter von sechs und sieben Jahren seid, erkanntet ihr sofort, dass die beiden Entenküken auf den Gleisen der U-Bahn am Dornbusch ihrem sicheren Tod entgegenwatschelten. Ein Anruf bei der Polizei und die kurzfristige Stilllegung des Bahnverkehrs sorgten dafür, dass alles gut wurde und die Küken wohlauf in der Vogelschutzstation in Maintal-Dörnigheim landeten. „Sonst wäre es vermutlich schlimm ausgegangen“, meldet die Polizei am Freitag und hat völlig recht.

Heda, Kinder! (17.05.2013)

Jetzt passt einmal auf! Wenn man als Erwachsener schon ein leuchtendes Beispiel geben will und an der roten Fußgängerampel wartet, obwohl weit und breit kein Auto anrollt – könntet ihr Dreikäsehochs dann wenigstens aus Höflichkeit mitwarten? Und einen nicht wie einen Vollpfosten bei Rot im Regen stehen lassen, während ihr fröhlich schnatternd ums Eck verschwindet und man selbst erst nach fünf Minuten Warten merkt, dass die Mistampel kaputt ist. Ginge das? Man kommt sich ansonsten nämlich so furchtbar blöde und alt vor.

Wie bei Mutti (16.05.2013)

Gute, alte Polizei. Unter dem Titel „Uffbasse“ bringst du gerade jungen Hessen bei, wie man sich vor Langfingern schützt. Und besuchst zu diesem Behufe unter anderem Diskotheken. Um dort den jungen Leuten tatsächlich zu raten, ihr Geld doch in einen dieser abscheulichen Brustbeutel zu stecken. Weißt du was, liebe Polizei: Mit diesem Ansinnen sind weiland bereits unsere Mütter gescheitert. Die nervten uns allerdings nicht in der Disco, sondern lediglich davor und danach. Aber wir wissen: Ihr meint’s ja nur gut mit uns, ihr Lieben.

Ticketservice (15.05.2013)

Der Busfahrer, der dem Heraneilenden unmittelbar vor der Nase die Tür schließt, ist ja ein Evergreen unter den Beschwerden über die VGF. Es geht aber noch doller. So wie es eine FR-Leserin jüngst in der U6 erlebt hat. Der Fahrscheinautomat am Hausener Weg wird repariert. Na, dann ziehen wir unser Ticket an der nächsten Station, denken die Kunden und informieren den Fahrer. Der verkündet an der Station per Lautsprecher: „Jetzt können Sie aussteigen, ich warte.“ Sagt’s, schließt die Türen und braust davon.

Bestellung (14.05.2013)

Liebe Pizzeria S., es ist ja unter Gesichtspunkten des Marketings clever, das eigene Lieferfahrzeug an einem Eingang zum Günthersburgpark abzustellen. Dort kommen viele ausgehungerte Jogger vorbei, die meinen, sie könnten sich so richtig was gönnen. Was uns aber wundert: Andere Pizzerien fahren ihre Sachen mit dem Moped aus, du, Pizzeria S., hast einen kleinen Lieferwagen mit mindestens einem Quadratmeter Ladefläche. Respekt. Wenn Du beweisen willst, was alles reingeht: Wir nehmen 80 Mal die Nummer 4 – zehnmal ohne Salami.

Aus 2 mach 1 (13.05.2013)

Gestern am Wasserhäuschen: Am Tresen steht ein Mann, der laut mit sich selbst streitet und sich ständig Widerworte gibt. „Hier, Ihre zwei Kaffee“, sagt der freundliche Pächter. „Zwei Kaffee?“, brüllt ihn der Mann an und hat offenbar in diesem Moment den Streit mit sich selbst vergessen. „Ich habe nur einen bestellt. Was soll ich mit zwei Kaffee? Ich bin bloß eine Person.“ Ob er sich da sicher sei, will der Pächter wissen. Daraufhin stapft der Mann davon – wütend, aber mit sich selbst im Reinen. Frankfurter Wasserhäuschentherapie: ein Erfolgsmodell!

Stückelungen (11.05.2013)

Wer es nicht schätzt, am Geldautomaten seiner Bank stets kleine Summen in großen Scheinen zu erhalten, dem war am Freitag die Postfiliale am Frankfurter Diesterwegplatz besonders zu empfehlen. Dort lagerten offenbar rote Banknoten im Überfluss: Der Apparat spuckte 30 (dreißig!) Zehn-Euro-Scheine auf einmal aus. Ob da vorige Woche jemand vergebens auf Räuber gewartet hatte? Die mögen ja auch am liebsten große Summen in kleinen Scheinen.

Schatzsuche (10.05.2013)

Das Frühjahr ist für den Gartenfreund die alljährlich wiederkehrende Zeit der Schatzsuche. Dazu braucht es nur einen Spaten, ein Gitter und einen in Jahresfrist ordentlich gewachsenen Komposthaufen. Die Ausbeute nach zwei Stunden des Umhebens und Durchsiebens ist beachtlich. Sechs Schubkarren feinster Gartenerde, eine Gummifledermaus aus dem Kinderzimmer, ein Löffel und das lange vermisste Kneipchen. Und drei Tage lang ein kräftiges Ziehen im Rücken.

Bahnhof (08.05.2013)

Wüsste man ja schon gern. Wie das war, als die Planer die neue Verteidigungslinie des Frankfurter Südbahnhofs ersannen. Doppelreihe tonnenschwerer Türen, die zu öffnen man drei Hände und die Kraft der zwei Herzen braucht. Ob den Planern Szenen vorschwebten, wie sich gestern wieder eine zutrug? Alte Dame im hoffnungslosen Kampf, daneben feixende Jugendliche: „Guck dir die an – zu doof, eine Tür aufzumachen und ein Fahrrad durchzuschieben!“

Dabei sein (07.05.2013)

Schülerinnen und Schüler haben im Frühjahr stets eine ganze Menge harter Prüfungen zu überstehen. Wie schön, dass es sich seit einiger Zeit eingebürgert hat, ihnen mit Transparenten am Schulgebäude zur Seite zu springen. „Kevin – du schaffst das!“ steht dann da auf Bettlaken zu lesen. Oder: „Hüseyin – wir glauben an dich!“ Oder auch ganz international: „Miriam for president!“ Nicht so richtig motivierend ist dagegen, was kürzlich an einem Frankfurter Schulhaus prangte: „At least you tried“. Zu deutsch: Wenigstens hast du’s versucht.

Textfest (06.05.2013)

Ich fahre jeden Tag nach Mendocino. I will hoam nach Fürstenfeld. Hölle, Hölle, Hölle. Er gehört zu mir wie mein Name an der Tür. Tausendmal berührt, tausendmal ist nichts passiert. Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawaii. Ein Bett im Kornfeld, das ist immer frei. Siebzehn Jahr’, blondes Haar. Es hat schon Vorteile, genau dort zu wohnen, wo das Bornheimer Weinfest steigt. Nach fünf Tagen kennt man wieder alle Klassiker auswendig.

Verflochten (04.05.2013)

Heute ist Weltlabyrinthtag – Welt-Labyrinth-Tag – ein Wort, in das man schwer hinein- und aus dem man schwer wieder hinauskommt. Übrigens ganz im Gegensatz zum Labyrinth, denn: Ein Labyrinth ist kein Irrgarten. Man geht auf kurvenreichem, aber unmissverständlichem Weg zur Mitte und wieder raus. Wer es auch mal versuchen will, pilgert heute um 13 Uhr zum Alten Flugplatz Bonames-Kalbach und lässt sich durchs Weidenlabyrinth führen, sofern es seine verschlungenen Lebenswege gestatten.

Wurst! (03.05.2013)

Genug gewartet, am morgigen Samstag beginnt endlich die IFFA. An alle Ignoranten, die jetzt motzen, das müsse ja wohl IAA heißen und die Automesse beginne doch erst im September: Die IFFA ist nicht weniger als die weltweit größte Messe für die Fleischereiwirtschaft. Und weil das so ist, gibt es dort großartige Neuheiten zu sehen. An dieser Stelle danken wir – auch im Namen der Vegetarier – einem Unternehmen aus Bremen, das uns auf die Messe eingeladen hat, um uns seine Erfindung zu zeigen: den ersten Wursttoaster. Mahlzeit.

Synergieeffekt (02.05.2013)

Sag mal, hr3, wir lieben ja wirklich diese aufblasbaren Klatschhände, die du immer millionenfach beim Rennen rund um den Henninger Turm verteilst und mit denen man anderen so schöne leichte Schläge auf den Hinterkopf verpassen kann, ohne dass die gleich tot umfallen. Könntest du am nächsten 1. Mai nicht auch noch ein paar von denen für die Nazivergrauler bereitstellen? Das wäre wirklich eine gute Tat. Schließlich profitiert ja auch der Finanzplatz Eschborn/Frankfurt durch die Abwesenheit der Holzköppe.

Eventuell (30.04.2013)

Man soll nicht undankbar sein. Deshalb will ich an dieser Stelle auch nicht die Ticketpreise herunterbeten, die Konzertveranstalter heute für Auftritte mittelprächtiger Bands aufrufen, sondern einfach nur glücklich zitieren, was der Online-Ticketservice schrieb: „Heute haben Sie gleich doppelten Grund zum Feiern! Xxxxxx schenkt Ihnen exklusiv zum Geburtstag 5 Euro für Ihre Event-Highlights!“ Fünf Euro! Halleluja. Das reicht glatt für ein Bier und eine halbe Brezel. Das „Event-Highlight“ besuchen wir dann eventuell ein andermal.

Rätsel (29.04.2013)

Liebe Occupisten, die ihr am Samstag eigentlich mal wieder mit Zelten Zeichen setzen wolltet, dies angesichts des unfreundlichen Klimas aber bleiben ließt und nun vermutlich zu Hause hockt, auf Sonne & Freiheit hofft und euch langweilt, hier kommt ein Rätsel für Euch. Wer sagte: „Die Revolution findet wegen schlechten Wetters im Saale statt –
Wohl dem, der solch eine Republike hat!“? War das a.) Kurt Tucholsky oder b.) Jörg-Uwe Hahn? Ratet mal.

Gefühle (27.04.2013)

Raue Schale, weicher Kern – selten war der Spruch so treffend wie bei den zwei echt harten Typen, die gestern breitbeinig in der Schlange vor dem Postschalter standen. Gerade sprachen sie über irgendwelche tiefergelegten Angeber-Autos, als das Handy des Sonnenbrilligeren unter den beiden klingelte: das Saxofonsolo aus „Careless Whisper“ von George Michael.

Postkarte (26.04.2013)

Liebe Stadt Frankfurt, du meinst es aber ernst mit dem Direktrecycling. Denn dieses Schlagwort schmückt nicht nur die Außenseite deiner Briefumschläge. Wie die Innenseite des Kuverts, das uns gestern erreichte, verriet, handelte es sich ursprünglich um eine Karte des Schwäbisch-Fränkischen Waldes. Und so lustwandelten wir gestern im Geiste von Murrhardt bis nach Kaiserbach, ein frohes Lied auf den Lippen und das Lob des Direktrecyclings im Herzen. Beim nächsten Kuvert bitten wir um eine Karte des Pfälzer Walds.

Umsteigen (25.04.2013)

Was soll man einem Mann raten, der in einem tiefergelegten Auto mit extra breiten Reifen durch Bornheim fährt, bei offenem Fenster extrem laute Musik hört, vor einem Schlagloch eine Vollbremsung hinlegt, damit seine Karre bloß keinen Schaden nimmt, und der dann dem hinter ihm fahrenden Rollerfahrer Prügel androht, weil dieser es nicht so witzig fand, scharf abbremsen zu müssen? Eigentlich kann man diesem Mann nichts raten. Außer vielleicht: Führerschein abgeben, Monatskarte kaufen, ab in die Straßenbahn.

Von der Rolle (23.04.2013)

Es gibt Leute, die sind wichtig, und es gibt Leute, die sind noch wichtiger, und dann gibt es Leute, die sind am allerwichtigsten und haben auch einen tollen Hochglanz-Rollkoffer dabei. Wenn es diese allerwichtigsten Leute ganz besonders eilig haben, dann müssen sie unbedingt bei Rot und bei geschlossener Schranke noch über die Bahngleise rennen. Und wenn diese Leute beim nächsten Mal wieder ihren bescheuerten Koffer über meinen Fuß rollen, dann schnapp’ ich mir das Teil und schiebe es dreimal durch die Hundekacke. Gute Reise.

Ernüchtert (22.04.2013)

Liebe Kiffer, wenn Ihr denn schon zu unguter Stund zum Wasserhäuschen strolchen müsst, weil Euch ein Hunger plagt, den nur saure Zungen und anderlei Naschwerk aus dem Einzelverkauf stillen kann – dann zählt das Hartgeld in Eurem Portemonnaie doch bitte vorher und nicht erst vor Ort. Und überlegt Euch beizeiten zumindest eine grobe Geschmacksrichtung. Muss es denn wirklich Bananengeschmack sein? Oder tut’s auch Erdbeere? Weil hinter Euch, da warten Menschen! Die sind sogar manchmal nüchtern.

Enttäuscht (20.04.2013)

Wie man sich doch in Menschen täuschen kann. Noch immer knabbern wir schwer an der Erkenntnis, dass der honorige Geschäftsmann Gunter Sachs selig wohl illegal Geld im Ausland gebunkert hat. Da wären wir nie drauf gekommen. Und jetzt soll auch noch der Barde Bushido Kontakte zu einem Clan von Berufsverbrechern pflegen. Schockierend! Unglaublich!

Ey, Lan! (19.04.2013)

Wer im Steinhaus sitzt, soll bekanntlich keine Gläser an die Wand werfen. Aber es gibt Stilblüten, die sind so schön, dass man sie beim besten Willen nicht verschweigen kann. „Lanschaften spüren“, heißt es in der Mitteilung einer regionalen Gesellschaft. Lanschaften! Man sieht sofort vor sich, wie einer seiner Lakaien zum König der Straßengangster also sprach: „Ich schwör, Digga, voll krass, Euer Lanschaft“. Und der edle König glaubte seinem Untergebenen, denn ein echter Schwur gilt in diesen Kreisen noch etwas. Ich schwör!

80 Tage (18.04.2013)

Es gibt ja Kettenraucher, die lassen sich 80 Tage einsperren, und wenn sie ihr Verlies verlassen, sind sie Nichtraucher. Für diese Therapie zahlen sie sogar Geld. Insofern ist es gar nicht so schlimm, was einem 48-Jährigen passiert ist, der sich am Flughafen eine Zigarette anzündete. Polizisten machten ihn auf das Rauchverbot aufmerksam und ließen sich seinen Ausweis zeigen. Nach einem Anruf stand fest: Der Mann muss noch 800 Euro Geldstrafe wegen Diebstahls bezahlen. Da er aber kein Geld hat, sitzt er nun im Gefängnis. Für 80 Tage.

Schwansinn (17.04.2013)

Es wundert einen nichts mehr in Zeiten, in denen Zugvögel mal hierhin, mal dorthin jagen, je nach Temperatur. Am Dienstagmorgen passierte eine Formation aus drei Schwänen den U-Bahnhof Frankfurt-Heddernheim von Nord nach Süd und verführte die Wartenden zu Verrenkungen des Halses. Die Furcht, der Sommer könnte schon vor seinem Eintreffen derart vorbei sein, dass selbst die Schwersten unter den Wasservögeln zu Langstreckenziehern mutieren, vertrieb ein Fachmann mit dem Satz: „Drei Schwäne machen noch keinen Winter.“

Lenzmelodei (16.04.2013)

Frühling lässt sein blaues Band und so weiter und so fort. Die Vöglein tirilieren. Und auch die unseligen Wermutbrüder, die sonst wo, aber jedenfalls außer Hörweite, überwintert hatten, sind auferstanden wie Phoenix aus der Flasche, rotten sich zur Geisterstund’ vor dem Wasserhäuschen zusammen und grölen ihren „Pippi-Langstrumpf-Jägermeister-Remix“, den man jetzt gut ein halbes Jahr weder gehört noch vermisst hat. Frühling, ja du bist’s, dich hab’ ich vernommen. Aber halt’ doch wenigstens nachts dein verfluchtes Schandmaul!

Laterne (15.04.2013)

Kurz vorausgeschickt: Heute ist nicht der 1. April. Und am Freitag ist nicht der 11. November, sondern der 19. April. Aber: Am Freitag ist Grundsteinlegung für den, Achtung: „St Martin Tower“ am Katharinenkreisel (vulgo Opel-Rondell) in Bockenheim. Ein neues Hochhaus. Am Bauzaun machen drei Meter hohe Gemälde des heiligen Martin zu Pferde klar, dass tatsächlich der sagenumwobene Mantel-teilende Bischof von Tours der Namenspatron ist. FR-Leserin Stefanie N. erwartet, dass die Immobilienplaner die Hälfte der 18 Geschosse für Arme und Obdachlose reservieren.

Ballaballa (13.04.2013)

Alle Welt regt sich über Ballerspiele auf. Nun aber erreicht uns eine Pressemitteilung der Macher des „Politiksimulators 3 – Masters of the World“, einem Strategiespiel für den PC. Das Spiel, jubeln die Macher, „verfügt über zahlreiche neue Szenarien wie ,israelisch-iranische Eskalation‘, ,Dritter Weltkrieg in Korea‘, die ,U.S.-amerikanische Fiskalklippe‘ oder ,Hungersnot im Südsudan‘“. Na, das klingt ja nach einem Mordsspaß.

Rüpel (12.04.2013)

Lieber Autofahrer aus Frankfurt, der Sie am Donnerstagmittag an der Kreuzung zwischen Friedberger Landstraße und Glauburgstraße unterwegs waren. Es gibt Dinge, die tut man nicht. Man geht nicht mit einem Kickers-Schal in die Eintracht-Fankurve. Man bestellt zu einem 100-Euro-Abendessen keine Cola. Man trägt keine Socken in Sandalen. Und man hupt, verdammt noch mal, nicht wild herum, wenn eine junge Fahrschülerin vor einem den Motor abwürgt. Auch nicht, wenn es ihr dreimal hintereinander passiert.

Klebenswerk (11.04.2013)

Emanzipation ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Jedenfalls beim Baumarkt in Bad Vilbel-Massenheim. Da steht übernächsten Mittwoch „Frauen-Power – Praxisseminar Tapezieren“ auf dem Programm. Ein Mann (!) erklärt den Damen, wie sie Tapeten aussuchen und ankleben. Kurs ist ausgebucht.

Vergaloppiert (10.04.2013)

Gut, in Ordnung, Lektion gelernt – man soll sich nicht über das Missgeschick anderer Leute lustig machen. Also: Pardon, lieber „Circus Delmonde“, wir haben dir gestern teilweise Unrecht getan. Der „Park und Reitplatz Bonames“, zu dem euer Plakat die Besucher lockte, liegt tatsächlich auf Bonameser Gelände. Auch wenn es der Parkplatz direkt neben der U-Bahnstation ist, die „Kalbach“ heißt. Weiß der Teufel, was die Frankfurter Planer da geritten hat. Erst diese verwirrende Namensgebung, und dann gibt’s da noch nicht einmal Pferde.

All Reit (09.04.2013)

Das Leben ist sowieso ein einziger Zirkus, ich weiß, und man soll es auch nicht mit allem so tierisch genau nehmen – aber ihr lieben Leute vom „Circus Delmonde“, wenn euer nächster Auftritt naht, lasst euch doch noch einmal kompetent beraten, bevor ihr die Plakate druckt. Denn „Park und Reitplatz Bonames“ bedeutet in bestimmten Zusammenhängen etwas vollkommen anderes als den Ort neben der U-Bahn-Haltestelle, an dem ihr jüngst aufgetreten seid. Mal ganz abgesehen davon, dass dieser Ort nicht in Bonames liegt, sondern in Kalbach.

Daniel Bieber (08.04.2013)

Tagelang haben wir gerätselt, warum die Bieber-Fans am Mittwochmittag vor der Festhalle plötzlich einen Schreikrampf bekamen, obwohl ihr Justin doch noch weit weg war. Nun wissen wir: Es war wegen eines gewissen Daniel, der eher weniger prominent ist. Wie wir erfuhren, suchte Daniel auf dem Messegelände ein Klo, verlief sich und stand plötzlich vor den Teenies. Und weil er rote Jacke und Kappe trug, hielten ihn 2000 Mädchen für den Bieber. Gibt Schlimmeres.

Tigerlandung (06.04.2013)

Manche Leute glauben, man hätte den ganzen Tag nichts zu tun. Im Frankfurter Zoo sei ein kleiner Tiger geboren worden, sagte Freitag früh der Radiomoderator: „Vielleicht haben Sie ja Zeit, mal dort vorbeizuschauen.“ Ach, und wozu? Nichts gegen einen Zoobesuch, aber jeder weiß, dass das Tigerbaby noch wochenlang bei Mama in der dunklen Höhle ratzen wird. Ebenso gut könnte man... sagen wir: in Kassel-Calden darauf warten, dass ein Flugzeug landet.

Türsteher (05.04.2013)

Eine sehr lustige Sache ist auch das veränderte Ein- und Aussteigemanagement am Lokalbahnhof: Seit einiger Zeit öffnen sich die Türen in Fahrtrichtung links statt rechts. 70 Prozent der Tramfahrgäste versuchen regelmäßig, auf der falschen Seite aus- oder einzusteigen. Manchmal stehen sie sich an der geschlossenen Tür gegenüber, einer außen, einer innen, und wundern sich. Aber der Fahrer lässt ihnen Zeit, um die Bahn herumzurennen zur richtigen Seite. Wo kämen wir auch hin, wenn man die Türen an beiden Flanken öffnen könnte?

Metropoly (04.04.2013)

Jetzt ist es passiert. Soeben erreicht uns die erste Pressemitteilung, in der unsere geliebte Nachbarstadt Offenbach als „Main-Metropole“ bezeichnet wird – ein Titel, auf den bislang Frankfurt abonniert war. Aber was ist dann Frankfurt? Na, mal mindestens Megamain-Maxisuperduperobermetropole!

Schnorrer (03.04.2013)

Erinnern Sie sich an unsere Meldung zu den Betrügern, die unter dem Motto „Der Bettler kommt zu Ihnen“ zu Spenden aller Art aufrufen? Nun stellte sich heraus: Die Pressemitteilung wurde tatsächlich von Tunichtguten verschickt, allerdings nicht von gewöhnlichen Abzockern, sondern von der Redaktion der Zeitschrift „Titanic“. Die wollte mal testen, wie hoch die Spendenbereitschaft der Westend-Bevölkerung ist. Im aktuellen Heft ist auch unsere Meldung abgedruckt. Und irgendwie finden wir das fast ein wenig zu viel der Ehre.

Geklammert (02.04.2013)

Bei einem der teureren Juweliere der Stadt kommt ein junger und smarter künftiger Millionär hereingestürmt und fragt: „Haben Sie auch Geldklammern?“ Klar hat man hier Geldklammern, hinten links in der Vitrine hat man hier mehrere Geldklammern, und selbstverständlich wird hier jedermann zur Geldklammer-Vitrine geleitet, der sich mit dem Gedanken trägt, eine Geldklammer zu kaufen. Käme für mich nicht infrage: Wie passt denn da der Eintracht-Aufkleber drauf.

Gut geputzt (30.03.2013)

Die Zahnpasta ist leer. Irgendjemand hat sie aufgebraucht und keine neue gekauft und nix gesagt und jetzt steht der Morgenmuffel dumm da. Aber, was für ein Glück, da sind noch drei kleine Probetübchen auf dem Regal. Gerettet! Nur merkwürdig bröselig im Mund das Zeugs, sehr bröselig. Schäumt null. Echt ungewöhnlich für eine Zahncreme. Aber ganz normal für Haftcreme! Es hat ’ne halbe Stunde gedauert, das Zeug aus den Zähnen zu prokeln. Zeit zum Ärgern über die eigene Dummheit und über Probepackungen und alles...

Rache (28.03.2013)

Kollege S. ist der Satan in der Maske des Biedermanns. Vor drei Tagen, als S. so vor sich hintippte, sang er plötzlich die unseligen Worte: „Matratzen Concord“. Seitdem tobt der eklige Radio-Jingle mit Seitenbacherscher Penetranz in unserem Hirn. Aber wir werden uns rächen. Heute, wenn er es am wenigsten erwartet, werden wir singen: „Car-glass repariert – Carglass tauscht aus.“

Demut (27.03.2013)

Haben Sie sich je gefragt, was eigentlich aus Ihrem Mitschüler XYZ wurde, der beim Lehrer immer geschleimt hat? Die Antwort lieferte am Dienstag die Frankfurter Polizei, die über einen 64-Jährigen berichtete, der vor einer Woche beim Kauf von vier Portionen Marihuana erwischt worden war. In einem handgeschrieben Brief an die Polizei hat sich der Mann nun für seine vorübergehende Festnahme bedankt. Sie sei „heilsam“ gewesen, und er befinde sich nun „in Demut“. Den Polizisten wünschte er „Glück und Gesundheit“.

Engel (26.03.2013)

Der Engel ist weiblich und fährt mit der Trambahnlinie 12. Genauer beschreiben kann ich ihn nicht, denn wir sahen uns nur einen kurzen Moment lang. Doch in diesem Moment tat der Engel genau das Richtige. Nur Sekunden lagen zwischen Kinderlachen und Kinderweinen. Doch diese Sekunden nutzte der Engel. Schnappte sich die allerliebste Lieblingspuppe, die das zweijährige Kind in der Bahn vergessen hatte, stellte sich in die gerade noch geöffnete Tür der Bahn, rief laut und schmiss die Puppe Vater und Kind zu. Danke, Engel.

Abfuhr (25.03.2013)

Es gibt so vieles im Frühling, woran sich ein reines Herz erfreuen kann: Die Vögel beginnen zaghaft, ihr fröhlich Liedlein zu zwitschern, die Störche kehren zurück in die Stadt, es setzt sich die Zuversicht durch, dass es doch nicht das ganze Jahr hindurch schneien wird. Soll man sich in dieser Hochstimmung stören lassen, wenn man U-Bahnfahrer ist, am Südbahnhof seine Tour mit der U2 starten will, und da kommt so ein Nachzügler gerannt und möchte einsteigen? Aber nein. Man klappt den Rückspiegel ein, um die flehenden Blicke nicht sehen zu müssen, und fährt schön langsam los.

Eier-Eid (23.03.2013)

Wir machen ja nun wirklich beinahe alles mit. Wir haben uns an „Tschüssikowski“ gewöhnt, an „Tschö mit Ö“ arbeiten wir, und mittlerweile kippen wir unserem Gegenüber auch nicht mehr den Sekt ins Gesicht, wenn dieses uns „Stößchen“ oder „Prostata“ zuruft. Selbst ein „zum Bleistift“ lassen wir an guten Tagen ohne Anwendung von Gewalt durchgehen. Eines aber schwören wir beim heiligen Osterhasen: Dem Nächsten, der uns übers Osterfest „Frohe Eiertage“ wünscht, dem treten wir mit Anlauf und Schmackes in ebenjene. Falls vorhanden.

Platsch (22.03.2013)

Heute ist Weltwassertag, und zu den ureigensten Angelegenheit der Fraa Rauscher gehört es, Passanten in der Klappergass mit jenem Element nasszuspritzen. Aber darum soll es hier ausnahmsweise nicht gehen. Heute möchten wir gern darauf hinweisen, wie großartig es ist, dass die Rolltreppen am Südbahnhof wieder rollen (manchmal zumindest), und dass es noch toller wäre, wenn einem nicht jeden Morgen beim Hinaufrollen ein Schwall Wasser auf den Kopf platschen würde. Schönen Weltwassertag noch!

Schrägparker (21.03.2013)

Auf Frankfurts dümmste Autofahrer-Abzocke reingefallen. Daher: Achtung beim Parken vorm Cooky’s, schräg gegenüber dem Café Karin! Abends brav für zwei Euro ein Parkticket gezogen bis morgens, 9.03 Uhr. Später am Abend das Auto geholt, aber da: Knöllchen am Wischer. Zweites Schild entdeckt, neben dem Parkschein-Schild: Ätsch, 20 bis 9 Uhr Taxi-Parkplatz. Das Parkschein-Schild gilt in der übrigen Zeit. Die Verkehrsplaner raten also: Stell dein Auto hin, hol es um 20 Uhr wieder ab, bring es um 9 Uhr für drei Minuten zurück. Genial!

Retourkutsche (20.03.2013)

Johnny Klinke, anlässlich unseres Artikels über die „Lafleur“-Demo schreiben Sie uns: „,Hochmut kommt vor dem Fall‘ heißt es in der Bibel (Spr.16, V.18).“ Ach was. Vielleicht haben Sie nur schlecht geschlafen. In der Heiligen Schrift steht auch: „Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen; aber die Fülle des Reichen lässt ihn nicht schlafen“ (Pred.5, V.11). Wahrlich, wir sagen Ihnen: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass Sie, Johnny Klinke… na, Sie wissen schon.

Alter Sack (19.03.2013)

Respekt vor dem Alter solle man zeigen, wird einem von Kindesbeinen an eingebläut. In der Bahn einen Sitzplatz anbieten, Türen aufhalten, lächeln, nicht nach früheren NSDAP-Mitgliedschaften fragen. Aber jetzt mal unter uns: Wenn ein alter Mann mit Lodenhut, der mit seinem Fahrrad auf der linken Straßenseite rumjuckelt, einen fast überfährt und einem zum Dank fürs Beiseitespringen noch ein „Blöder Sack!“ entgegenknurrt, dann wird es schwierig mit der Respektsbekundung. Ich zumindest bekomme dann eher Lust auf Seniorenschubsen.

Frühlingsbote (18.03.2013)

Wenn einem wie gestern bei der Übertragung des Biathlon-Weltcups im russischen Chanty-Mansijsk ein Zaungast im wildesten Schneetreiben seinen nackten Hintern entgegenreckt, dann ist das nicht bloß der erste Flitzer der Biathlon-Geschichte, sondern ein Frühlingsbote. Eine Schwalbe macht vielleicht noch keinen Sommer. Aber ein blanker Russenhintern macht schon einen halben Lenz.

Prototyp (16.03.2013)

Seit der Wahl des Heiligen Vaters – Gott hab’ ihn selig – haben wir der Liste unserer Traumberufe einen weiteren hinzufügen können. Bislang wollten wir immer Konteradmiral oder Kryptozoologe werden. Weil das wohlklingende Berufe sind – und zudem Jobs, derer sich niemand schämen muss. Dies gilt aber auch für den schönen Posten, von dem wir bis Mittwochabend gar nicht wussten, dass es so was überhaupt gibt. Jetzt aber wollen wir ums Verrecken eines werden, wenn wir einmal groß sind: Kardinalprotodiakon.

In Flammen (15.03.2013)

Wenn man eine große Menge wirklich glücklicher Menschen sehen will, muss man ein Konzert von Tocotronic besuchen. Das dankbare Publikum im Offenbacher Capitol ist am Mittwochabend vom vielen Hüpfen und Jubeln schon ordentlich durchgeschwitzt, als Sänger Dirk von Lowtzow den nächsten Song dem Institut für vergleichende Irrelevanz widmet. „Die brauchen jetzt ganz viele Unterstützer“, ruft er mit geballter Faust. Lauter Jubel im Publikum, vor allem, als von Lowtzow den Titel des Songs schreit: „Alles wird in Flammen stehen!“

Nasenpein (14.03.2013)

Es ist doch jedes Mal dasselbe. Noch Tage, nachdem die Grippe abgeklungen ist, glänzt die waidwunde Nase rot wie ein Karfunkelstein. Weil man wieder nicht so vorausschauend war, samtweiche Softtaschentücher zu horten. Und sich binnen drei Tagen das Olfaktorium an derbem Klopapier dermaßen aufgescheuert und wundgeschneuzt hat, dass man jetzt abends keine Leselampe mehr braucht. Merke: Taschentücher sind für die Nase. Klopapier ist fürn… ach, was soll’s, bis zur nächsten Grippe ist das eh wieder vergessen.

Kleingeld (13.03.2013)

Keine angenehme Begegnung mit der Finanzwelt hatte am Dienstag ein kleiner Erdenbürger, den es offenbar erboste, dass die Mama Geld aus einem Automaten ziehen wollte. „Verzeihung, ich kämpfe hier an zwei Stellen zugleich“, vertröstete die Mutter die Wartenden und pendelte zwischen Kinderwagen und Geldspender. Der winzige Nachwuchs krähte derweil seinen Weltschmerz hinaus. „Ich bin froh, wenn du sprechen kannst“, sagte die Mama. Richtig: Wir müssen lernen, unsere Unzufriedenheit mit dem Kapitalismus klar zu artikulieren.

Kämpfen (12.03.2013)

13 Stunden ist er unterwegs, um dabei zu sein, wenn die Eintracht mal wieder ein Tor schießt. In Hannover schneit es. Er ist klitschnass. Die Rückfahrt ist der Horror. Glatteis. Staus. Unfälle. Ein Tor der Eintracht hat er nicht gesehen. Daheim erzählt ihm seine Frau, dass sich seine noch nicht zweijährige Tochter am Nachmittag wehgetan hat. Sie hat versucht, ein Tor zu schießen, ist über den Ball gestolpert und hat sich das Knie verletzt. Danach stand sie auf und machte das Tor. Das unterscheidet sie dann wohl von den Profis der Eintracht.

Schildmütz (11.03.2013)

Es gibt im Leben immer zwei Möglichkeiten: Du kannst jammern, weil jetzt die Temperaturen um ungefähr vierhundert Grad in den Keller fallen - von Zwitscherfrühling auf Sibirisch-Permafrost, dir Moonboots anziehen und ein langes Gesicht machen. Oder Variante zwei: Du freust dich darüber, dass du noch eine Woche länger lustige alte Männer sehen kannst, die diese modischen Wollmützen mit Schild auf dem Kopf haben. Im nächsten Winter sind die sicher wieder out.

Lautsprecher (09.03.2013)

Lieber Tramfahrer, der Sie unlängst eine filmreife Vollbremsung auf einer großen Sachsenhäuser Kreuzung hingelegt haben: Wir wissen, es ist ein Kreuz mit diesen impulsiven Menschen, die fern von Ampeln über Straßen und Tramgleise flitzen, um ihre Bahn zu erreichen. Ja, wir prangern das an! Aber mal ehrlich: Die Außensprechanlage einzuschalten und quer über die Kreuzung zu rufen: „Sie sind doch ein Schluck Wasser auf zwei Rädern“ (meinten Sie nicht eigentlich Beine?) – das hat sich schon auch irgendwie gut angefühlt, oder?

O Schreck (08.08.2013)

„Futtermittelskandal zeigt Anfälligkeit des Systems und Versagen der Agrarpolitik.“ Entsetzt und mit innerlich rollendem R lesen wir diese Pressemitteilung, was aber nicht an der Mitteilung, sondern am Absender liegt. Denn das ist doch tatsächlich der BDM, den wir eigentlich bereits seit Jahrzehnten aus gutem Grund abgeschafft wähnten. Wie groß ist die Erleichterung, als knallharte Recherche ergibt, dass sich heute hinter dem Kürzel BDM der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter verbirgt. Gewagtes Kürzel. Respekt!

Prost (07.03.2013)

Weil morgen Weltfrauentag ist, besteht wieder erhöhte Stammtischgefahr: Sie würden ein Dirndl auch ausfüllen … hohoho … Mann, hat die Euter, die Kuh … hahaha … Warum können Frauen nicht Ski fahren? Weil es in der Küche nicht schneit … und jetzt noch ’ne Runde Bier. Seit Jahren derselbe Mist. Da loben wir uns doch ein Versandhaus, das die Diskussion in diesem Jahr um zwei T-Shirts für Kinder (!) bereichert. Die Aufschrift für Jungen: „Ich schlau, du doof“. Für Mädchen: „In Mathe bin ich Deko“.

Verr{ckt (06.03.2013)

Das am frühen Morgen noch nicht so recht angesprungene Gehirn fragt sich verschlafen, welcher Stadtteil das denn sein soll. „Fzg r{ckt ein“ steht auf der Anzeige des Busses, der in Richtung Südbahnhof abbiegt. Nach kurzer Verwirrung bietet der bereits wache Teil des Oberstübchens als Erklärung „Fahrzeug rückt ein“ an, ist dann aber mit der spontanen Rückfrage überfordert, was das denn heißen soll. Fahrt zur Kaserne? Fahrt zur Reparatur? Das Rätsel bleibt ungelöst. Und der ganze Kopfinhalt freut sich erst mal auf einen starken Kaffee.

Traumhaft (05.03.2013)

Wir tippen auf einen schönen Salatkopf in etwa drei Metern Höhe. Oder vielleicht etwas Obst, direkt vom Baum? Nein, wahrscheinlich nicht. Dann schon eher ein leckerer Bund Blätter und Triebe. Ziemlich sicher sind Akazienblätter dabei, denn Akazienblätter sind einfach ein Gedicht. Jedenfalls für Giraffen, und um die geht es ja morgen: „Wovon träumen Giraffen?“ heißt der Vortrag über Schlafforschung am Mittwoch, 18 Uhr, im Zoo-Gesellschaftshaus. Der Eintritt ist frei. Aber wenn jemand zufällig ein paar Akazientriebe dabeihat: ein Traum.

Tierquäler (04.03.2013)

Pardon, dass wir noch mal darauf zurückkommen, aber der Schock musste sich erst setzen: über das Ergebnis der Umfrage nach dem „beliebtesten TV-Tier der Deutschen“. Dass die ARD-Zuschauer Flipper auf Platz 1 wählten – in Ordnung, Biene Maja dahinter – na gut. Aber Kommissar Rex unter den ersten zehn, zwei Affen und der fette Samson? Nein! Auf keinen Fall! Vor allem, wenn Skippy fehlt, Lassie, Paul Panther – und hey: Was ist eigentlich mit Godzilla?

Probehören (02.03.2013)

Freitagmorgen im Wasserhäuschen: Die alte Dame mit Rollator lässt sich vom freundlichen Kioskpächter sämtliche Überschriften der Zeitung mit den vier großen Buchstaben vorlesen. Manchmal gibt’s sogar eine Kurzzusammenfassung des Artikels. „Und, Frau M., wie isses heute?“, fragt der Pächter am Ende. „Ach nee, steht heute nichts Interessantes drin“, sagt die Dame und rolliert aus dem Wasserhäuschen hinaus, ohne sich zum Kauf durchgerungen zu haben. Na wer sagt’s denn: Zeitungskrise funktioniert auch ohne Internet.

Heimsieg (01.03.2013)

Haben Sie mal das Wort „Mönchengladbach“ bei Google eingegeben? Sie bekommen 10,9 Millionen Treffer. Bei „Frankfurt“ sind es 334 Millionen. Außerdem: Frankfurt hat 46 Stadtteile, Mönchengladbach nur 44. Frankfurt wurde im Jahr 794 gegründet, Mönchengladbach erst 1364. Mönchengladbach unterhält sieben Städtepartnerschaften und -freundschaften, bei Frankfurt sind es 14. Warum wir an dieser Stelle so böse über die Stadt Mönchengladbach schreiben? Schauen Sie mal nach, gegen wen die Eintracht heute spielt.

Straßenstar (27.02.2013)

Man lernt ja nie aus, und es gibt immer wieder etwas Neues zu erfahren über unsere freche kleine Metropole am Main. Und wir wundern uns auch gar nicht mehr darüber, dass alle Naseweis, äh, Naslang irgendwo in der Stadt ein Baum gefällt werden muss. Aber diese Straße in Ginnheim, in der nun eine Pappel das Zeitliche segnen wird, wegen „Pilzbefalls, Fäulen und Morschung“ sowie aus Gründen der Verkehrssicherheit, die war uns, ehrlich gesagt, gar kein Begriff, liebe Frankfurter Stadtverwaltung: „Am Rotzlöffel“? Heißt die im Ernst so?

Ausgestoppt (26.02.2013)

Der städtische Rotstift hat das geplante Mundart-Theaterhaus im früheren Paradieshof zu Sachsenhausen gestrichen. Dazu stellt die „Römer-Fraktion“ um den ehemaligen SPD-Politiker Bernhard Ochs einige Fragen an den Magistrat, etwa diese: „Wo kann merr demnächst in Frankford Volkstheater – außer im Römer – uff nerr Bühn erlebbe?“ Oder: „Kann merr demnächst Frankforder Volksschauspieler nur noch im Senckenberg-Museum (in ausgestoppter Form bzw. Formalin) bewunnern?“ Des wolle merr iwwerischens aach emol wisse!

Zu kalt (25.02.2013)

Beim Joggen rutscht der Fuß zum x-ten Mal weg. Der Flur ist wieder voller Schnee. Die Tochter weint, weil ihre Hände kalt sind (und Handschuhe sind blöd). Das Moped springt erst beim achten Versuch an. Der Pullover kratzt. Die Haut juckt. Die Straßenbahn hat Verspätung – witterungsbedingt, versteht sich. Die Schuhe sind nass. Die nächste Erkältung ist im Anflug. Die Heizkosten machen einen Kleinkredit erforderlich. Was sind das eigentlich für Menschen, die in Fragebögen angeben, ihre liebste Jahreszeit sei der Winter?

Lappsus (23.02.2013)

Der praktische Tipp zum Wochenende: Bevor wir eine Tür von außen schließen, betrachten wir möglichst genau die Dinge, die wir in den Händen halten, und prüfen sie auf ihre Eignung für den ihnen zugedachten Zweck. Das vermeidet peinliche Irrtümer. Am Freitag kam ich übrigens mit einem Topflappen in der Jackentasche zum Arbeitsplatz. Daheim am Herd hing der Wohnungsschlüssel. Alles nicht so leicht im Moment.

Rad ab (22.02.2013)

Ordnung ist das halbe Leben, Vorschriften muss man einhalten, wo kommen wir sonst hin? Also rief der Frankfurter Straßenbahnfahrer in der Linie 16 um kurz nach vier am Baseler Platz: „Währrrend der Hauptverrrkehrrrszeit ist die Fahrrrradmitnahme nicht gestattet!“ Gut, die 16 war fast leer, das Mädchen mit dem Fahrrad störte keinen, andere Fahrgäste sprangen der Radlerin bei. Aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift, und deshalb musste das Rad raus, sonst würde die 16 jetzt noch am Baseler Platz stehen. Manchmal möchte man schreien.

Ballverlust (20.02.2013)

Auf dem Platz vor der Frauenfriedenskirche in Bockenheim haben wir früher Fußball gespielt. Ja, so etwas ging damals in Frankfurt. Wir haben die Kirchenwand als Ballwand benutzt, und dem lieben Gott muss es gefallen haben, denn weder er noch einer seiner Angestellten bzw. Stellvertreter auf Erden haben uns je vertrieben, wenn ich mich recht entsinne. Aber das gehört längst der Vergangenheit an. Nicht, dass heute jemand käme und einen wegjagte. Nein, heute gefällt’s dem lieben Gott, dass auf demselben Platz zehn Autos parken.

Verpatzt (19.02.2013)

Lieber HR, es ehrt dich, dass du den musikalischen Nachwuchs des Hoch’schen Konservatoriums unterstützt. Aber deswegen musst du nicht total auf Sparbrötchen machen, alle Mikrofone im Sendesaal ausschalten und damit den Beginn einer Sternstunde der Musik verpatzen. Vielleicht könntest du mal in der ARD dafür eintreten, dass unsere Zwangsabgabe nicht mehr für unverschämt hohe Honorare für Jauch & andere Versicherungsvertreter verplempert wird. So hättet ihr alle mehr Geld für Toptechnik. Musikfreunde werden es danken.

Klarstellung (18.02.2013)

Da waren wir aber froh, als der Sportkommentator uns beim samstäglichen Langlauf-Glotzen einen der Athleten als „einen geborenen Harzer“ vorstellte. Und gleich, halb entschuldigend, präzisierte: „Also einer, der aus dem Harz-Gebirge stammt.“ Sonst hätten wir nämlich geglaubt, der wackere Sportsfreund täte seine Weltcup-Prämie anschließend erdnuss-flipsmampfend, dosenbiertrinkend und „Frauentausch“-guckend auf dem Sofa vergammeln. Das hätte unser Vertrauen in den Spitzensport denn doch nachhaltig erschüttert.

Späte Lyrik (14.02.2013)

„Leb so glücklich und so froh wie der Floh in Mexiko“, lautet einer der prima Sprüche, die einst in Poesie-Alben auftauchten. Poesie-Alben waren diese Büchlein, die unter Freunden kursierten, als es noch kein Internet gab, in dem man sich einen passenden Spruch hätte suchen können. Kollegin G. wurde jüngst an jene Zeit erinnert, denn gestern steckte ihr eigenes Poesie-Album im Familienbriefkasten. Anonym und grußlos. Nach 40 Jahren. Kollegin G. findet, wer auch immer es zurückgegeben hat: Er sollte wohl etwas öfter zu Hause aufräumen.

Unnerum (13.02.2013)

Prima, Radio FFH, dank deiner morgendlichen Mitmach-Rankings wissen wir jetzt, dass 8,6 Prozent der Hessen keineswegs täglich ihre Unnerbux wechseln. Besonders wechselfaul sind Männer (15,5 Prozent). Interessant: Während lediglich 5,5 Prozent der Hessen mit mittlerer Reife sich morgens für die Feinripp vom Vortag entscheiden, sind es bei den Abiturienten stolze 8,1 Prozent. Was zwei Fragen aufwirft. Erstens: Was ist das Hessen-Abi überhaupt wert? Zweitens: Wer zur Hölle, Radio FFH, ist eigentlich deine Zielgruppe?

Ratzfatz (12.02.2013)

Also wirklich, unseren allerhöchsten Respekt! So eine mutige Entscheidung. Großartig! Natürlich waren wir auch zuerst erstaunt, geradezu baff, ein bisschen erschüttert sogar, zugegeben. Vom Blitzschlag aus heiterem Himmel getroffen. Ging ja auch ratzfatz jetzt. Und passiert doch so selten, eigentlich nie. Aber irgendwie ist es auch wieder verständlich. Benny Köhler war immerhin ein verdienter Spieler. Und deswegen hat er am Samstag von der Eintracht zu Recht noch nachträglich Blumen zum Abschied gekriegt.

Schavanen (11.02.2013)

Die jüngsten Politskandale haben uns neue Wörter gebracht, die es in den Duden schaffen könnten. Auf einer Karnevalsfeier in einer Kneipe in Sachsenhausen meinte ein Mann, er „brüderle“ jetzt mal. Es folgte eine Bemerkung über den Hintern der Bedienung. Im Stadion am Samstag sagte ein Fan, er wolle nicht „hahnen“, aber für einen Schwarzen sei Olivier Occean langsam. Und ein Freund erklärte am Sonntag, er müsse noch „schavanen“. Der Mann schreibt gerade seine Masterarbeit.

Tippton (09.02.2013)

Hier noch ein Tipp für alle, die darunter leiden, von ihrer Umwelt nicht so richtig wahrgenommen zu werden. Er hilft in Wartezimmern von Arztpraxen, im Kino, im Theater, im Ballett, in der U-Bahn, in Besprechungsräumen, am Arbeitsplatz – kurz: überall, wo es normalerweise halbwegs ruhig zugeht. Und jetzt der Tipp: Stellen Sie auf keinen Fall die Tastentöne an ihrem Smartphone leise oder gar ganz aus. Sonst kriegt ja überhaupt niemand mit, dass Sie gleich eine SMS verschicken.

Gekürzt (08.02.2013)

Ein Landtagsabgeordneter war ziemlich schlau. Quasi in letzter Sekunde habe er seine Krawatte im Auto noch abgenommen, erzählt er im Aufzug. Ihn trieb wohl die Angst, das teure Seidenstück könne ihm von dahergelaufenen Fastnachts-Frauen abgeschnitten werden. Und Tatsache: Zwei Kollegen sind bereits Opfer der symbolischen Kastration geworden und laufen mit kurzen schlappen Schlipsen herum. Ob die Weiberfastnacht in diesem Jahr eigentlich auch eine Stellungnahme zur aktuellen Sexismus-Debatte ist?

Pfui! (07.02.2013)

Schon das allerneueste Stadtgetuschel gehört? Ein Skandal in allerfeinsten Frankfurter Kreisen! Eine verhängnisvolle Affäre! Fantasien und Wünsche. Schamlos! Sex, Wahn und SMS. Dann: die Notbremse. Geständnis! Geständnis! Ein böser Fehler! Aber, ha: zu spät! Kursiert ja alles schon in gaaaanz Frankfurt. Nä-nä-nä-nä-nä-nä! Ätsch. Jeder weiß es. Alle! Nicht? Egal. So wichtig ist es auch wieder nicht.

Abgesang (06.02.2013)

Vor 15 Jahren versenkte ein „Künstler“ aus Irland mit dem Künstlernamen „The King“ die eine Hälfte unserer Lieblingslieder, indem er sie auf Elvis-Art nachsang. Sehr originell. Wirklich. Und unvergesslich. Jetzt kommt Heino aus Bad Münstereifel und verdirbt uns die andere Hälfte unserer Lieblingslieder, indem er sie auf Heino-Art nachsingt. Darauf hatte die Welt gewartet. Danke für das Kopfkino. Fehlt nur noch, dass Silvio Berlusconi „Die Fraa Rauscher aus de Klappergass“ singt. Dann bringe ich mein Radio zum Recyclinghof.

Ungerecht! (05.02.2013)

Kaum steht der karnevalistische Klimax ante portas, schon kümmert sich der Deutsche Tierschutzbund um die geschundene Kreatur. Etwa um das Pferd beim Karnevalsumzug: „In unnatürlichem Tempo sowie bei lauter Musik und Gegröle werden die Tiere körperlich und nervlich stark strapaziert.“ Oder um den Hund auf Kappensitzungen, denn Kappensitzungen „machen vielen Hunden Angst und bedeuten puren Stress“. Dazu können wir nur sagen: Uns geht’s wie Pferd und Hund. Und wer kümmert sich um uns? Niemand. Menno!

Endlich dicht (04.02.2013)

Die Erfüllung liegt ja oft im Kleinsten, im Detail. Und es stellen sich Glücksgefühle ein, wenn die Hoffnung nicht enttäuscht wird. Zum Beispiel gerade wieder im wunderbaren Café Wacker nahe der Hauptwache. Das übliche Bild: eine verstörend lange Warteschlange, die sich vom Verkaufstresen mit den köstlich duftenden Kaffeepäckchen bis nach draußen zieht. Doch das Warten lohnt sich: Endlich ein neuer Dichtungsring für die alte Cafetière...

Feuer aus (02.02.2013)

Berufskraftfahrer und regelmäßige Leser der „ADAC-Motorwelt“ kennen die Debatte schon seit längerem: Soll der Feuerlöscher im Auto Vorschrift werden? Dass eine solche Regelung nicht unbedingt nötig ist, bewies in der Nacht auf Freitag ein Taxifahrer. Er löschte in Bockenheim ein Auto, das ein bislang unbekannter Brandstifter am Vorderreifen angezündet hatte. Laut Polizei benutzte er dabei aber keinen Schaum, sondern: Apfelsaft.

Voll verföhnt (01.02.2013)

Wenig Chancen auf einen künftigen Nobelpreis hat wohl der 44-Jährige, der am Mittwoch aus Frust über seine Kündigung seine Wohnung mit einer selbst gebastelten Höllenmaschine in Brand setzen wollte. Der Föhn blies den ganzen Tag lang vergebens auf die offenbar unentzündbaren Chemikalien – bis die Vermieterin die Polizei holte. Diese verschloss die Wohnung und hängte einen Zettel an die Tür: Der Bewohner möge den Schlüssel bitte auf dem Revier abholen. Was der auch tat. Manchmal kann Polizeiarbeit so einfach sein.

Bambi (31.01.2013)

Seit einiger Zeit liest man davon, dass die Tiere die Städte zurückerobern. Freche Biber fällen arglose Alleebäume, vorlaute Marder beißen Leitungen an wehrlosen Autos durch, manchmal wühlen sich sogar Wildschweine durch Vorgärten und Mülltonnen. Nur von einem Tier hört man in diesem Zusammenhang erstaunlich selten: vom Reh! Das könnte daran liegen, dass Bambi am liebsten frische Triebe und Gräser frisst. Kenner der Rehszene behaupten allerdings, die vielen Menschen seien den Tieren zu aufregend. Rehe sind doch so scheu.

Fliegen (30.01.2013)

Einen Vorteil hat der Winter ja: Jetzt nimmt man Notiz von den dünnen Männern, die mit absurd langen Brettern unter den Füßen von Bergen herabspringen und beim Aufprall auf einen mit Kunstschnee besprühten Hang einen Knicks machen. Sommers tun sie’s auch, doch bedecken sie die Wiesen dann nicht mit Kunstschnee, sondern mit Kunstrasen. Aber nur im Winter gibt es Fernsehübertragungen, in denen Reporter herrliche Sätze sagen wie: „Da war er rechtzeitig am Tisch – aber er hat eben nicht diese Eigenschaft, fliegen zu können!“

Bürotechnik (29.01.2013)

Der Fußball wird dieser Tage in seinen Grundfesten erschüttert. Fanvertreter prangern das Verbot von Bürotechnik an, weil Stadionmagazine dann ungetackert erscheinen müssten. Zudem würde die Herstellung von Konfetti erschwert. Bei einem Spiel soll die Polizei zuletzt bereits massenhaft Locher beschlagnahmt haben. Der Verband fordert Kollektivstrafen mit Büroklammern. Der Innenminister erwartet einen sofortigen Selbstreinigungsprozess ohne Bildschirmschoner. Aus den Kurven schallt es laut: „Bürotechnik ist kein Verbrechen!“

Sportlich (28.01.2013)

Verblüffend, was heutzutage alles möglich ist. Da wirbt eine Fitness-Kette in der Stadt auf Plakaten mit dem Slogan: „Zwischen dir und deinem Erfolg steht nur eine Person: du“. Stellen wir uns das mal praktisch vor: Da steht also auf der einen Seite mein Erfolg, und auf der anderen Seite stehe ich. Und nur eine einzige Person steht dazwischen: wieder ich. Mit anderen Worten: Dieses Sportstudio macht mich nicht nur fit, es klont mich auch gleich. Sauber.

Verwählt (26.01.2013)

Nein, hier spricht kein Afghane. Wirklich nicht. Nein. War auch noch nie in der Moschee. Also schon, aber nur zum Angucken. Jahre her. Letzten Freitag bestimmt nicht. Türke? Auch nicht. Ganz sicher. Steht auch im Ausweis. Ehrlich. Meistens dauern fehlgeleitete Anrufe vier Sekunden: ’tschuldigung, verwählt. Manchmal dauern sie sechs Minuten. Ganz schön hartnäckig, die junge Dame.

Geburtstag (25.01.2013)

Man kann es ihnen nicht recht machen, diesen hessischen Polizisten. Da gerät ein Mann in Fulda in eine Verkehrskontrolle. Führerschein? Legt er selbstverständlich vor. Personalausweis? Aber sicher, hat er dabei. Reisepass? Sogar den kann der Autofahrer präsentieren. Und was machen die Beamten? Sie nehmen den Mann fest, bringen ihn zur Wache und erzählen was von einem Verfahren wegen Urkundenfälschung. Als ob man per se schon verdächtig ist, wenn in allen Dokumenten der 30. Februar als Geburtsdatum steht.

Radio TTH (24.01.2013)

Jaja, wir wissen, eigentlich heißt ihr Radio FFH. Und wolltet in einem Gewinnspiel unter der Überschrift „Wie tickt Hessen?“ von euren Hörern wissen, ob der gemeine Hesse in der Woche mehr als einmal Sex hat. Die richtigen Antworten: Ja, und zwar zu 49,4 Prozent (Mittelhessen), 48,2 Prozent (Nordhessen), 40,5 Prozent (Südhessen), 33,3 Prozent (Rhein-Main-Gebiet). Alles klar. So tickt Hessen also. Und nun unsere Frage, liebes Radio: Könnte es sein, dass ihr unter einer f/t-Rechtschreibschwäche leidet?

Stillstand (23.01.2013)

Wir hatten uns schon an sie gewöhnt. Die zwei Straßenbahnen, mitten auf der Saalburgstraße liegen geblieben. So still, heimelig. Eingeschneit, bis die Werbung fast verschwunden war. Respektvoll suchte sich der Verkehr, sonst tobend und rücksichtslos, Wege um die gestrandeten Wale. Aber eines, ihr Marketingstrategen und Kommunikationsdoktoren, solltet ihr nun genauestens im Blick behalten: Wenn bald die halbe Saalburgstraße mit gelaserten Augen nur noch in einem großen Möbelhaus bei Darmstadt shoppt, dann steht fest: Schleichen ist für Werbung noch viiiiiiel zu schnell.

Romantisch (22.01.2013)

Nebelverhangene Bäume, schroffe Felsklippen und einsame Strände: Solcherlei Naturschönheiten sind bekanntermaßen klassische Themen romantischer Kunst. Es ist daher kaum verwunderlich, dass Romantik-Fans ein ausgesprochenes Faible für Naturgewalten haben. Aber dass sie derart hartgesotten sind, dass sie bei Kälte und Eisregen eine Ewigkeit vor dem Städel Schlange stehen, um am letzten Tag noch die „Schwarze Romantik“ sehen zu können, erstaunt dann doch. Wer hätte gedacht, dass jemand so was romantisch finden kann?

Frühreif (21.01.2013)

Der siebenjährige Filius ist begeistert. 15 Cent Zinsen hat ihm sein erstes Sparbuch im vergangenen Jahr gebracht. Leider gehen vier Cent davon als Kapitalertragssteuer wieder flöten. Macht nix, sagt der Papa, der Sohn müsse halt eine Steuererklärung machen, dann gebe es das Geld retour. Von wegen, sagt der kleine Mann. Den Verlust könne er verschmerzen, weil er nun in der ersten Klasse bei jeder falschen Antwort immer sagen könne, er „als Steuerzahler“ habe das Recht zu sagen, was immer er wolle. Hach! Ganz der Papa.

Warme Wurst (19.01.2013)

Alle Achtung, werte Firma J.! Es mag ja in diesen eisigen Tagen durchaus sein, dass auch andere Leute ihre Mittagspause am Steuer eines Lieferwagens verbringen und dabei eine halbe Stunde lang den Motor laufen lassen. Man kriegt ja sonst schnell kalte Füße, während man sein Fleischwurstbrötchen verzehrt und die Boulevardpresse liest. Aber das Ganze in einem Firmenfahrzeug mit der Aufschrift „J. – Wärme fürs Leben“ zu tun, das hat schon Klasse.

Kollege (18.01.2013)

Er ist dann einfach gegangen. Hat noch einen halbfertigen Text hinterlassen. Hat jene Spalte von Meldungen, die Sie in unserer wunderschönen Zeitung allenthalben finden, nicht vollgeschrieben. Hat sein Telefon nicht leise gestellt, was seine Abwesenheit ständig in Erinnerung ruft, weil es ja ständig klingelt. Hat einfach die Jacke angezogen und die Redaktionsräume verlassen. Grußlos. Weg. Er wird schon wieder kommen, wird sich hinfläzen, als wäre nichts gewesen, kalt lächelnd. Wir nennen jetzt keine Namen. Aber gesagt werden musste es einfach mal.

Biber (17.01.2013)

Jutta Ditfurth sollte mal ein ernstes Wörtchen mit dem Biber sprechen. Da diskutieren Baumschützer seit Wochen über stehende und fallende Bäume in der Stadt, ÖkoLinx-Ditfurth fordert „Bäume so hoch wie ein Haus“ als Entschädigung für „Baummassaker“ im Nordend. Und derweil legt der dental bevorteilte Herr B., von kritischen Nachfragen gänzlich unbehelligt, ja von Naturschützern gar für seine Baumfällkünste im Nidda-Gehölz gepriesen, ein haushohes Gewächs nach dem Nächsten um. Das soll jetzt mal jemand verstehen.

BER (16.01.2013)

Unbestätigten Meldungen zufolge soll der geplante Berliner Großflughafen BER nach Kassel-Calden umziehen. Unter dem Namen BERtram-Hilgen-Flughafen sei eine Eröffnung pünktlich zum Hessentag 2013 geplant, hieß es am Dienstag. Kassels OB Hilgen habe den Regierenden Bürgermeister von Berlin bereits auf einen deutlich besser dotierten Posten befördert; unklar blieb noch, auf welchen. Im Gegenzug werde Kassel komplett auf eine Brache am Rande der Hauptstadt umgesiedelt. Die Grünen sprachen von einem „Millionengrab“.

Chic (15.01.2013)

„Mesdames et Messieurs, ich begrüße Sie herzlich zu unserer Fashion Show mit den heißesten Trends des Prêt-à-porter. Hier sehen Sie ein edles Herrenshirt in trendigem Beige, der tiefe V-Ausschnitt setzt einen reizvollen Kontrast zum klassisch-blauen Sakko. Und hier einer der neuen Oversize-Pullis für die Dame, ein Must-have in dieser Saison, wunderbar kombiniert mit den engen Jeans und den Lammfellstiefeln …“ Schweig, Stimme im Kopf! Das hier ist keine Modenschau, das ist ein ganz normaler Sonntagnachmittag im Café!

Traumhaft (14.01.2013)

Ach ja, lieber Supermarkt ganz in der Nähe, du hast immer die besten Ideen. Stellst in die Nähe der Kassen ein Regal mit Kalendern, die Kleinkinder so süß finden und un-be-dingt haben wollen. Etwa den Hello-Kitty-Kalender. Oder aber Pettersson und Findus. Und dann erst der mit den Schweinemotiven. Nur eine Frage, lieber Supermarkt: Findest du wirklich, dass sich in diesem Regal der Kalender „Bauernträume 2013“ so gut macht?

Dschungel (12.01.2013)

Bitte schließen Sie Türen und Fenster. Gehen Sie nicht raus. Schalten Sie alle technischen Geräte ab, und stecken Sie sich umgehend so viel Watte ins Ohr, wie eben reingeht. Es könnte sein, dass Sie dann eine Chance haben: Nach dem Wochenende werden ja doch wieder alle über das Dschungelcamp reden.

Nix (11.01.2013)

Im Internet noch eben ein paar Videos von rappenden Babys angeschaut. Beim Metzger ein Brötchen mit Schweinemett gekauft und sofort aufgegessen. Kurz darüber nachgedacht, woher wir eigentlich wissen, dass dieses Model und Sami Khedira jetzt nicht mehr nur verliebt, sondern sogar verlobt sind, und wen das eigentlich interessiert. Dann erwogen, doch noch schnell als Euro-Fälscher reich zu werden. Irgendwie nichts los gerade. Wo ist eigentlich die Finanzkrise abgeblieben? Und könnte nicht mal wieder jemand zurücktreten? Danke.

Körbsche (10.01.2013)

Hach, Frau K. aus F.! Aus gegebenem Anlass sind wir ja derzeit besonders liebesbedürftig hier bei der „einzischen un wahren un eschten Frankfurter Bildungszeitung“, als solche sie uns gar trefflich in ihrer „Liebeserklärung“ bezeichnen. Dass sie ihr Gedicht aber mit dem Wunsch schließen, die „im Körbsche versteckten Äppel“, von denen Sie mutmaßen, sie seien wohl recht „knaggisch“, diese jedenfalls auch mal „naggisch“ zu sehen, das müssen wir dann doch mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Aber ein netter Versuch ist’s natürlich.

Verdächtig (09.01.2013)

Weil der Mensch nach guten Nachrichten lechzt, würden wir gerne schreiben, dass die Trainingsjacke wieder da ist. Sie wissen schon, das verschwitzte Ding, von dem just die Rede war. Doch das Kleidungsstück, das im Günthersburgpark entwendet worden war, tauchte bisher nicht auf. Immerhin erreichte uns eine SMS. Es gebe einen Verdächtigen: Peter Postleb, Stabsstelle Sauberes Frankfurt. Wer moderne Kunst entsorgt, wie Postleb vor Jahren, der schmeißt auch gammelige Jacken weg. Wir ermitteln weiter.

Heiße Ware (08.01.2013)

Man kann darüber streiten, ob es eine so gute Idee ist, seine Joggingjacke im Günthersburgpark an einen Zaunpfahl zu hängen, weil einem in diesem „Winter“ beim Laufen einfach ziemlich schnell warm wird. Worüber man aber nicht streiten kann: Es ist eine Sauerei, eine versiffte, durchgeschwitzte, stinkende, mit Dreck besprenkelte Jacke zu stehlen. Sollte der Dieb das jetzt lesen und sollte ihm übel werden: Einfach die Jacke an die FR schicken. Schon sind Sie das eklige Ding los, und wir sind alle wieder glücklich.

Ruhestörer (07.01.2012)

Verständlich wären beide Versionen der Geschichte: Ein Mann in Schwanheim wird gegen 4.30 Uhr von der Waschmaschine seines Nachbarn geweckt. Klar, dass der angefressen ist und sich beschwert. Und zunächst erscheint es zwar radikal, aber nachvollziehbar, wenn vermeldet wird, das der (in seiner Ruhe) Gestörte seiner Forderung mit vorgehaltener Schusswaffe Nachdruck verleiht. Doch dann kommt die Korrektur: Nein, der mit der Waschmaschine hatte die Knarre in der Hand. Nicht mal in Ruhe waschen kann man heute!

Alles Tand (05.01.2012)

Alles muss raus. Die Plätzchen, Kekse, Makronen, Lebkuchen, bis 24. Dezember sorgsam gehütete (und in Kalendern versteckte) Kleinode, ernten heute nur noch mitleidige Blicke. Hart und verschrumpelt. Und erst der Baum. Im Grunde völlig irre, dass man so ein schiefes, knubbeliges kleines Teil voller Nadeln vier Treppen hochgeschleppt hat. Warum bloß? Bunte Kugeln, Lametta, Strohsterne: alles Tand von Menschenhand. Glühwein: angesichts des Klimawandels sowieso ein Auslaufgetränk. Nie wieder Weihnachten!

Turmlos (04.01.2013)

Heute ist ein trauriger Tag. Kein Tag zum Späße treiben. „Zum Sehen geboren / Zum Schauen bestellt / Dem Turme geschworen / Gefällt mir die Welt.“ So spricht Lynkeus, der Turmwächter, in Goethes Faust Zwo. Über den Henninger-Turm hat Lynkeus schlecht gewacht. Was ein Jammer ist, denn nun wird das herrliche Gemäuer abgerissen. Um Platz für offenbar dringend benötigte Luxusbuden zu schaffen. Die viel zu teuer sein werden, als dass Lynkeus sie mit seinem Turmwächtergehalt zahlen könnte. Hat er nun davon, der Penner!

Rechenfehler (03.01.2012)

Liebe Kollegen von der Bild, dass in eurer Hitliste „In diesen Jobs gibt’s die meisten Psychopathen“ der Beruf „Firmenchef“ auf Platz eins gelandet ist – geschenkt, das glauben wir sofort. Dass sich aber der Beruf „Journalist“ nur auf Platz sechs wiederfindet, noch hinter „Chirurg“, das kann doch nur, das muss einfach ein Irrtum sein. Da habt ihr schlampig recherchiert. Wir haben bei uns noch mal nachgezählt. Vielleicht langt es in der Tat nicht, um den „Firmenchef“ von der Spitze zu vertreiben. Aber nur Platz sechs? Nie im Leben!

Gnadenfrist (02.01.2013)

Da stehen einem ja die Haare zu Berge. Fast vier Monate sind noch zu überstehen. Erst am 23. April haben wir Fische nach dem großen Mond-Horoskop einen guten Friseurtermin zu erwarten. Dabei zotteln die Strähnen jetzt schon. Oje, dann noch so lange warten. Und mit dem Abnehmen sieht es nicht besser aus. Die guten Vorsätze zum neuen Jahr kann man gleich in die Tonne treten und munter weiter machen mit der elenden Völlerei. Denn erst am 11. März klappt es laut Horoskop mit dem Abnehmen. Na, dann Prost!

Geld (31.12.2012)

Natürlich hegen auch wir da keinerlei erotische Gefühle, aber eines muss ein für alle Mal klargestellt werden: „Gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gewinn“, wie Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagen würde, verdienen Kindergärtnerinnen, Altenpfleger, Sonder- und Heilpädagogen, Arzthelferinnen, Müllwerker, Raumpfleger und Friseure wirklich viel zu wenig. Insofern ist es auch wieder gerecht, gell, Peer?

Mordsfrisur (29.12.2012)

Um mal kurz auf den „Tatort“ vom zweiten Weihnachtsfeiertag zurückzukommen: Wir sind ja manches gewohnt, was über Frankfurt als Sündenpfuhl und Kapitale der Kriminalität und gomorrhischste Stadt unter allen Gomorrhas ausgekübelt wird. Aber diese Darstellung unseres armen Gallus als Stadtteil, in dem allein Alkohol und Unzucht herrschen – die wird nur noch übertroffen von der neuen „Frisur“ der Ermittlerin Conny Mey. Bitte sehr. Das macht den Abschied vom scheidenden Frankfurter Kripo-Team leichter.

Rheinfall (28.12.2012)

Hessen hat gewählt. Zumindest die Zuschauer des hr-Fernsehens. Und zwar die Fulda zum „schönsten Fluss Hessens“. Vor Lahn und Eder. Der stolze Rhein landete abgeschlagen auf Platz sieben, eingebettet in die zu Recht weitgehend unbekannten Rinnsale Haune und Holzape. 2012 war nun wirklich kein gutes Jahr für den Rhein, zumindest was Wahlen anbelangt. Und was den Sieger Fulda angeht, wird der es wohl halten wie der Feldmann: sich erst wählen lassen und dann in Frankfurt kaum präsent sein. Armer Rhein!

Berechnend (27.12.2012)

Kleines Spielchen? So’n Taschenspielertrick, mit dem der Onkel an Weihnachten die Kinder verrückt gemacht hat? Bitte: Denken Sie sich eine Zahl zwischen eins und neun aus. Multiplizieren Sie diese mit neun. Nun die Quersumme bilden. Das Ergebnis minus fünf. Die Zahl, die Sie errechnet haben, steht für einen Buchstaben. Eins für A, Zwei für B, Drei für C… und so weiter. Mit dem Buchstaben, auf den Sie gekommen sind, beginnen eine Frucht und ein europäisches Land, das nicht an die Schweiz grenzt. Aber: Wachsen in Dänemark wirklich Datteln?

Kurzwelle (24.12.2012)

Da hatten wir uns schon auf Feiertag und friedlich eingestellt – und dann kommst Du, lieber HR und legst uns noch ein Osterei. „Hessens schönste Flüsse“ präsentierst Du morgen, und hast immerhin 20 aufgespürt. Schön und gut – aber wir erinnern uns: Die Hitlisten waren mal länger. Da hast Du wohl ähnliche Probleme Themen zu finden wie der Hesse Flüsse. Aber wenn Dir die Ideen ausgehen, wir hätten hier noch was für Deine Shortlist: Wie wär’s mit „Hessens schönste Großstädte“? Oder gleich „Hessens schönste TV-Sendeanstalten“.

Weichei (22.12.2012)

Da hat ein Wiesbadener Gabelstaplerhersteller aber das ganz große Los gezogen. Der chinesische Staatskonzern, der schon vor einiger Zeit ins Unternehmen eingestiegen war, will seine Aktienanteile noch weiter erhöhen. Aber ob das gutgeht? Immerhin trägt der Konzern den durchaus ambivalenten Namen: Weichai Powers.

Gut Holz (21.12.2012)

Huhu, Homburger Hof. Wie wir deiner Homepage entnehmen, trägt eine deiner Kegelbahnen den schönen Namen „Rosemarie Nitribitt“. Sehr gut. Was wir nämlich schon immer mal fragen wollten: Wäre es wohl möglich, uns für morgen Abend für zwei … ach, sagen wir besser drei Stunden die Nitribitt zu reservieren? Wir hätten da einige tabulose Spielchen im Sinne und … wie bitte? Die Kegelbahn „Rosemarie Nitribitt“ ist schon besetzt? Die Nachbarbahn „Liesl Christ“ wäre aber noch frei? Och nö, danke.

Hanf im Glück (20.12.2012)

Beinahe hätten sich die beiden Brüder, die zu Hause eine mehr als nur zünftige Cannabis-Plantage gepflanzt hatten, am Mittwoch vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Aber nur beinahe. Das Amtsgericht hatte verbummelt, einen der beiden Brüder fristgerecht zu laden. Der aber beharrt, der guten Ordnung halber, auf einer fristgerechten Ladung. Ein Dutzend als Zeugen geladener Polizisten trottet missgestimmt nach Hause. Die Brüder gehen Kaffee trinken. Die Moral: Kiffen macht weder dumm noch gleichgültig.

Über Gebühr (19.12.2012)

Na toll! Am Frankfurter Flughafen kann man jetzt seine Winterklamotten an der Garderobe abgeben. Für 50 Cent pro Tag. Und dann mantelfrei in den Süden fliegen wie die Kraniche. So weit die Theorie. Die Praxis läuft doch so: Das Flugzeug stürzt ab, man rettet sich auf eine einsame Insel, und nach 30 Jahren Robinsonade kommt doch noch ein Äppelkahn einher und rettet einen. Und dann verlangt der Flughafen noch Abertausende Euro Gebühr für einen Mantel, der längst aus der Mode ist. Ganz toll!

Schabe (18.12.2012)

Es ist natürlich eine Sache, sich ohne fremdes Zutun schwer den Hals zu verrenken. Eine andere aber ist es, von den Kollegen aufgrund der daraus resultierenden Körperhaltung mit dem bösartigen außerirdischen Rieseninsekt aus einem berühmten Science-Fiction-Film verglichen zu werden. Nun könnte man das natürlich hinnehmen. Man kann aber auch im Internet-Kinolexikon nachlesen über diese „hochintelligente Schabe“, hört, hört, mit „außerordentlichen Fähigkeiten“, so, so. Ha! Nehmt dies, primitive Erdlinge!

Faustling (17.12.2012)

Heil Dir, unbekannter Frankfurter, der Du am Samstagabend den Weihnachtsmarkt mit den unsterblichen Goethe-Worten „Du glaubst zu schieben, und du wirst geschoben“, wie weiland Mephistopheles auf dem Blocksberg in Faustens Ohr fauchte, auf den Lippen betratest. Dass unser Dickdichter unvergessen und sein Faust – zumindest was die Verhältnisse auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt anbelangt – nach wie vor hochaktuell ist, das wärmt unser Herz mehr als aller Glühwein und alle Maroni dieser Welt.

Rosinenpicker (15.12.2012)

Ausgerechnet jetzt! Hat doch das Zoogeschäft zugemacht, einfach so. Dabei ist jetzt die einzige Zeit, wo es gebraucht wird. Um Vogelfutter zu kaufen. Immerhin hängt in der Tür ein Zettelchen, dass es weiter unten in der Berger Straße einen Kollegen gebe. Mit Skepsis hin. Aber siehe da: Auch der hat loses Winterstreufutter mit Erdnüssen. Und sagt: „Das ist vom selben Lieferanten.“ Wir werden es überprüfen – oder genauer: von Fachleuten überprüfen lassen. Die Gefiederten sind wählerisch. Den abgepackten Rewe-Kram haben sie verschmäht.

Verwunschen (14.12.2012)

Kompetenten Zuspruch erhalten wir von FR-Leser Klaus W. aus F.: Genau wie Fraa Rauscher ist er der Meinung, dass es auf dem Adventskalender nicht heißen darf: „Eintracht Frankfurt wünscht seinen Fans frohe Weihnachten“, sondern: „Eintracht Frankfurt wünscht ihren Fans“ usw. Zugleich aber überführt er Fraa Rauscher: Ihr Tipp, einfach „Der Champions-League-Teilnehmer“ davor zu schreiben, hilft auch nix, denn es muss ja heißen. „Die Champions-League-Teilnehmerin“. Hut ab, Klaus W. – oder, wie der Franzose sagt: Champeau!

Friedlich (13.12.2012)

O du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Über allen Gipfeln ist Ruh. Und in der Stadt erst recht. Nichts, absolut nichts habe man heute anzubieten, bedauert der Polizeisprecher. Keinen Mord, keinen Totschlag, keinen Handtaschenraub. Vom Auffahrunfall ganz zu schweigen. Nicht mal auf die Enkeltrickbetrüger war Verlass. Und nicht ein Missetäter erbarmte sich, wenigstens öffentlich in schamverletzender Weise an irgendwas rumzumanipulieren. Den Titel „Hauptstadt der Kriminalität“ sollten wir damit wohl los sein... Aber schauen Sie doch mal in unserem Polizeireport nach: Im ganzen übrigen Hessenland geht's ab wie im Wilden Westen!

Wünsche (12.12.2012)

Womöglich haben wir im vergangenen Jahr schon darauf aufmerksam gemacht. Aber es gibt Dinge, die kann man gar nicht oft genug sagen: „Eintracht Frankfurt wünscht seinen Fans, Freunden und Partnern frohe Weihnachten“, steht hinten auf dem Adler-Adventskalender der Herzen drauf. Das finden wir nicht optimal gelöst. Bitte für die Vorweihnachtszeit nächstes Jahr nachbessern: „Der Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt wünscht seinen Fans…“ Dann klappt’s auch mit dem besitzanzeigenden Fürwort.

Riesenräuber (11.12.2012)

Nachdem wir uns eine unserer Polizeimeldungen im Blatt vom Montag noch einmal ganz genau durchgelesen haben, müssen wir sagen, dass der öffentliche Fahndungsdruck auch nicht mehr das ist, was er mal war. Wird doch der eine Räuber als etwa 180 Meter groß, die andere Räuberin als etwa 1,65 Zentimeter groß beschrieben. Herrje – so schwer dürften die doch nicht zu finden sein. Na gut, bei der Däumeline muss man vielleicht etwas gucken. Aber ein 180-Meter-Räuber? Es kann sich eigentlich nur um einen Oger handeln. Oder um eine Bank.

Schneesünder (10.12.2012)

Ganz Sachsenhausen liegt unter einer Schneedecke. Autofahrer kurven auf der Suche nach einem Parkplatz durch die Straßen. Dicke Schneemäntel hüllen die parkenden Autos ein, da ist partout kein freier Platz in Sicht. Nach der x-ten Runde ist schließlich doch einer erspäht. Anwohnerparken! Verflixt! Soll man es wagen, sich einfach hinzustellen? In null Komma nix wäre der Wagen eingeschneit, kein Stadtpolizist würde jemals sehen, ob tatsächlich eine Anwohnerlizenz unter Frontscheibe liegt. Es ist schon bemerkenswert, wie das Wetter sündige Gedanken gebiert.

Grün (08.12.2012)

Alle FRler haben die rundschaugrünen Corporate-Identity-Jacken angezogen. Um Soli-Abos auf der Zeil zu werben. Schicke Jacken. Trendfarbe 2013. Kurz erwogen, die Aktion heute im Stadion fortzusetzen. 50.000 potenzielle Abonnenten! Aber wieder verworfen. Der Gegner heißt Werder Bremen. Und trägt grün. Doch nicht so schick.

Knigge (07.12.2012)

Nicht als Erster gehen. Aber erst recht nicht als Letzter. Nicht zu viel trinken. Aber natürlich auch nicht zu wenig. So steht das im Knigge für die Weihnachtsfeier und so weit konnten wir das auch gerade noch nachvollziehen. Aber dann das: Den Chef nicht duzen! Trotzdem mit ihm sprechen! Aber nur über positive Neuigkeiten aus dem Unternehmen! Lieber Knigge, wenn wir leicht angedüdelt den Chef siezen und ihm positive Neuigkeiten aus dem Unternehmen erzählen – dann schmeißt er uns raus. Und hat recht damit.

Umsonst (06.12.2012)

So, damit das jetzt ein für alle Mal klar ist: Bei kostenpflichtigen Veranstaltungen unserer Wahl (Ledermuseum, Living XXL, FDP-Parteitag, Streichelzoo) werden wir künftig grundsätzlich freien Einlass begehren und auch durchsetzen. Nachfragen werden wir mit dem Verweis auf „wichtige Begegnungen“ begegnen. Kritik werden wir als „blanke Lächerlichkeit“ abtun. Eine Begründung, was an der Kritik nun genau lächerlich ist, werden wir uns selbstredend sparen. Wäre auch noch schöner! Könnte ja jeder … Aber lassen wir das lieber.

Hauptstadt (05.12.2012)

Liebeskind Berlin, du bist ein Laden, der Handtaschen verkauft – und zwar solche mit „großem Coolness-Faktor“, aber dennoch „tragbar und stilsicher“, wie’s die Berlinerin nun mal liebt. Jetzt hast du auch einen Laden in Frankfurt, in der Schillerstraße. Willkommen am Main, in der, wie du schreibst, „Bankenmetropole und wunderschönen hessischen Hauptstadt“. Das ist nicht ganz korrekt, aber tragbar und stilsicher. Und ganz schön cool.

Adventshoch (04.12.2012)

Es ist schon seltsam. Seit der Monat Dezember begonnen hat, läuft alles irgendwie wie geschmiert. Man steht fröhlich auf, begrüßt den jungen Morgen magna cum voce singend unter der Dusche, und irgendwie kommt es einem so vor, als habe das verbliebene Haar plötzlich wieder Volumen, Glanz und Spannkraft. Und auch die Haut – so samtig und weich wie ein Babyarsch. Das könnte ein psychologischer Effekt der Adventszeit sein. Vermutlich liegt’s dann aber doch eher am Mineralöl in der Adventskalenderschokolade.

Lernfähig (03.12.2012)

Anlässlich unserer Berichterstattung über breite Autos im heutigen Blatt hier eine Anekdote vom Prüfling. Ein riesiger Wagen parkt mitten auf dem Bürgersteig. Eltern mit Kinderwagen müssen teils auf die Straße ausweichen. Derweil macht das Auto eine Entwicklung durch. Tag 1: Die Außenspiegel sind komplett verstellt. Tag 2: Die Scheibenwischer stehen in unmöglichem Winkel zur Frontscheibe ab. Tag 3: Das Nummernschild ist demoliert. Tag 4: Vermutlich wären heute die Reifen dran gewesen. Aber der Wagen ist weg.

Peeter (01.12.2012)

Wir bräuchten da mal eine kurze Nachhilfe: Der vorläufige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will nun Hausbesuche machen im Wahlkampf; es heißt, weil Barack Obama das auch getan habe, was uns zu der Frage führt, ob Peter Feldmann eigentlich parteiintern Barack Obama genannt wird. Und ganz eigentlich war es ja unser Arzt, der Doktor Schopp, der die Hausbesuche erfunden hat. Aber den erwähnt natürlich wieder keiner.

Peitschkalt (30.11.2012)

Die Russenpeitsche! Endlich mal ein Name für eine Kältefront, mit dem sich was anfangen lässt. Und der Fantasie sind für die Namen der kommenden Kältewellen keine Grenzen gesetzt. Die Kosakenknute, der Zorn des Zaren, die eiskalte Rache der Roten Armee – mögen sie alle diesen Winter über uns kommen, auf dass wir uns an Schlittenfahrt und Glühwein berauschen können. Aber spätestens im Frühjahr wird’s dann wieder Zeit für den heißen Todeskuss des Iberers – oder wie immer man das dann nennen will.

Ewig (29.11.2012)

Unterhaltung zweier junger Männer in der Umkleidekabine. „Krasse Tattoos, Alter, zeig mal.“ – „Hab ich auf der Zeil stechen lassen. Will ich noch weitermachen, über die ganze Brust.“ – „Und, was hast du gelatzt?“ – „Alles zusammen, weiß nicht, so 60 Scheine.“ Kurze Pause, dann wieder der Untätowierte. „Ich will auch ein Tattoo, schon seit ich klein war.“ Der bereits Tätowierte lächelt schief. „Musst dir das Motiv aber gut überlegen Alter, das bleibt für immer!“ Er zeigt dem anderen seinen Unterarm. Darauf steht fett „Sabrina“.

Blödbrot (28.11.2012)

Liebes Supermarkt-Team, nun müsst ihr euch entscheiden. Es kann nicht sein, dass in der Filiale im Grüneburgweg jegliche Brotgröße durch die Maschine gehackselt werden darf, während es im Geschäft in der Bockenheimer jedes Mal heißt: „Nur ganze Laibe passen durch die Maschine.“ Egal scheint dabei zu sein, ob das ganze, sagen wir Sonnenblumenkernbrot, kleiner ist als das halbe Roggenschrotbrot. Das ist total unlogisch und auch menschenverachtend, weil es den Verlust von Fingern bedeuten kann. An dieser Stelle sei nur angedroht: Ich frage weiter!

Irrealo (27.11.2012)

Soso, Daniel Mack. Sie gratulieren dem „lieben Sebastian Vettel zum dritten WM-Titel in Folge nach einer furiosen Aufholjagd“, würdigen die „sensationelle Leistung“, mit der der Sepp sich „in den Geschichtsbüchern des Motorsports verewigt“ habe und geben halt so den ganzen verbalen Dünnschiss von sich, den man als Motorsport-PR-Heini von sich geben muss. Leider sind Sie kein Motorsport-PR-Heini. Sondern Landtagsabgeordneter der Grünen. Manchmal, ganz selten, vermissen wir ja die alten Grünen, die zumindest für irgendwas standen.

Ruhmesblatt (26.11.2012)

„Schee ist annerst“, wie der Frankfurter sagt. Oder findet irgendjemand, dass es jenes Wohnhochhaus als Nachfolger vom Henninger-Turm ästhetisch mit dem legendären Silo-Gebäude der Bierbrauer aufnehmen kann? Eigentlich ist das Ding doch nur zu einem gut: Den Finanzplatzern aus Eschborn eins auszuwischen und uns den Ruhm des längsten Sinnlos-Titels für ein Radrennen auf ewig zu sichern. Welt, hier kommt das „Internationale-Rund-um-das-begrünte-Wohnhochhaus-mit-dem-Drehrestaurant-auf-dem-Dach-Rennen“!

Aaach - tung! (24.11.2012)

Jeneralfeldmarschall Erwin Rommel, stilljestanden! Hohe Ehre wurde Ihnen posthum zuteil. Gestern erjing vom Schreiber dieser Zeilen der telefonische Befehl an das EDV-Korps dieser Gazette, doch jefälligst das alte Mail-Passwort „Urmel123“ wieder herzustellen. Aufgrund eines grippebedingten Verstänjungungsproblems machten die Kameraden daraus „Rommel123“. Jutes Passwort, wird nicht mehr jeändert, was? Alter Wüstenfuchs – immer noch unverjessen. Zumindest von unserer EDV.

Hiob 2.0 (23.11.2012)

Ja, wenn man mal einen Lauf hat: Einen Katarrh in der Brust, dass man aussieht wie dem Tod sein Windrädchen – und auch so klingt; allein der Blick aufs Wetter macht depressiv, und auch ansonsten sieht’s nicht besser aus. Dann wacht man nachts um 4 Uhr auf, weil’s kratzt wie im Borgori-Wald, und tatsächlich: Es ist der erstklässelnde Filius, der sich die Läuse geholt hat. Beim Betrachten der Bescherung explodiert die letzte echte Glühbirne des Haushalts und muss durch eine Energiesparfunzelattrappe ersetzt werden.

O Herr, warum ich?

Enthaltestelle (22.11.2012)

Wo wir unser Blatt heute gerade mit der Wunderwelt der Wasservögel aufgemacht haben (eine Nilgans im Flug über den Main): Die Faszination Ente hängt ja ganz besonders mit ihrer anmutigen Art zusammen, auf Gewässer herniederzuschweben und mit einem langen Rauscher wie auf Skiern zu wassern. Immer wieder ein herrlicher Anblick. Im Frankfurter Zoo haben sich die Enten, wie jüngst zu beobachten, eine beeindruckende Technik antrainiert: Sie brauchen nur noch zwei Meter Bremsweg. Das entspricht ziemlich exakt der Breite des Wassergrabens bei den Kamelen.

Schollenlob (21.11.2012)

Liebe Familie, gut gemeinte Ratschläge sollte man natürlich annehmen. Eine zugegeben große Eisscholle im Kühlschrank frisst über mehrere Monate hinweg bestimmt wirklich viel Energie, und auch ein Gluckern der Heizung kann auf Dauer störend wirken. Wenn das Abtauen des Kühlschranks allerdings dazu führt, dass man sich danach einen neuen kaufen muss und das Entlüften der Heizung dazu, dass man anschließend auf ihre Wärme verzichten muss, dann sei doch liebevoll an die Scholle und das Gluckern erinnert, das eigentlich niemanden störte.

Ritter Rotz (20.11.2012)

Es gibt sicher angenehmere Situationen, als feierabends in einer zum Bersten gefüllten U-Bahn festzustellen,

a) dass man gleich mal tierisch niesen muss und

b) mehr aus der Nase herausgeschossen kommt, als die breite Öffentlichkeit jetzt präsentiert bekommen sollte. Also saß der Nachbar gestern einige Sekunden verzweifelt mit beiden Händen vor dem Gesicht da, bis ihm ein barmherziger Ritter geistesgegenwärtig ein Taschentuch reichte. Der Rest der gemeinsamen Fahrt war allseits Grinsen und Gesundheitswünschen.

Bedenklich (19.11.2012)

Am Wochenende erreichte uns die sehr beruhigende Nachricht, dass einer Umfrage zufolge jeder dritte Pilot schon mal hinter dem Steuerknüppel eingeschlafen ist. Nun rechnen wir mit folgenden weiteren Veröffentlichungen: Jeder zweite Feuerwehrmann hat Angst vor Wasser. 70 Prozent aller Taxifahrer können eine rote Ampel nicht von einer grünen Ampel unterscheiden. 25 Prozent aller Richter haben kein Staatsexamen. Und natürlich: Vier von fünf Schiedsrichtern, die Eintracht-Spiele pfeifen, sind Fans von Bayern München.

Übler Tag (17.11.2012)

Heute sind unsere Gedanken beim Taxifahrer Ahmad B. Er nahm nachts im Bahnhofsviertel einen Mann mit, der sternhagelvoll war, was schlimm genug ist. Während der Fahrt musste der Fahrgast brechen. Auch nicht schön, so mitten auf der Autobahn. Dann kündigte der Mann an, sich demnächst einzunässen, was Ahmad B. dazu veranlasste, ein wenig schneller zu fahren. Er wurde geblitzt und muss nun 93,50 Euro zahlen, außerdem gibt es einen Punkt in Flensburg. Vor Gericht scheiterte Ahmad B. Er findet das irgendwie ungerecht.

Genossen! (16.11.2012)

Aus aktuellem Anlass eine Frage, die uns wirklich sehr umtreibt, was ja kein Wunder ist, in dieser Lage. Eine Frage also, die gar dringend der Klärung bedarf, weil man ja nicht ewig unwissend durchs Leben rennen darf, weshalb das nun ein für alle Mal beantwortet werden muss, weil es doch sonst auch gar nicht weitergehen kann, weil sonst ganz bald alles vorbei ist, weil dann die Lichter ausgehen, finito la musica. Also: Heißt es nun eigentlich, er/sie/es hat geniest? Oder heißt es, er/sie/es hat: Genossen?

Eiskalt (15.11.2012)

Der Tiefpunkt am bitterkalten Mittwochvormittag war nicht etwa erreicht, als wir in Niederursel aus der U9 stolperten, jener U9, die wir im guten Glauben bestiegen hatten, sie werde uns schneller Richtung Main bringen als die verschollene U2, und auf der Anzeigetafel bibbernd lasen, ein Zug zum Südbahnhof werde in 18 (achtzehn!) Minuten erwartet. Nein, der Tiefpunkt kam, als nach 18 Minuten wirklich eine Bahn sich näherte – und die Leuchtschrift den Wartenden eiskalt befahl: Nicht einsteigen. Fahrschule. Na ja. Muss ja auch mal sein.

Countdown (14.11.2012)

Der Paketbote läutet in letzter Zeit beinahe täglich. Gut so, dann kommt ja alles pünktlich. Im Supermarkt stehen die süßen Sachen bereit, aber das hat noch ein paar Tage Zeit. Soll ja nichts verkommen. Überprüfung im Keller: Kugeln? Vorhanden, Schäden im Vorjahr waren gering. Baumständer? Funktioniert, wenn auch der Schließmechanismus latent ausgeleiert ist. Rentier aus Pappe? Sieht noch repräsentativ aus. Bleibt nur noch der Klebezettel: „Nächste Woche Gans bestellen.“ Noch 40 Tage. Dann ist wieder Weihnachten.

Körper (13.11.2012)

Der FC Bayern München hat die Besucher seines Stadions am Samstag erstmals sogenannten Ganzkörperkontrollen unterzogen. Dafür wurden eigens Zelte aufgestellt. Das ist eine sehr gute Idee. Ganzkörperkontrollzelte können den Alltag sicherer machen, vor dem Supermarkt, bei der Arbeitsagentur, auf dem Spielplatz, in der U-Bahn-Station. Ergänzt um ärztliche Schnelluntersuchungen ließen sich sogar Aufenthalte in der Oper (Husten) oder im Schwimmbad (unschöne Stellen) erträglicher gestalten. Bravo, FC Bayern!

Reminder (12.11.2012)

Liebe Junge Union Bad Homburg, danke für die Pressemeldung, dass deine Vorsitzende Felicitas Weil von der Ahe sich freut, weil dein Mitglied Leon Peter van Lee für sein „ehrenamtliches Engagement“, etwa beim Leo Club Bad Homburg Schloss, „ausgezeichnet“ wird, und zwar indem er – potztausend – „beim Bundesparteitag der CDU von Bundeskanzlerin Merkel persönlich empfangen“ wird. Da fiel uns plötzlich wieder ein, warum wir einst mit Ende der Pubertät das Champagnerluftdorf frohen und leichten Herzens verlassen haben.

Berufstipp (10.11.2012)

Werter Gauner, der du am Donnerstagabend in der Elbestraße einer 33 Jahre alten Frau das Handy raubtest: Gehe in dich! Denn der Anruf, den du kurze Zeit später erhieltest und bei dem dich ein Unbekannter bat, falls du ein Handy zu viel hättest, dieses doch sofort zum Bahnhof zu bringen und dort an ihn zu verkaufen – der kam gar nicht, wie du mittlerweile weißt, von einem bösen Buben wie dir. Sondern von der Polizei. Vergiss die Karriere als Krimineller. Versuch’s doch mal als Pfandflaschensammler. Das ist zwar mühsam, aber legal.

Dämonalarm (09.11.2012)

Dass gestern mal wieder das Redaktionssystem abgeschmiert ist, macht uns keine Angst. Das ist normal. Was uns Angst macht, ist die Ursache, die die IT-Abteilung fand und die sie ungefragt an alle weitermailte. „Fehlerbeschreibung IT-Verteiler: Dämonen“ war dort schwarz auf weiß zu lesen. Seitdem geht in der Redaktion die Angst um. Und die bange Frage: Wer war’s? Asmodäus? Incubus? Azazel? Baal, der böse Schlingel? Wir jedenfalls tippen angesichts der Häufigkeit der Systemabstürze auf Legion. Denn sie sind viele.

Schwanenstau (08.11.2012)

Ausgerechnet die A5 hat sich ein ausgewachsener Schwan am Dienstag zum Bummeln ausgesucht. Er marschierte gegen 16.30 Uhr in Höhe der Europabrücke ausgerechnet über die Überholspur und unterschritt dabei deutlich die vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit. Die Autobahn wurde gesperrt, Polizei, Tierrettung und Feuerwehr rückten an und fixierten den drohend zischenden Schwan mit einem Fangnetz. Er wurde in den Main verbracht, wo er laut Polizei „unverzüglich seine Schwimmtätigkeit wieder aufnahm“.

Muip! (07.11.2012)

Was genau ruft eigentlich der Baufacharbeiter, um dem Mann am Steuer des Betonmischers klarzumachen, dass er das Fahrzeug weit genug zurückgesetzt hat und gleich gegen die Wand fährt? Normalerweise würde man von „Stopp!“ ausgehen, „Halt!“, vielleicht auch „Reicht!“, „Langt!“ oder „Breeems!“. Seltsamerweise klingt es aber stets, wenn eine Fachkraft einer anderen derlei Sachverhalt kommuniziert, und sei es ein im freien Fall befindlicher Hammer, eher wie „Muip!“, „Boim!“ oder „Moil!“ . Wohl eine internationale Konstrukteurssprache.

Ach nö! (0611.2012)

Lieber Albert Speer, der Nachrichtenagentur epd haben Sie jetzt völlig zu Recht erklärt: „Architekten sollten auch einmal Nein sagen können“ – und als Beispiel dafür Walter Gropius genannt, der seinen guten Namen für eine megalomane und bockhässliche Trabantenstadt in Berlin hergegeben habe. Ihre Einschätzung, dass auch Architekten ab und an mal Nein sagen sollten, teilen wir vollumfänglich. Wir fragen uns nur, ob es da nicht noch andere, sagen wir mal… ähem… näherliegende Beispiele als den ollen Gropius gegeben hätte.

Retro (05.11.2012)

Da ist es wieder, das 80er-Jahre-Gefühl. Freitagabend im Waldstadion. Alles ist so retro. So wie früher. Die Eintracht spielt gegen den Tabellenletzten – und gewinnt nicht. Das war einst an der Tagesordnung. Nach dem Spiel steht an fast jedem Baum ein junger Mann und erleichtert sich. Auch das sah man früher weitaus häufiger als heute im modernen Fußball. Und dann sind da noch die jungen Frauen am Ausgang, die ein Buch verteilen, das vor rund 30 Jahren ein absoluter Bestseller gewesen sein soll. Der Titel: „Gelbe Seiten“.

Rückruf! (03.11.2012)

An dieser Stelle wurde vor Tagen der gut gemeinte Rat gegeben, alte und ungeliebte Süßigkeiten zu Halloween einfach an die Monsterkinder zu verfüttern. Hiermit ergeht ein Rückruf! Die an und für sich brillante Idee funzt in der Realität nicht. Denn die unnützen Kamellen, die man durch die Hintertür los wird, schleppen die eigenen Kinder zur Vordertür wieder rein.

Partner (02.11.2012)

„Hallo Partner – danke schön“ hieß mal eine Kampagne in den 70er Jahren für mehr Miteinander im Straßenverkehr. 40 Jahre später klingt das am Donnerstag so: „Soll ich aufm Gehweg fahrn, oder was?!“, raunzt der Busfahrer die Radlerin an, die sich erdreistet, ihm auf einer Einbahnstraße im Westend zu begegnen, da, wo es besonders eng wird. „Soll ich aufm Gehweg fahrn?“, fragt die Radlerin arglos zurück. Der Rest geht ein wenig in der Empörung des Kraftfahrers unter. Immerhin: Es wurde niemand verletzt. Hallo Partner – aus dem Weg!

Saures (01.11.2012)

Wer das Halloween-Fest als überflüssigen Humbug abtut, der verkennt das enorme Potenzial, das bettelnde Kinder für die Wohlfahrt des eigenen Hausrats bergen. Gestern Abend jedenfalls konnte ein in Jahren gewachsener Bestand an sogenannten Erfrischungsstäbchen, mitgebracht als Danaergeschenk von bösen Besuchern, an freudestrahlende kleine Monster entsorgt werden. Hat geklappt. Nächstes Jahr sind die gammligen Amarettini vom letzten Italienurlaub an der Reihe, sobald irgendwer „Süßes oder Saures“ fordert.

Lecker (31.10.2012)

Besonders in der Hochsaison der Erkältungskrankheiten erfreuen wir uns an der Gewohnheit vieler Menschen, vor dem Umblättern einen Finger anzulecken. Ach herrlich, wie leicht es sich dann blättern lässt! Besonders in Formularen, die der Lecker vom Amt anschließend dem Kunden überreicht. Einer der weltbesten Orte, um mit Spuckefingern in einer Illustrierten zu wühlen, ist das Sprechzimmer des Hausarztes. Husten, lecken, umblättern. So gesellt sich zum Lesezirkel gleich noch ein prima Grippe- und Bronchitiszirkel. Gesundheit!

Maskenball (30.10.2012)

So billig kommt man selten ins Museum: „Anlässlich der Ausstellung ,Schwarze Romantik‘ hält Halloween Einzug“, lockt das Städel: Kostümierte Besucher dürfen am Mittwoch gratis rein. Hier die Rauscher-Top-Tipps zur Maskerade:

1. Nosferatu. Haare abrasieren, Gesichtsfarbe verlieren, Fingernägel wuchern lassen.

2. „Großer roter Drache und die Frau, mit der Sonne bekleidet“, wie von William Blake 1805 gemalt. Bisschen aufwendig, aber ziemlich effektvoll.

3. Kunstbanause. Praktisch, aber unromantisch. So kommen fast alle.

Eigentlich (29.10.2012)

Also eigentlich. Also eigentlich sollte dieser Sonntag ganz im Zeichen der guten Vorsätze stehen. Zum Beginn der Winterzeit. Ein Vorwand muss ja sein. Also der Plan: Früh raus. Nachts haben wir ja eine Stunde Zeit gewonnen, das stärkt ungemein. Also früh raus, zum kleinen Frankfurt-Marathon: Einmal rund um den Grüneburgpark. Danach so ab 11 Uhr runter an die große Strecke und Kristin und Peter zujubeln. Gut, dass den Plan außer uns keiner kannte. Und Kristin und Peter haben sich über den Anruf am Nachmittag auch gefreut.

Verhört (26.10.2012)

Da lacht des Völkerkundlers Herz. In der S-Bahn nach Frankfurt erklingen die unverwechselbaren Fruchtbarkeitsgesänge eines kleinen neuguineischen Stammes. Die furiose Brumm- und Quietsch-Komposition brachte zuletzt vor 30 Jahren ein verschrobener Dozent mittels eines Tonbands zu Gehör. Aber wie schade, dass der fröhliche Sänger nicht in den an sich notwendigen Penis-Köcher gewandet war, sondern obenrum in einen weißen Kopfhörer und untenrum in feinste Banker-Nadelstreifen. War wohl doch Rihanna oder Verdi …

Autokratie (25.10.2012)

Unglaublich sowas, sagt eine Frau gestern an der Fußgängerampel zu ihrem Nachbarn: Ganz zerkratzt sei das Auto gewesen, wahrscheinlich von irgend so einem ... Wenn man so einen erwische, antwortet der Nachbar, dem müsste man die Finger abschneiden. Da nickt die Frau: „Und das ist noch zu wenig.“ Volkes Meinung ist oft streng, morgens an der Fußgängerampel. Für einen Kratzer am Auto wird da auch gern mal gelyncht.

Spamillionen (24.10.2012)

Hochverehrte Mrs. Wanek Darylene, es ist natürlich außerordentlich bedauerlich, dass Sie in einem Krankenhaus in Hongkong ans Bett gefesselt sind, wahrlich ein Elend. Auch, dass Ihr geliebter Mann verstorben ist, erfüllt uns mit Trauer und Gram. Aber warum Sie neben geschätzten zwei Millionen Holländern ausgerechnet uns andauernd per E-Mail auffordern müssen, die 6,5 Millionen Euro Ihres Gatten von der Bank zu holen und einem guten Zwecke zuzuführen, bleibt uns ein Rätsel. Und wie zur Hölle soll das denn überhaupt gehen?

Aber Hola! (23.10.2012)

Seit jeher nennen Frankfurter Kinder den sicheren Ort, an dem man beim Fangen spielen nicht gefangen werden darf, „Hola“ – aus welchen Gründen auch immer. Private Recherchen haben jetzt ergeben: Diesen Ort kennen die Kinder auch anderswo. Sie nennen ihn nur anders. In Braunschweig etwa heißt er „Pulle“, in Bremen „Lu“. Im Schwäbischen ist er als „Botte“ bekannt, manchmal auch als „Lotz“, der Schleswiger nennt ihn „Klippo“, der Sachse „Zick“. Ein schöner Ort mit vielen schönen Namen. Wer kennt noch einen?

Hatschi (22.10.2012)

Aus gegebenem Anlass dokumentieren wir die Nies-Vorlieben der Kollegen und ihre Wünsche an ihre Nachbarn. R. kritisiert, dass jedes Hatschi zelebriert werde. A. findet es unangemessen, dass seine Nachbarin ihr Niesen mit einem Kreischen begleitet. Er traut sich aber nicht, was zu sagen. T. hat der altväterlichen Art, auf die sich sein Nachbar Luft verschafft, eine Passage in einem wundervollen Buch gewidmet. Und G. hat am Samstag sehr laut geniest. Sekunden später wünschte sein Nachbar „Gute Besserung“. Per SMS.

Unhessisch (20.10.2012)

Liebes HR-Fernsehen, du hast mich erschreckt. Wo doch dein gewohntes Abendprogramm etwa so geht: „Die 50 besten hessischen Prinzessinnen“, „50 schöne hessische Schlagersänger singen 50 schöne Hessen-Hits“ und „17 fröhliche Hessen überall“ – da zeigst du plötzlich „Die große internationale Musikshow – Basel Tattoo 2012“. International! (hä?) Basel! (wo?) Tattoo? (neumodische Ferz!). Zeig doch lieber die 300 besten Hessenfernseh-Abende, lass die 50 allerbesten wählen und zeig die grad noch mal. Das gibt ein schönes Jahr Hessenfernsehen.

Geisterzug (19.10.2012)

Irgendwas ist anders, denke ich gestern in der Frühe auf der Fahrt in die Redaktion, irgendwas stimmt doch hier nicht. Aber was kann es sein? Die Leute in der U-Bahn sehen so aus wie immer, das Gelenk im Waggon quietscht wie immer, die Fensterscheiben sind mit Werbung zugeklebt wie immer, die Gespräche … – das ist es: keine Telefongespräche! 16 Stationen lang. Kein einziger Klingelton. Ich mag die Herbstferien.

Kunst & Brot (18.10.2012)

Nichts für ungut, liebes Städel: Schön schaust du aus, dein neues Souterrain ist eine Augenweide, wie die Kunst, die dort hängt. Nur dass dein Anbau den Namen „Hertie-Gartenhallen“ trägt und der auch überall gut sicht- und lesbar ist, das ist doch ein bisserl gewöhnungsbedürftig. Aber wenn's denn schon so ist, könntet ihr vielleicht noch eine kleine Verkaufsecke für Terrakotta-Übertöpfe und Orchideendünger dort einrichten? Wenn die Kunst schon nach Brot geht, dann doch bitte richtig.

Band unter (17.10.2012)

Die Messe ist jetzt zwar gelesen, aber eins fällt mir noch ein zum Thema Bücher, liebe Verlage: Diese Bändel sind ja echt praktisch, die als Lesezeichen serienmäßig mit drin sind im Buch. Das Problem ist nur: Wenn ich in der Badewanne lese, hängt mir der Bändel immer ins Wasser, saugt sich voll und macht das Buch von innen nass. Könnt ihr die bitte ein bisschen kürzer machen, die Bändel? Danke.

Blaublütig (16.10.2012)

Michael Prinz zu Löwenstein, der neue CDU-Fraktionschef, verrät im Bild-Interview, was doof ist am Adligsein: „In der Schule wird man verprügelt.“ Was aber cool ist, verschweigt der Prinz: dass man nämlich dem Schandbuben stante pede den Fehdehandschuh ins Antlitz donnern und ihn noch vor Sonnenaufgang im Anlagenring per Duellpistole von diesem in ein besseres Leben befördern darf und dafür am Ende von der Königin noch den Hosenbandorden verliehen bekommt. Und das ist ja auch was wert.

Schlamm (15.10.2012)

Frohlockend verbreiten wollen wir heute, dass Modeschöpfer in aller Welt endlich die praktischste Farbe aller Zeiten zum neuen Trend erhoben haben. Was haben wir lange darauf gewartet. Nun ist es also so weit. Zumindest kündet die Postwurfsendung des geschätzten Schuhhändlers davon: „Die Farbe Schlamm – vielseitig kombinierbar und modisch im Trend“, so steht es schon auf dem Umschlag. Schlamm passt nämlich zu allem. Und ist sehr pflegeleicht. Das Beste aber ist: Alte weiße Stücke können ganz einfach umgefärbt werden.

Lebenszeichen (13.10.2012)

Die frohe Botschaft wird per Plakat verkündet. „Jesus lebt“, ist dort zu lesen, und für alle, die’s genau wissen wollen, „am Samstag, 20. Oktober, von 14 bis 18 Uhr im Südbahnhof“. Auf den zweiten Blick ist die Botschaft aber gar nicht mehr so froh. Vier Stunden sind zwar besser als nichts, allerdings waren es beim jüngsten mal davor ganze drei Tage. Rein empirisch gesehen heißt das: Jesus lebt immer mal wieder, die Tendenz aber ist deutlich abnehmend. Und die Lebensorte, das beweist der Südbahnhof, werden auch nicht attraktiver.

Adelisch (12.10.2012)

Liebe Fernsehzuschauer des Hessischen Rundfunks, jeder weiß, dass ein Besuch bei den Dinos im Senckenberg-Museum das Wichtigste ist, was „ein Hesse getan haben muss“. Da sind wir mit der gestern Abend vom HR veröffentlichten Umfrage einverstanden. Platz 2, „Auf der ehemaligen innerdeutschen Grenze spazieren“: Na gut. Kann man machen. Aber finden Sie wirklich, dass „Einen Tag wie ein Adeliger leben“ das Drittwichtigste ist, was ein Hesse getan haben muss? Und „Mit dem Rhönrad durch die Rhön“ ist Ihnen nur Platz 50 wert?

Wäsche (11.10.2012)

Es gibt natürlich überhaupt keinen Grund, an der Umfrage eines Unterwäscheherstellers über das Wechselverhalten von Männern bei Unterwäsche zu zweifeln. Zumal, wenn sie absolut repräsentativ ist. Und erst recht, wenn eine solche Umfrage bestätigt, was ohnehin zu befürchten war: 13 Prozent der hessischen Männer sind Mehrfachträger ihrer Unterbekleidung! Und das, obwohl 92 Prozent der hessischen Frauen Wert auf frische Wäsche bei Männern legen! Worauf nun aber die übrigen 8 Prozent Wert legen, wurde zum Glück nicht verumfragt.

Einfach mies (10.10.2012)

Gerade, wo wir dachten, Frankfurt sei die tollste Stadt der Welt, weil Zehntausende zur Buchmesse kommen, erreicht uns ein Brief von Kerstin Heine, die mit elf Kindern Geburtstag im Koreanischen Garten feierte. Höhepunkt sollte eine Schatzsuche sein. Doch während die Kinder suchten, schnappten sich Diebe den Schatz und hauten ab. Fieses Frankfurt.

Gentlemen (09.10.2012)

Wie der Polizeibericht meldet, haben drei Trickbetrüger in einem Musikhaus am Dornbusch den Verkäufer abgelenkt und ein Akkordeon Marke Hohner, Typ Bravo III 72, im Wert von etwa 1150 Euro geklaut. Bleibt die Frage, was schlimmer ist: Ein Akkordeon zu klauen oder es in aller Öffentlichkeit – etwa in Fußgängerzonen – zu spielen? Der große Schauspieler Michael Caine hat einmal gesagt: „Ein Gentleman ist jemand, der Akkordeon spielen kann, es aber nicht tut.“ Bleibt zu hoffen, dass es sich bei den Dieben um Gentlemen handelt.

Prost (08.10.2012)

Rankings sind eine super Sache. Insbesondere wenn es dabei um Fluggesellschaften geht. Ängstliche Menschen können nachschauen, welche Airline die wenigsten Defekte hat. Andere buchen nur bei dem Sieger in Sachen Pünktlichkeit. Und dann gibt es noch die Herrschaften, deren Lieblingsgesellschaften Lufthansa, KLM und Easyjet sind. In dieser Reihenfolge. Wer diese Linien bevorzugt, ist mutmaßlich Weinkenner. Weil nämlich: Die Firma Skyscanner hat ermittelt, dass besagte Gesellschaften den besten Weißwein ausschenken.

Geheimnuss (06.10.2012)

Freunde, jetzt ist es raus – ich weiß, wo das Eichhörnchen seine Nuss für den Winter versteckt. Beziehungsweise: verstecken wollte. Gestern komme ich vom Joggen heim, da fließt das Hörnchen geschmeidig über die Straße, hüpft oben drauf auf die kerzengerade gestutzte Nachbarshecke und drückt seine schöne, knackige Haselnuss rein ins dichte Gestrüpp. Optimales Versteck, so eine frisch geschnittene Hecke. Da geht bis zum Frühjahr keiner mehr dran. Sagt sich auch das Hörnchen. Betrachtet hochzufrieden sein Werk – und sieht plötzlich: mich. Holt die Nuss wieder raus und haut ab. Pffft. Ich hätte doch niemandem was verraten.

Überbrücklich (05.10.2012)

Triumph! Hessen hat gewählt. Der hr tut kund: „Von Max Beckmann gemalt, von Philip Poisel besungen und von den Zuschauern des hr-Fernsehens auf Platz 1 gewählt: Der Eiserne Steg in Frankfurt gewinnt das Zuschauerranking ,Geniale Verbindungen – Hessens spannendste Brücken‘“. Platz 3: die Luftbrücke nach Berlin. Das wird gefeiert. Am nächsten Brückentag im Hessenbrückenhammer zu Laubach-Wetterfeld.

Telefonterror (04.10.2012)

In dem Film „Bettgeflüster“ teilen sich Rock Hudson und Doris Day wider Willen einen Telefonanschluss. Uns ist das jetzt auch passiert, wegen einer Schlamperei unseres Handyanbieters. Nur teilten wir unsere Handynummer nicht mit Doris Day, sondern mit einem schwäbischen Geschäftsmann mit engen Kontakten nach Japan und Texas. Was hatte Rock Hudson, was wir nicht haben? Vermutlich einfach nur Glück.

Extremist (02.10.2012)

Ob es sonst noch einen Wunsch zu erfüllen gebe, fragte unser Lieblings-Obst-und-Gemüsehändler, Herr Ö., seine betagte Kundin. Jawohl, sprach die Dame: Eier. Welche Sorten Herr Ö. denn vorrätig habe. „Wir haben nur eine Sorte“, informierte Herr Ö.: „XL-Eier“, natürlich von glücklichen Herstellerinnen. Und zeigte ein Sortiment wahrlich prachtvoller schneeweißer Eier. „Sonst keine?“, wollte die Kundin wissen. „Nun – Wachteleier halt.“ Herr Ö. präsentierte praktisch das Gegenmodell zum XL-Ei. „Sie übertreiben“, sagte die Dame.

Abgehärtet (01.10.2012)

Wenn man an einem regnerischen Abend mit dem Motorroller durch Bornheim fährt, nicht zu schnell und so weit rechts wie möglich, wenn man dann einer Frau mit dickem Auto begegnet, die beim Abbiegen viel zu weit nach links gekommen ist, wenn man deshalb eine Vollbremsung hinlegen muss, rutscht und fast stürzt, wenn man der Frau darum einen irritierten Blick zuwirft und die Frau das Fenster runterkurbelt und „Arschloch“ ruft, dann weiß man zumindest eines: An diesem Abend kann einen nichts mehr schocken.

Brückentag (29.09.2012)

Ach, Hessenfernsehen. Da dachten wir, du könntest uns mit nichts mehr schocken, da schickst du uns folgende Ankündigung: „Geniale Verbindungen – hr-fernsehen zeigt Hessens spannendste Brücken. Moderator Thomas Ranft stellt am Mittwoch, 3. Oktober, um 21.45 Uhr insgesamt 35 Brücken vor und kürt die mit Spannung erwarteten vorderen Plätze.“ Respekt, Hessenfernsehen. Hast es doch wieder geschafft.

Sondermüll (28.09.2012)

Die alljährliche Inventur des Schreibtischs fördert folgende Dinge ans Licht, die eigentlich in den Müll gehören: zwei Überraschungseierfiguren, eine Espressotasse mit Sprung, 23 Blatt irrtümlich abgelegtes Schmierpapier, eine halbgegessene Käsebrezel, zwei leere Cola-Dosen ohne Pfand sowie etwa 50 unverlangt eingesandte Frankfurt-Krimis. Gibt’s für letztere mittlerweile eigentlich eine spezielle Entsorgungsmöglichkeit?

Nougat-Zeit (27.09.2012)

Bei aller verständlichen Verzweiflung darüber, dass der Sommer wohl erst im nächsten Jahr wieder reinschaut, wenn überhaupt, sollte doch eines nicht vergessen werden: Nun folgt die Zeit, in der wir nicht mehr völlig zerstritten vor der Frage stehen, ob Nuss-Nougat-Creme in den Kühlschrank muss oder nicht. Vorbei das Geöle bei Zimmerhaltung, vorbei das Meißeln der Kühler. Dafür ist jetzt halt wieder die Butter bretthart.

Badschwund (26.09.2012)

In letzter Zeit mal Omnibus gefahren? Im Frankfurter Westen? Linie 34? Feine Sache, nicht nur wegen des ausgezeichneten Wortes Omnibus, sondern auch wegen der erlesenen Haltestellen, die einem auf der Fahrt begegnen. Und diese Vielfalt! Erst halten wir an der Station „Zum Rebstockbad“, dann, nächster Stopp: „Rebstockbad“. Alle Achtung, sehr einfallsreich. Nur geht es dann leider unlogisch weiter. Eigentlich dürfte darauf nicht „Leonardo-da-Vinci-Allee“ folgen, sondern „Stockbad“, dann „Bad“ und dann „“. Logisch, oder?

Nass gemacht (25.09.2012)

Die Leute sind nichts mehr gewöhnt. Vor allem sind sie nach diesem saharischen Sommer offenbar im Umgang mit Regen ungeübt. Fällt es nass zu Boden, stehen sie jetzt hilflos davor – anders ist nicht zu erklären, was eine Frau am Montagmorgen ihrer Kollegin mitteilte. Da traten die beiden Frauen aus dem Südbahnhof in des Regens reißenden Strom, die kleinere öffnete ihren Schirm und sagte zur größeren: „Sorry, aber wenn ich dich hier mit drunter lasse, werde ich nass.“ Bei der Gelegenheit: ganz herzlichen Gruß nach Griechenland!

Frieden (24.09.2012)

Vielleicht nimmt die Friedensbewegung den hessischen Finanzminister Thomas Schäfer als Ehrenmitglied auf. Oder er hält im nächsten Jahr die Rede auf der Abschlusskundgebung der Ostermärsche. Schäfer hat nämlich – wie auch der Bürgermeister von Amöneburg (Mittelhessen) und Vertreter des britischen und des französischen Konsulats – am Wochenende seine Unterschrift unter eine Urkunde gesetzt, die bekräftigen soll, dass der Siebenjährige Krieg tatsächlich vorbei ist. Die Schlachten in Hessen endeten übrigens im Jahr 1762.

Griechelos (22.09.2012)

Er ist nicht mehr da, und er hinterlässt ein Loch in unseren Herzen. Jahrelang war der Kiosk „Zum Grieche“ unser Lieblings-Wasserhäuschen, unser Anker im Heimathafen, wenn wir nach längerer Abwesenheit via Miquelallee wieder in Frankfurt einfuhren. Er erinnerte uns an das, was wir an dieser Stadt so lieben: die Internationalität und die mangelhafte Orthografie. Jetzt ist zwar noch der Kiosk da, trägt nun aber den langweiligen Namen „Miquel Quelle“. Zum Heule. Frankfurt ohne „Zum Grieche“ ist wie Europa ohne Hellas.

Dusche (21.09.2012)

Nun, da die Tage kürzer und die Morgenstunden kälter werden, mag für manch einen die Saison auf dem Moped beendet sein. Jedoch, das sei dem Fahrer des roten Golf mit Frankfurter Kennzeichen gesagt, jedoch gibt es immer noch einige Rollerfahrer im Straßenverkehr. Und wenn diese direkt hinter Ihnen fahren, sollten Sie, lieber Golf-Fahrer, bitte nicht noch einmal die Scheibenwischanlage anstellen. Die Rollerfahrer nämlich fühlen sich sonst wie ihre Eltern vorm Wasserwerfer an der Startbahn. Das nur als Hinweis.

Spa-tanisch (20.09.2012)

Feine Sache: Der Frankfurter Hof bietet jetzt „The Spa – Eine neue Dimension der Entspannung“ an. Mit „Steam Room, Vitality Pool mit Jacuzzi-Effekt und umfassendem Portfolio an Schönheitsbehandlungen und Massagen“. Nach Rücksprache mit unserer Bank haben wir uns dann doch für „The Couch – eine alte Dimension der Entspannung“ im Wohnzimmer entschieden. Mit Röhrenfernseher, Filterkaffee und Kippe. Auch ganz gut.

Spitzenreiter (19.09.2012)

Super, seit letzter Woche haben wir’s amtlich, in Form der UBS-Studie: Frankfurt ist die zwölftteuerste Stadt der Welt und hat national endlich das ewige Adabei-Metropölchen München (Platz 13) abgehängt, von den randständigen Elendsquartieren Stuttgart und Düsseldorf ganz zu schweigen. Gut. Aber noch nicht gut genug. Für einen echten Frankfurter muss das erklärte Nahziel heißen: mindestens ein Platz unter den Top Ten. Und auf Dauer zählt nur eins: Spitzenreiter! Tabellenführer Oslo duck dich, die Hessen kommen!

De profundis (18.09.2012)

Wehe uns! Jetzt stehen auch wir im Herbst des Lebens. Das Fleisch welkt uns von den faulen Knochen, und von gar nicht mehr so ferne winkt uns Freund Hein mit seiner Sense zu. Der Beweis? Die Herbst-Dippemess. Einst, im Lenz unserer Tage, lachten wir jeder noch so grimmen Achterbahn furchtlos ins Angesicht. Und heute? Speien wir bereits nach drei Minuten Kettenkarussell unseren Weltschmerz geräuschvoll in die Rabatten. Aus der Tiefe rufen wir, Herr, zu dir: Lass uns wenigstens die Boxbude als Altersamusement!

Familienehre (17.09.2012)

In den 70er Jahren wollte die Mafia den Film „Der Pate“ angeblich mit Drohungen verhindern. Moderne Gauner haben mehr Sendungsbewusstsein. Sie seien Angehörige einer „Offenbacher Gangster-Familie“ gaben zwei Männer am Samstag stolz zu Protokoll. Die Polizei hatte sie am Sachsenhäuser Mainufer festgenommen, wo sie sich als Polizisten ausgegeben hatten. Mit ihrer Masche ließe sich in einem Monat „mehr Kohle machen“, als ein echter Polizist im Jahr verdiene, erklärten die Männer. Dreht Hollywood demnächst in Offenbach?

Heimat (15.09.2012)

Manchmal wird man unverhofft wieder daran erinnert, warum man so gerne in dieser schönen Stadt am Main lebt. Etwa am Wasserhäuschen, wenn man das Päckchen Zigaretten mit fein abgezählten, beinahe neuen 20-Cent-Stücken bezahlt, die einem schon seit Tagen die Gesäßtasche zerbeulen. Andernorts erntet man dafür ein Lächeln des Ladenbesitzers, der sich über Kleingeld freut. Hier raunzt einen der Pächter an: „Habbe Sie gesunge oder was?“ Herrliches Hessen!

Der Berg ruft (14.09.2012)

Auf die Alpen, ihr Hessen! Die Sache ist nämlich die, wir haben das am Wochenende überprüft: Oberhalb der Baumgrenze ist mittlerweile ausschließlich das grauengarstige schwäbische Idiom zu vernehmen. Man kommt sich vor wie in einer Seitenbacher-Werbung. Zum Davonlaufen! Kein „Guude“ echot von der Felswand, nur „Hanois“ und „Woischds“, und entsetzt entfleuchen Steinadler und Murmeltier und Mensch. Hinauf, ihr Hessen, hinauf zum Gipfelkreuz! Und macht das Maul auf!

Kulturgut (13.09.2012)

Man lernt nie aus. Vor allem nicht, wenn Lernen so viel Spaß macht. Am Samstag, 15. September, bietet die VHS eine „Radtour zur Kultur der Frankfurter Trinkhallen“ an (Näheres unter Telefon 069/21232365). Es radeln und trinken mit: VHS-Dozent Oliver Kirst und Lokaljournalist Hubert M. Gloss. Also echte Profis. „Bitte verkehrstüchtiges Rad und wetterfeste Kleidung mitbringen“, mahnen die Veranstalter. Und ein loses Mundwerk, denn Schlächdgebabbel ist das Fundament, auf dem Frankfurts heilige Wasserhäuschen-Kultur gebaut wurde.

Glück gehabt (12.09.2012)

Kaum zu glauben, aber wahr: Frankfurt belegt im „Deutsche Post Glücksatlas 2012“ den siebten Platz. Prima. Aber wie definiert man Glück? „Glück ist Selbstgenügsamkeit“, sagt Aristoteles. „Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt, sondern wer sich selbst dafür hält“, sagt Seneca. „Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich“, sagt André Gide. Und da ist er ganz nahe bei uns, denn wir sagen: Glück ist, wenn der DHL-Bote wirklich mal ein Paket ausliefert und nicht nur eine Karte in den Briefkasten schmeißt, auf der steht, dass man nicht da war, auch wenn man das selbst ganz anders empfindet. Das ist Glück! Und in Frankfurt sehr selten. Insofern ist der siebte Platz doch mal eine positive Überraschung.

Sch... öne Idee (11.09.2012)

Wenn sich die Zugvögel jetzt langsam Richtung Süden aufmachen, können wir Frankfurter ihnen wieder mal nur sehnsüchtig am Himmel hinterherschauen. Nix war’s mit Storch am Alten Flugplatz Bonames anno 2012. Das muss anders werden. Zum Glück haben heimgekehrte Urlauber vom finalen Trick erfahren: Nicht nur ein hübsch vorbereitetes Nest sollte es sein. Nein, darunter muss auch viel weiße Farbe hingekleckst werden. Dann denkt Freund Adebar: Wo letztes Jahr so erfolgreich gebrütet wurde, darf jetzt meine Brut hinkeckern.

Zu spät (10.09.2012)

Heute morgen extra früh raus. Schon am Abend lange überlegt, von was man sich trennen kann. Gar nicht einfach die Entscheidung. Langes Hin und Her. Vielleicht doch den alten Böll. Reichlich zerfleddert diese Ausgabe. „Ende einer Dienstfahrt“. Muss irgendwie in den 60er Jahren gewesen sein. Ja, lange nicht mehr gelesen. Andererseits: Nobelpreisträger, der Mann. Also gut, den Böll in die Plastiktüte. Und dann ab in den Oeder Weg. Zu spät. Der Nachbar war wieder der erste am Antiquariatsschrank.

Nicht dicht (08.09.2012)

Ja, ne, is klar, Nachttanzdemonstranten: Immer schön die leeren Bierflaschen auf dem Radweg zerdotzen. Der Besitzer eines bis vor kurzem noch dichten Fahrradschlauchs wünscht euch: Möge euer Lieblingsclub heute noch dichtmachen. Irgendwas muss ja dicht sein.

Auflehnung (07.09.2012)

Wie uns die Initiatoren der Benefiz-Aktion „Aufrunden bitte!“ mitteilen, ist diese ein voller Erfolg. Alle machen mit. Angeblich. Wir haben’s probiert. Als jetzt das Monatsgehalt anstand, haben wir zum Chef gesagt: „Aufrunden bitte!“. Ergebnis: Es machen doch nicht alle mit.

Plärrliner (06.09.2012)

Nachdem er exakt drei nachtschlafende Stunden und 38 morgengrauende Minuten lang das gesamte Großraumabteil lautstark daran teilhaben hat lassen: dass die IT-Jungs ja echte Pfeifen sind, wa; dass man die janze Infrastruktur umkrempeln müsste; dass er det jetze selbst in die Hand nimmt, klaro – nach alledem also legt der Berliner am Mittwochmorgen endlich auf, steigt in Frankfurt aus und sagt, durch und durch ironisch: „Ach, Egofurt, meine Lieblingsstadt!“

Mehr Wunder (05.09.2012)

Lange Zeit sind an dieser Stelle nette kleine Kolumnen erschienen, dies könnte die letzte sein. Wie berichtet, finden sich in Bornheimer Supermärkten folgende Annoncen: „Wer leiht mir (deutschem Mann, 41 J.) bitte 2800 Euro für Existenzgründung in Thailand? Von Privat an Privat. Ich zahle Ihnen innerhalb von 12 Monaten 4000 Euro zurück.“ Das klang nicht schlecht, nun legt der Mann per Brief an die Redaktion nach und verspricht zusätzlich lebenslang kostenlosen Urlaub in Thailand, „inkl. einer Begleitperson“. Na, wenn das nicht reicht …

Schwarzärger (04.09.2012)

Die mit Abstand blödeste Form des Schwarzfahrens ist die von Jahreskartenbesitzern am Monatsbeginn. Der August steckt noch im Portemonnaie, während der September unnütz in der Küche am Kühlschrank rumgammelt. Das glaubt einem natürlich kein Mensch, erst recht kein Kontrolleur. Und dann gibt’s leider kein Pardon, dann kostet’s 40 Euro, selbst wenn man diesem Verbrechersyndikat, diesen ÖPNV-Banditen, dieser Trambahnbrut bereits 600 Euro für die Jahreskarte in den gierigen Rachen... Ach, was soll’s, selbst schuld.

J'accuse (03.09.2012)

Nachdem der Sommer jetzt wohl vorbei ist, ist es an der Zeit, an die Rechte einer Minderheit zu erinnern, die immer, sobald es warm wird, gehänselt, gegretelt und gemobbt wird. An alle, die nicht anders können als Hawaii-Hemdenträger in chronischer Blödsinn- und Feindseligkeit mit Jürgen von der Lippe zu vergleichen: Vergleicht uns zur Abwechslung doch mal mit Bing Crosby, Montgomery Clift, Frank Sinatra, Elvis oder Magnum. Die trugen auch Hawaii-Hemden. Ohne ständig mit Jürgen von der Lippe verglichen zu werden.

Zinswunder (01.09.2012)

Sichere Geldanlagen sind rar. Aber eine findet sich am Schwarzen Brett eines Bornheimer Supermarkts: „Wer leiht mir (deutschem Mann, 41 J.) bitte 2800 Euro für Existenzgründung in Thailand? Von Privat an Privat. Ich zahle Ihnen innerhalb von zwölf Monaten 4000 Euro zurück.“ Klingt fair.

Marktgrenzen (31.08.2012)

Gestern auf dem Markt auf der Konstablerwache. „Ich hätte gerne einmal Brust“, sagt die Kundin am Geflügelstand, dessen Geflügel ob seiner Knusprigkeit übrigens rundum zu loben ist. Gesagt, getan. Nächster Kunde. „Ich hätte gerne dieselbe Brust wie die Frau“, sagt der hungrige Herr. „Tut mir leid, das ist beim besten Willen nicht möglich“, sagt der Geflügelverkäufer. In den Wirtschaftsseiten der Zeitungen steht ja auch immer wieder drin, dass selbst der freieste Markt irgendwann an seine Grenzen stößt. Das war hier wohl auch der Fall.

Wahrwäsche (30.08.2012)

Bei der Erschließung neuer Kundenkreise, lieber Waschmaschinen-Händler ums Eck, kommt es bestimm gut, dass du via Schaufensterschild die „Neue Wahre“ anpreist. Wenn du jetzt aber noch – in Anlehnung an das Motto der Alten Oper – „Schöne gute neue Wahre“ feilbötest und dich selbst in „Dichtheit & Wartung“ umbenenntest, dann hättest du nicht bloß deine Dienstleistungen trefflich umschrieben, sondern ganz bestimmt auch unsere komplette Feuilleton-Redaktion als Stammkundschaft gewonnen.

Luftnummer (29.08.2012)

Gestern Mittag am Sachsenhäuser Mainufer gewesen? Gegen jeden zweiten Laternenpfahl gerannt, weil man vor lauter Staub keine drei Meter weit gucken konnte? Tjahaha, das waren die Männer, die die letzten Reste des Museumsuferfests mit Laubbläsern von den Uferflächen gepustet haben. Immer schööön mit den Laubbläsern über die Wiesen drüber. Und über die trockene Erde. Hei, wie das den Radfahrern die Krümel in die Augen wirbelt! Laubbläser. Erfunden 1975 von der Firma Echo in Metzingen. Nur falls sich da mal jemand bedanken will.

Ehetrauma (28.08.2012)

„Wie siehst Du denn aus?“, fragt die über alles geliebte Frau nach vielen glücklichen Ehejahren eines schönen Abends, als Mann träumend im Wohnzimmer des trauten Heimes herumsteht. „Was, wieso?“ – und dann, als ihn Augenblicke später erbarmungslos die Erkenntnis anspringt, antwortet Mann: „Äh, ja, das ist mein Bauch, den zieh’ ich sonst eigentlich immer ein.“ Kurze Pause. „Ach so. Echt?“, sagt die vermutlich künftige Gattin eines anderen, vermutlich jüngeren, fitteren. Das ist ja noch zu ertragen. Aber der Blick…

Gereizt! (27.08.2012)

Höchste Lautstärke, unflätigste Worte, haltlose Beschimpfungen. Hinter dem Transporter am Straßenrand regt sich jemand mächtig über den Paketservice, dessen Name jetzt nichts zur Sache tut, auf. Mächtig! Und schon kommt der bärtige Bär mit zornesrotem Gesicht ums Auto gelaufen. „Sind Sie von XYZ?“, brüllt er, und der ausgestreckte Zeigefinger lässt keinen Zweifel: Er meint mich. „Äh nein, und wenn, dann würde ich es gerade jetzt abstreiten“, sage ich. „Glück gehabt“, brüllt das Ungetüm, steigt ein und fährt weg.

Dies irae (25.08.2012)

Die Waschmaschine hat beim nächtlichen Waschgang ihren Geist aufgegeben. Feucht grüßt der morgenfrische Küchenboden, und nachdem man die Sicherung wieder reingehauen hat, piepen ein Kühlschrank, zwei Gefriertruhen und eine Waschmaschine asynchron. Der Anruf beim Klempner scheitert, das Handy gibt seinen Geist auf – Akku leer. Draußen regnet’s. Es ist schwül. An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit.

Zugspitze (24.08.2012)

Freunde, frohlocket, das Leben hat so viel zu geben. Du rennst die Rolltreppe am Frankfurter Südbahnhof runter zur Bahn, da steht die U2, sie schließt die Türen direkt vor deiner Nase und fährt los. Also alles wie immer. Aber diesmal, Mittwoch, 19.20 Uhr, gestikulierst du flehend zur Fahrerkabine, und das Unfassbare geschieht: Die Bahn hält an, die Tür geht auf, du steigst unter Tränen und Freudengesängen ein. Wer auch immer den Zug gelenkt hat: Gebt ihm eine Gehaltserhöhung! Der Mensch hat mehr für den RMV getan als jede Werbekampagne.

Brückentag (23.08.2012)

Dienstagabend an der Osthafenbrücke. „Die Brücke bewegt sich ja gar nicht“, maulen die Kinder. Aber ja, sagen die Erwachsenen milde lächelnd, sie bewege sich doch. Nur eben zu langsam für das menschliche Auge. Im Zeitlupentempo. Kluge Erwachsene wüssten das, weil sie sich auf Physik und andere Zauberkünste verstünden. Die Kinder staunen. „Achtung“, sagt die Lautsprecherdurchsage, „hier gibt es nichts zu sehen. Die Arbeiten an der Brücke sind seit zwei Stunden wegen einer Unwetterwarnung eingestellt.“ Peinlich, peinlich.

Fehlstart (22.08.2012)

Die Polizei hat auf der A5 einen Düsseldorfer Ferrari-Fahrer aus dem Verkehr gezogen. Der 39-Jährige war mit seinem F133 an einer Baustelle, an der nur 80 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, mit 155 Sachen an einer Zivilstrafe vorbeigebrettert. Nun erwarten den Raser zwei Monate Fahrverbot, 440 Euro Bußgeld und vier Punkte in Flensburg. In der Möchtegern-Formel-1-Tabelle liegt Düsseldorf nun beinahe uneinholbar vier Punkte vor Frankfurt. Schade eigentlich. Aber es gibt zum Glück noch andere Tabellen, die viel wichtiger sind.

Paradoxon (21.08.2012)

Es ist schon seltsam. Da führen viele Menschen ein gottgefälliges Leben, um nicht in der Hölle zu landen. Weil’s da nicht schön ist. Weil dort die Verdammten, in qualvoller Enge zusammengepfercht, im Höllenfeuer garen. Was dazu führt, dass in der Hölle ein Geschrei und Geplärr und Gekreisch herrscht, dass es Gott erbarmen könnte, wenn er je dort wäre. Das Paradoxe ist, dass man genau dieselben Leute am Wochenende am Baggersee findet, wo exakt dieselben Zustände herrschen. Allerdings – gottlob – nicht für die Ewigkeit.

Fladennot (20.08.2012)

Lange Zeit schien ein Leben ohne das Frankfurter Gasthaus „Pizza-Notruf“ nicht denkbar. Auch wer dort nicht regelmäßig Nahrung aufnahm, schöpfte Trost beim Blick aus der vorbeifahrenden U-Bahn: Wenn es einmal zum Äußersten kommen sollte, wird ein Anruf genügen, und dieser Gewerbebetrieb lindert unsere schlimmste Not. Dann machte der Pizza-Notruf dicht. Die Online-Suche nach einer Folgefirma am selben Ort ergab: Pizzabäcker gesucht! Dringend! Und nicht nur dort. Sieht aus, als wäre jetzt auch Bedarf an einem Pizzabäcker-Notruf.

Eisbär (18.08.2012)

Aus gegebenem Anlass heute mal der Text eines Liedes, das Sie singen sollten, wenn Sie im Trend liegen wollen: „Eisbär, Eisbär, kaltes Eis, kaltes Eis, Eisbär, Eisbär, kaltes Eis, kaltes Eis. Ich möchte ein Eisbär sein im kalten Polar …“ Und dieses Lied eignet sich auch für morgen und übermorgen. Und wenn Sie davon genug haben, singen Sie einfach: „36 Grad, und es wird noch heißer, mach den Beat nie wieder leiser…“

Beutebier (17.08.2012)

Klingt wie Weizenbierwerbung, ist aber wahr: Mann will Navi aus Auto stehlen. Mann schlägt Fahrerscheibe ein. Mann entdeckt fünf lecker Weizenbier im Kofferraum des Kombis. Mann lässt Navi Navi sein, schlägt die Heckscheibe ein, nimmt das Weizenbier. Schnitt! Mann hält Bier glückselig in den Armen, bis die Polizei eintrifft. Klappe! Geschehen in Rödelheim, in der Nacht auf Donnerstag, gegen 0.30 in der Rödelheimer Landstraße. Quelle: Polizeibericht. Leider verschweigt der den Markennamen des unwiderstehlichen Weizenbieres.

Ruhig (16.08.2012)

Man muss auch zu schätzen wissen, wie gut man es hat. Die Verkäuferin beim Bäcker jedenfalls hat einen wahren Höllenjob: Ein Kunde will sein Wechselgeld gerne in 50-Cent-Münzen haben, ein Teenager streitet mit seiner Mutter, die Mutter lässt ihre Brötchentüte an der Kasse liegen, der Backofen piepst und eine Kundin fragt genervt nach geschnittenem Brot. Alles gleichzeitig! Da wird man doch nach einer Stunde wahnsinnig. Klingelnde Telefone, Newsticker und Redaktionsschluss sind dagegen jedenfalls ein echter Quell der Entspannung.

Pinke Tiger (15.08.2012)

Nun haben Köln und Düsseldorf, man muss es zugeben, Frankfurt doch wieder etwas voraus. Nachdem acht Jahre lang in der fünften Jahreszeit ein großer bunter Regenbogen über Frankfurt aufging, Schwule und Lesben ausgelassen Fasching feierten, wird nun alles anders. Die legendäre Regenbogensitzung ist Geschichte, gescheitert an der Zeitnot der Organisatoren. Vielleicht finden sich ja noch Nachfolger, die Pink Tigers, Hessens erste schwule Tanzgarde, müssen ja schließlich auch weiterhin irgendwo auftreten.

Sic transit... (14.08.2012)

Es ist erst ein paar Wochen her, da wählte ein angesehenes Medienmagazin den Kollegen F. zu einem der wichtigsten Unter-30-jährigen-Journalisten dieser unserer Republik. Jetzt sitzt derselbe Kollege F., nach seinem Geburtstag nicht mehr wirklich jünger als 30, mit einem ABC-Pflaster auf dem Rücken auf seinem Stuhl und stöhnt. „Sic transit gloria mundi“, sagt der Lateiner und meint damit: Wer heute noch auf der Bestenliste junger Springinsfelde und Himmelsstürmer steht, der jammert schon morgen über Rheuma und Gicht. Irgendwie tröstlich.

Umschalten (13.08.2012)

Das ZDF zeigt einen Film namens „Unter anderen Umständen“. Soll ein Krimi sein. Aha. Bei RTL gibt es „Einsatz in vier Wänden“. Das war doch diese Dokusoap in den verranzten Wohnungen. RTL 2? Zeigt „Die Wollnys“. Stimmt, die Familie mit den 25 Kindern gibt es ja auch noch. Und unser Heimatsender? Das Hessen Fernsehen bringt heute Abend 45 Minuten Volksmusik… Schon ein merkwürdiges Gefühl, nach zwei Wochen wieder ein Fernsehprogramm zu lesen, wo wir doch eine gefühlte Ewigkeit lang immer nur Olympia geschaut haben.

Pfeife (11.08.2012)

Wir wollen Sie ja an dieser Stelle nicht langweilen, liebe Leserinnen, liebe Leser, die Sie vielleicht gerade mit der FR in der U-Bahn sitzen. Kilometerlange Telefongespräche in öffentlichen Verkehrsmitteln schaffen es als Thema natürlich nicht mehr in diese Rubrik. Aber wie wär’s mit dem jungen Sitznachbarn, der kilometerlang lauthals telefoniert und anschließend in der prallvollen U-Bahn zum Zeitvertreib ein fröhlich Liedlein pfeift?

Chinatrash (10.08.2012)

Just als ich im Fernseher den Medaillenspiegel im Videotext verfolgte und sah, dass China mit 36 Goldmedaillen doch deutlich und uneinholbar vor Deutschland (neun) lag, gab mein Fernseher einer guten deutschen Marke den Geist auf. Das sei ja auch kein Wunder, sagte der Fernsehmechaniker, weil der mittlerweile in China hergestellt werde, und der Chinese habe den Fernseher nun mal nicht erfunden. Ob man die Glotze nicht dopen könne, fragte ich. Kann man aber nicht.

Lobet den Herrn (09.08.2012)

Lobet den Herrn, denn er ist sehr freundlich. Und seine Wunder verwundern stets aufs Neue. Etwa dieses: Ein Autofahrer meldete in der Nacht auf Mittwoch ein totes Wildschwein, das auf der B40 etwa 500 Meter vor der Anschlussstelle Sindlingen, Fahrtrichtung Flughafen, sein Leben ausgehaucht habe. Als die informierte Polizei eintraf, hatte sich das Wildschwein in 2,3 Kilogramm sauber verpacktes Marihuana verwandelt. Seit der Verbesserung von Wasser zu Wein wohl das stärkste Stück, das ER sich in jüngster Zeit erlaubt hat!

Großartig (08.08.2012)

Du musst es nicht als Katastrophe empfinden, wenn dein Mail-Speicher meckert, weil er voll ist. Die Sache gibt dir Gelegenheit, etwas Neues zu lernen. Nämlich, dass du deine E-Mails nach Größe anordnen und dann zielgerichtet die fettesten Dinger löschen kannst. Das Programm übernimmt die Einteilung: „Enorm groß“, „Riesengroß, „Sehr groß“, „Groß“, „Klein“. Wunderbar. Vergebens suchst du leider nach den Klassifizierungen „Ziemlich klein“, „Lächerlich klein“, „Winzig klein“, „Mikroskopisch klein“ und: „Eher so mittel“.

Brandaktuell (07.08.2012)

Quo vadis, Frankfurter Polizeibericht? „Gutleutviertel: Essen verbrannt“ mussten wir gestern mit schreckgeweiteten Augen lesen. Ein 50-Jähriger hatte eine Pfanne auf den Herd gestellt und war dann weggeratzt. Das war’s auch schon. Sach- oder gar Personenschäden: keine. Bis auf den „Verdacht einer Rauchgasvergiftung“. Jetzt warten wir nur noch auf Meldungen wie „Nordend: Schon wieder Rosinen im Käsekuchen“. Und natürlich: „Sossenheim: Nach Sesamstraßen-Eklat – Achtjährigen ohne Nachtisch zu Bett geschickt“.

Ruhestörer (06.08.2012)

Na endlich passt’s mal: Wochenende, Wetter und Grillabend. Beim Schwager im Garten liegen die Steaks und Würstchen schon auf dem Rost. Der wohnt im Nordend, fast am Günthersburgpark. Alles prima, das Grillgut kommt bestens an. Dann schallt auf einmal vom Park Musik rüber. Wohl was Südamerikanisches. Die Gäste sich einig: Unmöglich das. Können die doch bei „Stoffel“ (Stalburg offen Luft) nicht machen. Der Schwager soll mal rüber gehen und Bescheid sagen: Es ist viel zu leise, man kriegt ja gar nichts mit von der Musik!

Ratten (04.08.2012)

Immer wieder schön, so eine Boulevard-Kampagne. Kürzlich in der Bild: Ratten im Occupy-Camp. Plage! Seuche! Skandal! Dazu riesige Bilder: vom Camp, von den fiesen Nagern. Super Recherche! Zu dumm halt, wenn sich jemand die Mühe macht nachzusehen, woher das Bild von den Ratten kommt. Vom Fotografen Michael Eaton nämlich. Aus Amerika. Aber, halt, keine Vorverurteilung: Das Bild vom Camp war ja echt.

Nachbarhilfe (03.08.2012)

So eine Schande! Frankfurt hat bei einem der beliebten Städte-Rankings schon wieder einen Medaillenrang deutlich verfehlt. Nur Platz Sechs im Kulturstädtevergleich. Geschlagen von unerhörten Nestern wie Köln, Stuttgart und Düsseldorf. So kann’s jedenfalls nicht weitergehen. Für die kommenden Städterankings sollten wir Synergieeffekte nutzen und uns als „Exzellenzcluster Eschborn/Frankfurt“ oder so ähnlich bewerben. Eschborn hat immerhin ein Stadtmuseum. Und zu irgendwas muss diese Stadt doch auch gut sein.

Pünktlich (02.08.2012)

Ortsbeiräte, nehmt euch ein Beispiel an Albrecht Fribolin, Stadtteilpolitiker der CDU Sindlingen. Bei dem Wetter zu fordern, die Wasserspiele im Park zu sanieren, kann jeder. Fribolin aber denkt weiter und beantragt, auf dem Sindlinger Kirchplatz zwei fest installierte Weihnachtsbaumständer in die Erde zu lassen. Auf dass der örtliche Weihnachtsmarkt in hellem Glanz erstrahle. Zu früh, sagen Sie? Wir sprechen uns Anfang Dezember, wenn Sie panisch nach einer Kneipe suchen, die noch einen Tisch für Ihre Weihnachtsfeier frei hat.

Ruderräder (01.08.2012)

Wenn man sieht, auf was für schönen Fahrrädern die Rudertrainer bei Olympia in Eton unterwegs sind, feine weiße Fahrräder, mit denen sie in Scharen an der Strecke entlangstrampeln, während ihre Athleten in Booten ganz unterschiedlicher Länge den Dorney Lake hinabrudern, und wenn man sich dann auch noch vorstellt, dass diese Fahrräder, die zumindest im Fernsehen alle identisch aussehen, offenbar vom olympischen Veranstalter bereitgestellt werden – spätestens dann, liebe Freunde des Sports, wäre man unglaublich gern Rudertrainer.

Göttlich (31.07.2012)

Es passiert ja nicht häufig, dass der liebe Gott einem einen Botschafter schickt. Ob ich schon eine Antwort auf die letzten Fragen habe, wollte neulich die sympathische Frauenstimme aus der Gegensprechanlage wissen. Ob ich mich schon gefragt habe, wer die Welt so wunderbar eingerichtet habe? Ich tippte auf eine Zeugin Jehovas und sagte, so schrecklich gut eingerichtet komme sie mir gar nicht vor, diese Welt. Das half. Im Briefkasten ließ die nette Frau ein Heft über Gott zurück. Vielleicht gibt’s so wenigstens ein paar Bekehrungs-Punkte für sie.

Abgefahren (30.07.2012)

Jetzt mal ganz im Ernst, RMV: Dein elektronischer Verbindungsplaner fürs Smartphone glaubt also, wenn mein Bus laut Fahrplan um 21.42 Uhr am Dornbusch ankommt (also erfahrungsgemäß frühestens um 21.44 Uhr), und wenn ich dann die Treppe zur Unterführung runterrenne, die gefühlten zwei Kilometer zur U-Bahnhaltestelle hetze, die Treppe wieder hoch – dann kriege ich die U2, die um 21.45 Uhr fährt? Echt jetzt? Das, werter RMV, muss mir mal jemand vormachen. Und vor allem meiner Großmutter. Wir sind sehr gespannt.

Bombenwitz (28.07.2012)

Es gibt Witze, die macht man einfach nicht, und da müssen wir jetzt gar nicht darüber diskutieren, ob es komisch ist, den Papst als inkontinent darzustellen. Wir können uns auch einfach an den 72 Jahre alten Schweizer halten, der diese Woche seinen Flug verpasste und die Kosten für Tickets, Umbuchung und Hotel selbst tragen muss. Der Grund für die Unannehmlichkeiten: Er wollte bei der Sicherheitskontrolle im Terminal besonders lustig sein und sagte – mehrfach – den ungemein kreativen Satz „Ich habe eine Bombe im Handgepäck“.

Klima (27.07.2012)

Es waren durchaus Schreckensszenarien, die bestimmte Boulevardmedien in den vergangenen Tagen entworfen haben, aber das scheint ja ihr Job zu sein. Von einem Klima der Angst war da die Rede, ob man da nun überhaupt hingehen könne, wurde gefragt, nach allem, was am anderen Ende der Welt gerade geschehen war. Nun haben aber auch Boulevardmedien gelegentlich mal recht. Das Klima bei der Batman-Premiere im Metropolis war tatsächlich beängstigend. Beängstigend heiß. So ohne Klimaanlage. Bei 37 Grad. Drei Stunden lang.

In den Wald! (26.07.2012)

Wo haben Robin Hood und seine Spießgesellen damals gezeltet? Beim Sheriff von Nottingham vorm Burgtor? Nö. Sondern schön im Walde, wie es sich seit alters her für alle schicket, die zum Vermögenstransfer von Reich zu Arm aufrufen. Also auf in den Stadtwald, ihr Occupisten! Dorthin, wo Bruder Fuchs und Genossin Hase Gute Nacht sagen. Gegenwärtig ist das Wetter im dunklen Tann auch leichter auszuhalten. Wir hatten einst im Hüttendorf auch einen Mordsspaß. Allerdings, das geben wir zu, wesentlich weniger Fluglärm.

Mit Methode (25.07.2012)

Sommerzeit ist T-Shirt-Zeit. Das ist nicht immer schön. Es gibt Leute, die laufen in Shirts rum, auf denen „Und wir haben ein Idol: Harald Juhnke“ steht. Etwas Besonderes hat sich das Eintracht-Museum einfallen lassen und T-Shirts mit der Aufschrift „Methode Frankfurt“ herausgebracht. Wir erinnern uns: Die bösen Düsseldorfer behaupteten, es sei Methode der Eintracht, andere Teams schlechtzureden. Nun ist unsere Mannschaft aufgestiegen. Und spielt im Dezember in Düsseldorf. Leider ist dann kein T-Shirt-Wetter mehr.

Wildwechsel (24.07.2012)

Tagelang hat der Kollege alles versucht, um Herrn Bär von der Versicherung zu erreichen. Nichts zu machen – unter dieser Durchwahl meldete sich niemand. Irgendwann war klar, dass es nicht ohne fremde Hilfe gehen würde, sprich: Telefonzentrale. Und manchem wird es schon schwerfallen zu glauben, dass in der Zentrale ein Herr Fuchs dranging, ein ausgesprochen schlauer übrigens. Er vermittelte ohne Umstand den Kontakt zu einem Mitarbeiter von Herrn Bär, der sich auch sogleich am Telefon meldete: „Haas?“ Aber der wusste von nichts.

Saisonstart (23.07.2012)

Das Trainingslager hat begonnen. Es wird hart. Aber: Um in der Bundesliga zu bestehen, muss man an Grenzen gehen. Wie bei jeder guten Vorbereitung gilt es, die Intensität zu steigern. Erster Schritt: In den Supermarkt, ans Bierregal – und mit kurzem Sprint an den vertrauten Flaschen vorbei. Zweitens: Gut stehen im Raum vor den Kästen des neuen Eintracht-Sponsors. Dritte Übung: Zugriff ist die beste Verteidigung – und ab dafür passgenau durch die Kassengasse. Letzter Akt: Flasche leer. Aber auf die Art zwei Verteidiger finanzieren müssen ...

Reiner Zufall (21.07.2012)

Man kann über unsere Polizei ja viel sagen – auf den Kopf gefallen ist sie nicht. So kam es Streifenpolizisten in der Nacht auf Freitag, just zur Geisterstunde, merkwürdig vor, dass an einem in der Heerstraße in Praunheim geparkten Laster ein Fahrrad lehnte und das Seil der Planenabdeckung durchgeschnitten war. Und tatsächlich: Unter der Plane, die die furchtlosen Beamten aufdeckten, befand sich ein dazu keinesfalls befugter 48-Jähriger. Dessen Beteuerung, er sei „nur zufällig hier“, wollten die kritischen Gesetzeshüter partout nicht glauben.

Verzockt (20.07.2012)

Zugegeben, unsere Mutproben waren auch nicht pädagogisch wertvoll. Mit Freund M. auf der Brücke am Grünen See, das hätte auch anders ausgehen können. Aber so blamiert wie der 15-Jährige am Polizeirevier in der Nordweststadt haben wir uns nie. Unter Beobachtung seiner Freunde klebte der Junge einen Sticker mit der Aufschrift ACAB („All Cops are Bastards“) auf einen Polizeiwagen. Die Beamten sahen’s, und der Junge musste den Aufkleber fein säuberlich wieder entfernen. Bleibt zu sagen: VPA („Voll peinlich, Alter“).

Retter (19.07.2012)

Ein Turmfalke macht noch keinen Sommer, pflegt der Volksmund zu sagen, insofern haben die Beamten des 5. Reviers leider nichts zur Verbesserung der allgemeinen Lage in dieser Stadt beigetragen. Aber doch immerhin zur Lage einer „zunächst seltsam anmutenden Taube“, die laut Polizeibericht vor ihrem Revier auf dem Gehweg saß. Sie haben dem bei näherer Betrachtung als noch beflaumtes Turmfalkenjunges identifizierten Vogel, als dieser sich anschickte, einfach auf die Hanauer Landstraße zu laufen, entschlossen das Leben gerettet.

Euer Ohrheit (18.07.2012)

Nachdem ich gestern kurz davor war, meine Schallplattensammlung aufzulösen, weil ein Mensch ohne Gehör keine Schallplatten mehr braucht, gilt es heute, Doc K. zu preisen und zu verherrlichen. Doc K. ließ mich ohne Termin und lange Wartezeit in seine Sprechstunde vor, entfernte binnen Sekundenfrist mit fragilen Werkzeugen eine Menge einer unbekannten Substanz aus meinem linken Ohr, die dort nie im Leben von selbst entstanden sein kann, und sprach: „Sie sind geheilt.“ Danke, Doc.

Schändung (17.07.2012)

Schön, dass sich vor kurzem rund 100 Jugendliche zu einer spontanen Party im Günthersburgpark getroffen haben. Nicht schön, dass viele in die Büsche pinkelten, aber die Natur wird sich wieder erholen. Und dass gekifft wurde, als gebe es Geld dafür … so ist die Großstadt. Dass aber schließlich eine lebensgroße Puppe von Ronald McDonald, Ikone eines Schnellrestaurants, in den Park geschafft und mit Schlägen und Tritten versehen wurde, zeigt, dass diesen Jugendlichen nichts heilig ist. Nicht mal das goldene M in der eigenen Stadt.

Eine Schwalbe (16.07.2012)

Das ist ja seltsam. Betrieb ohne Ende am Vogelhäuschen. Ein Gefiederter nach dem anderen kommt angesaust und ... Da wird doch wohl nicht jemand...? Doch. Mitten im Sommer. Eine ganze Schippe Erdnüsse. Hallo! Wir haben die Jahreszeit, in der sich Meise, Spatz und Schwalbe um Kerbtiere kümmern und uns die Mücken vom Leib halten sollen. Aber das hier untergräbt jede Fliegenfänger-Moral. Schnell ist der Verantwortliche zur Rede gestellt. Leider hat er ein entwaffnendes Argument: Wir haben doch Wetter wie im Winter – nicht warm, nicht kalt, aber Regen.

Undurstig (14.07.2012)

Nur mal so zur Info da oben: Die Wissenschaftler sind sich über die Zeitspanne zwar nicht hundertprozentig einig, aber es sind ungefähr drei Tage, die der Mensch ohne Wasser auskommt. Und zwar völlig ohne. So weit wollen wir ja gar nicht gehen. Aber könnte es demnächst bitte wenigstens übers Wochenende aufhören zu regnen?

Schampus (13.07.2012)

Die hessische Grüne Jugend hat einen dringenden Appell an Eintracht Frankfurt gerichtet, nicht länger mit einem Bierbrauer als neuem Trikotsponsor zu verhandeln. „Alkoholwerbung im Sport ist nicht tragbar“, erklären die Jungpolitiker. Noch habe die Eintracht die Möglichkeit, „mit gutem Beispiel voranzugehen“. Diese Möglichkeit hat die Grüne Jugend Hessen selbst allerdings auch: Sie könnte zum Beispiel ihr Mitgliedermagazin umbenennen. Das heißt nämlich „Schampus“. Und Alkoholwerbung in der Politik ist wirklich nicht tragbar.

Sitzschwein (12.07.2012)

Zwei Dinge werden für immer und ewig ein Rätsel bleiben. Erstens: Wieso bauen Ingenieure U-Bahnen, in denen Menschen mit herkömmlichen Körperproportionen beim Sitzen mit den Knien aneinanderstoßen? Zweitens: Wieso setzen sich neu zusteigende Fahrgäste immer mir gegenüber, wenn ich den Platz am Gang einnehme, und versperren damit den Zugang zu den Fensterplätzen, zögern aber, wenn doch jemand mit starkem Willen durch will, bis doch wieder ich mich verrenken muss, um nicht als Schweinehund dazusitzen? Warum?

Hirnbrecher (11.07.2012)

Folgende Presseinformation erreichte uns via E-Mail: „Der aus Frankfurt stammende Top-Stylist und Wella Professionals Trend Coach Tobias Tröndle stylte am Freitagabend für Designer Michael Michalsky auf dem Highlight-Event der Mercedes Benz Fashion Week Berlin: der 12. Michalsky StyleNite.“ Guter Satz. Wichtiger Satz. Verblüffen Sie Ihre Freunde, indem Sie diesen Satz auswendig lernen und auf der nächsten Fete nach dem fünften Bier zehnmal hintereinander ganz schnell aufsagen. Zu Ehren von Tobias Tröndle und Fischers Fritze.

Absage (10.07.2012)

Lieber „2b AHEAD ThinkTank“ – wir sind ja nicht blöd. Und Eure Mail, in der Ihr uns mitteilt, dass wir „ein Dinner mit Kell Ryan, dem Mitbegründer der Ryan Air“ ersteigern können, ignorieren wir aus gutem Grund. Da wir keine Lust haben, am Dinner-Abend 60 Euro nachzuzahlen, weil wir ein paar Gramm Übergepäck in der Manteltasche haben. Und noch mal 20, falls wir nicht drei Stunden in der Schlange stehen wollen. Letztlich sitzt man nachher doch nur neben besoffenen Ganzkörpertätowierten. Wir sind schon mal mit Ryan geflogen!

Falken-Schule (09.07. 2012)

Manche von uns wissen nicht einmal, was einen Turmfalken-Jungen von einem Mädchen unterscheidet – andere hingegen erkennen einzelne Turmfalken-Individuen auf Fotos wieder. Frau R. aus dem Gallus etwa. „Der Vogel“, schreibt sie uns und meint Falka, die kürzlich in der FR durch ein Bürofenster grüßte, „kam mir bekannt vor: Er wurde in der Falkschule, meinem Fenster gegenüber, unter dem Regenablauf gezeugt und aufgezogen. Dort nisten sie fast regelmäßig in einem alten Krähennest.“ Lieben Dank, Frau R., und Gruß an die Falken von der Falk-Schule.

Harte Schule (07.07.2012)

O unbekannte Mutter, die du gestern im Nordend deine plärrende etwa vierjährige Tochter hinter dir herzogst und dabei doziertest: „Es heißt: ,Ich hab’ mir wehgetan‘, nicht ,Ich hab’ mich wehgetan‘“ – das hat uns gutgetan. Wir halten’s ebenso. Und unlängst belohnte uns unser sechsjähriger Filius mit folgender Antwort auf die Frage, wo zur Hölle sein blöder Rucksack schon wieder stecke: „Nun, gnädiger Herr, das weiß ich nicht.“

Die Post lacht (06.07.2012)

Sorry, ihr DHL-Boten. Bislang dachten wir, ihr bringt die Pakete aus Faulheit nicht in den dritten Stock. Und schmeißt lieber gleich den Abholwisch, der zu ewigem Anstehen in eine der wenigen Postfilialen berechtigt, in den Briefkasten. Von wegen. Denn dass, nachdem ein Bettelzettel an den Briefkasten geklebt wurde, ihr möget doch bitte das Paket beim Nachbarn abgeben, doch wieder der Wisch im Kasten liegt, am Ende des Bettelzettels aber ein handschriftliches „Hahaha“ prangt, beweist: Das ist gar keine Faulheit. Das ist Bosheit.

Kommissar Z (05.07.2012)

Von Kommissar Zufall hat man ja schon gehört. Diesmal löste Kommissar Zuhause den Fall. Denn der Mann, der am Bahnhof ein heidenteures Blackberry-Handy wie sauer Bier anbot, passte so gar nicht ins Schema der Blackberry-User. Klarheit verschaffte den Beamten ein Anruf unter der unter „Zuhause“ gespeicherten Nummer. Da meldete sich nämlich eine 53-jährige Hofheimerin, die eigentlich gar keine Zeit für die Beamten hatte, weil sie gerade verzweifelt ihr Handy suchte, das sie wohl irgendwo am Morgen in Kriftel verlegt habe.

Sie-Mail (04.07.2012)

Nun muss man ja, lieber neuer Frankfurter Oberbürgermeister, nicht gleich alles über den Haufen werfen, was die Amtsvorgängerin eingeführt hat. Da geben wir Ihnen völlig recht. Finden wir gut, dass Sie organisatorisch erst mal vieles beim Gewohnten belassen, das hat sich schließlich in 17 Jahren Petra Roth bewährt, das kann nicht alles schlecht sein. Aber die E-Mail-Adresse ... also: Die meisten Herren, hochverehrter Peter Feldmann, würden wohl lieber nicht unter „büro-oberbü“ firmieren. Nur so als Tipp.

Von Herzen (03.07.2012)

Unser Bäppi. Hat immer die besten Ideen. Ein Abschiedsgeschenk will Travestiekünstler Bäppi La Belle der früheren OB Petra Roth machen. Und was schenkt er ihr? Blumen, Schokolade, die schönsten Fotos von der Blockupy-Demo? Nein, Bäppi schreibt Petra Roth ein Musical. Titel: „Petra – eine Frau in Frankfurt“. Uraufführung im Sommer 2013. Den Text entwirft Bäppi – Ehrensache – selbst. Nur die Hauptdarstellerin muss er noch suchen. Vielleicht Sonya Kraus? Franziska Reichenbacher? Birgit Prinz? Bäppi wird’s schon richten.

Saure Heringe (02.07.2012)

Der Abend war warm, es war so gegen acht. Wie die Heringe lagen sie beieinander, die Frankfurter mit den Frankfurterinnen, am Sachsenhäuser Mainufer. Doch wie dieser Sommer so spielt: Der Abend wurde Nacht und er wurde nass. Und die gewässerten Heringe am Ufer trieben davon. Bald waren die Ufer menschenleer. Hunderte verwehte Plastiktüten, plattgetretene Pizzapackungen und Flaschenbatterien blieben als stilles Zeugnis dafür zurück, dass aus dem letzten Juniabend eine laue Sommernacht hätte werden können.

Schwalben (30.06.2012)

Über Fußball reden wir ja bis Mitte August nicht mehr. Nur so viel: Das Kea-Orakel hat sich natürlich nicht geirrt. FR-Patenvogel Hobbit und seine Familie im Zoo lagen mit ihrer Weissagung zur EM (kurz: Wir holen den Cup) auf jeden Fall richtig. Und die Redaktion verbittet sich Verdächtigungen, sie habe das Orakel falsch gedeutet. Wir kennen ja wohl unseren Hobbit! Die Fahnen, die Nektarinen – alles versprach einen Erfolg für Schweini und Co. Und Keas irren nicht. Also muss doch irgendwo eine Schwalbe gewesen sein. Congratulazioni, Italia!

Rückwärts (29.06.2012)

Wir wissen wohl, dass alle derzeit abgelenkt sind, weil da so ein Fußballturnier in glitzernden Stadien abgehalten wird, in denen die Menschen vor dem Anpfiff rückwärts zählen. Sollen sie machen. Am Stadtrand aber beginnt bald wieder der echte Fußball, die Bundesliga. Und der Verband will die Fans aussperren, nicht, weil sie rückwärts zählen könnten, sondern weil einige nicht lieb waren. Das nennt man Sippenhaft. Und das ist aber sowas von rückwärts.

Kermit (28.06.2012)

Es gibt immer zwei Möglichkeiten: Du kannst entweder aus dem Fenster gucken, dich tief grämen, weil es regnet, und anschließend der Welt dein Leid klagen, weil dir der Typ im Radio schon wieder eine gefühlte Viertelstunde lang erklärt hat, was du in dem (übrigens überproportional seltenen) Fall tun musst, dass deine Windschutzscheibe kurz vorm Zerbröseln ist. Oder du hörst noch einmal genauer hin und merkst: Das gibt’s doch nicht – das ist doch Kermit, der Frosch, der jetzt neuerdings diese Werbung spricht! Applaus, Applaus!

Noblesse (27.06.2012)

Steht eine weißhaarige Dame im Kostüm am Gleis der U7 in Richtung Enkheim, hält ihre Einkäufe fest, lächelt freundlich, wartet. Keine Spur von Ungeduld, keine Jugendlichen, die sich Bier trinkend beweisen, grölen, Musik hören. Die U-Bahn fährt ein, die Türen öffnen sich. Die Weißhaarige setzt sich in Bewegung, stolpert über die Eingangsrampe, ruft: „Deutschland, fick disch“, setzt sich auf eine Bank und lächelt wieder. Freundlich, versteht sich.

Osthessen (26.06.2012)

Aus aktuellem Anlass gerade durch halb Osteuropa gefahren, was man natürlich nicht tun sollte, also das mit dem Autofahren, der Umwelt zuliebe, ist schon klar. Das mal beiseite gelassen, muss festgehalten werden, dass die Straßen von Frankfurt bis ins äußerste Ostpolen nirgends auch nur annähernd so miserabel sind wie auf der A5 zwischen Alsfeld und Bad Hersfeld. Also in Osthessen. Neuer Herr Verkehrsminister, übernehmen Sie! Wie brauchen eine Fußball-EM in Osthessen! Oder einfach mal einen, der diese Baustellen fertig macht.

Luftnummer (25.06.2012)

Fahrradfahrer seien im Allgemeinen so arm, dass sie sogar die Luft pumpen müssten, lautet ein alter Spruch. Noch viel ärmer oder einfach extrem geizig sind Fahrradfahrer, die keine Luftpumpe haben und dann einfach eine auf dem Frankfurter Flohmarkt beim Händler klauen, wie am Samstag geschehen. Was allerdings einen Luftpumpendieb, der vom Luftpumpenhändler verfolgt wird, dazu bringt, die Pumpe auf den Knien zu zerschlagen und sich dabei auch noch von der Polizei schnappen zu lassen – dazu gibt es keinen Spruch.

Tollkühn (23.06.2012)

Am Morgen das vorletzte saubere weiße Hemd angezogen. Und nach ewigen Zeiten mal wieder Lust auf ein Brot mit Marmelade gehabt. Das endete, wie es enden musste, denn Murphy hat recht, wenn er sagt, dass schiefgeht, was schiefgehen kann. Also das letzte saubere weiße Hemd angezogen. Mittags haben die Kollegen gefragt, wer Lust hat auf Currywurst. Ja gesagt. Das war tollkühn…

Rollenspiel (22.06.2012)

Mitten auf der Straße am Südbahnhof hält ein teures knallgelbes Sportauto. Ihm entsteigt auf Beifahrers Seite eine blonde Frau. Halb schon über die Straße, ruft der Fahrer sie zurück: „Willste noch mal hören?“ Und tritt aufs Gas. Vrooam, vrooam röhrt der Motor. Guter Scherz? Fahrer von knallgelben Sportwagen machen keine Witze über ihr Auto. Auch nicht über die Felgen oder den Sportauspuff!

Tuben (21.06.2012)

Die Kosmetik für den Herrn hat in den vergangenen dreißig, vierzig Jahren durchaus Fortschritte gemacht. Der Herr aber auch. Es gibt nämlich jetzt eine Creme für „normale Männerhaut mit Ginseng“. Problem an der Sache: Woher weiß er, ob er Haut mit Ginseng hat oder ohne? Da ist der Hinweis auf der Zahnpasta doch viel klarer zu verstehen: „Tube auf den Kopf stellen.“ Seit er das beherzigt, sind seine Bewegungen bei der Zahnpflege bedächtiger, geschmeidiger, runder geworden. Logisch – wer will schon dauernd die Tube aufheben?

Reisschwelle (20.06.2012)

Verrückt, wie so ein Fernsehabend während der Fußball-EM die volle Aufmerksamkeit fordert. Da bestellen wir was beim neuen Asiaten im Nachbarstadtteil (Huhn in verschiedenen Aufstellungen), hauen vorm Bildschirm rein, echt lecker, nur irgendwie stockt der Sättigungsverlauf – und kurz vor Mahlzeit-Halbzeit merken wir: Reis würde dem Spiel jetzt guttun. Aber den haben sie wohl vergessen. Wäre uns fast entgangen. Dabei haben wir gestern gar keinen Fußball geguckt.

Hörfunk (19.06.2012)

Es geht also auch so. Keine Minute des deutschen Spiels gesehen. Fernsehapparat aus. Kein public und sonstiges Viewing. Dafür wunderbar gekocht und herrlich getafelt. Mit Zutaten frisch aus den Vogesen. Dazu ein leichter Weißwein. Grandioser Abschluss mit Munster Käse, übergossen mit einem Obstbrand. Nur kollektive Schreie, die von außen aus mittlerer Distanz durchs offene Fenster dringen. Spitz und hoch: Könnte die deutsche Führung gewesen sein. Lang und dunkel: Ausgleich. Lang und hell jubelnd: Crescendo, Sieg.

Mimose (18.06.2012)

Weil er sich den Daumen gequetscht hatte stimmte ein US-Tourist am Samstag im Interconti ein solch’ Zeter und Mordio an, dass das halbe Hotel und die Teams mehrerer Streifenwagen nach dem Brüller suchten, da man eine Bluttat wähnte. In Wahrheit war der Kerl bloß voll wie W.C. Fields in seinen besten Filmen. Kaum kicken die Italiener wie Männer, heulen die Amis rum.

Ausflug (16./17.06.2012)

Natürlich könnte man dieses Wochenende im Schrebergarten verbringen, die Blumen wässern, das Unkraut jäten, am Sonntagabend dann das letzte Gruppenspiel schauen. Man kann natürlich auch einfach hinfahren, wie der Kollege das macht, mit dem Auto nach Lemberg, in die Ukraine. Wenigstens berichtet er von unterwegs, zwei Tage lang, ununterbrochen. Im EM-Spezial auf fr-online.de.

Der Idiot (15.06.2012)

Ja, sagt der Idiot, er könne am Sonntag Spätdienst schieben. Aber nur, wenn wirklich niemand anderes könne. Und siehe da: Kollege G. muss zur Hochzeitsfeier. Kollege S. hat Rücken. Kollege F. würde ja gerne, hat aber seit drei Monaten einen Termin beim Sonntagsfriseur. Also gut, sagt der Idiot, dann halt ich. Viel zu spät fällt dem Idiot wieder ein, dass an dem Abend ja Deutschland spielt. Selbst schuld, der Idiot!

Nie mehr (14.06.2012)

Tolle Sache, diese öffentlichen Bücherschränke. Und was man da alles als Lesezeichen findet: „Ich Fritz Frosch (Name geändert) werde mir kein Computerspiel mehr kaufen bis ich 16 MB RAM habe und eine Diamond Monster. Dies schwört Fritz Frosch. Unterschrift: F. Frosch“, und daneben hat offenbar noch ein mitfühlender Freund gegengezeichnet. Gute Vorsätze muss man unterstützen, daher veröffentlichen wir die Selbstverpflichtung gern an dieser Stelle. Und mit 16 Megabyte Arbeitsspeicher sieht die Welt sicher schon ganz anders aus.

Liebe Kinder (13.06.2012)

„Non scholae, sed vitae discimus“, sagt der Lateiner und meint damit: Ihr sollt gefälligst eure Hausaufgaben machen und Vokabeln pauken, damit ihr es später einmal besser habt als wir. Und glaubt uns, das wünschen wir euch von ganzem Herzen. Aber: Daraus wird nichts werden, wenn ihr den ganzen Tag vor der benachbarten Supermarkt-Filiale rumlungert, Fußballsammelbildchen tauscht und euch durch die kompletten Getränkepaletten des christlich-jüdischen Abendlandes sauft. Wo das hinführt, könnt ihr ja an uns sehen.

Beflaggt (12.06.2012)

Sachen gibt’s… Da geht man nichts Böses ahnend am Main spazieren, und es kommt einem ein älterer Herr entgegengeradelt, der an seinem Fahrradkorb eine schwarz-weiß-rote Fahne befestigt hat. Kein Witz! Die Flagge des Kaiserreichs, bis heute Herzensfahne aller Reaktionäre, Reichsfans und Nationalisten. Da stellen sich zwei Fragen. Erstens: Was spielt sich im Kopf solcher Leute ab? Und zweitens: Wer zur Hölle stellt schwarz-weiß-rote Fahnen als Autowimpel her? Muss gleich mal schauen, ob die NPD einen Onlineshop betreibt…

Große Hessen (11.06.2012)

Oft trifft man auf große, aber leider unbekannte Hessen, die niemand verherrlicht. Außer uns. Etwa den alten Herrn, der an der Kasse des Elektrosupermarkts Conrad zuförderst die penetrante Schnüffelei nach der Postleitzahl ebenso bockig wie zu Recht ignoriert. Und der dann auf die Frage „Haben Sie eine Conrad-Karte?“ antwortet: „Habbisch net.“ Um nach kurzen Nachdenken hinzuzufügen: „Aber isch kenn ein, der wo ei hat.“ Unbekannter Hesse: Wegen Typen wie Ihnen ist es am Main so schön. Gebenedeit seid Ihr unter den Schlächtbabblern.

Tüchtig (09./10.06.2012)

Es ist ein durchaus gängiges Bild, dass Menschen auch tief in der Nacht noch vor den Kneipen der Kaiserstraße vor ihren Biergläsern sitzen und sehr laut singen. Insofern hat das Deutsche Chorfest schon jetzt sein Gutes: Seit Mittwochnacht können sie auch singen.

Singend (08.06.2012)

Es ist ein durchaus gängiges Bild, dass Menschen auch tief in der Nacht noch vor den Kneipen der Kaiserstraße vor ihren Biergläsern sitzen und sehr laut singen. Insofern hat das Deutsche Chorfest schon jetzt sein Gutes: Seit Mittwochnacht können sie auch singen.

Eine Bitte (06.06.2012)

Könnten die ganzen Neo-Berliner, die von Frankfurt in die Hauptstadt ziehen, bitte mal aufhören rumzunölen, dass der Berliner Wohnungsmarkt mittlerweile genauso scheußlich unbezahlbar sei wie der Frankfurter und dass sie für ihre 200-Quadratmeter-Altbauwohnung unfassbar teure 800 Euro zahlen müssten? Wäre es möglich, dass sie sich einfach mal in ihre Parkett-und-Stuck-Paläste, in denen sie quasi für umme hausen, zurückziehen, in sich gehen, sich ein bisschen schämen und einfach den Mund halten? Ist das zu viel verlangt?

Ranzig (05.06.2012)

Traurig, aber wahr: Es gibt keine Ranzen mehr, die Schüler tragen können, ohne sich später als Erwachsener einmal ein Loch in den Bauch dafür schämen zu müssen. Schulranzen gibt es nur noch mit Motiv: beknackte Piraten, bescheuerte Pferde, dämliche Prinzessinnen. Autos, Superhelden, Laub- und Knallfrösche: All das gibt’s. Was es nicht mehr gibt: einen schlichten Ranzen in einer netten Farbe. Es ist ja schlimm genug, dass unsere Kinder zusehends verblöden. Jetzt nimmt man ihnen auch noch die Möglichkeit, das stilvoll zu tun.

Rausgucker (04.06.2012)

So ein verregneter Sommersonntag hat doch nur Vorteile. Nehmen Sie allein die Wege am Mainufer. Alles leer – endlich Wasserskaten ohne Gegenverkehr. Oder Allergiker: Wenn es so pladdert, haut’s noch jede Polle in den Gulli. Ganz supi auch für jene, die sich bei gutem Wetter sonst magisch nach draußen gezogen fühlen – mit miesem Karma, weil zu Hause die Wohnung im Chaos versinkt. Aber in der Woche hätten wir, bitteschön, dann doch wieder Sonnenschein. Den nämlich gucken wir uns beim Arbeiten am liebsten an.

Marktpreise (02./03.06.2012)

Sie suchen ein Haus in Frankfurt oder wollen eins verkaufen? Und brauchen den ultimativen Immobilienscout? Einfach in jedem Stadtteil in den Rewe gehen und Preisvergleich machen. Ein Blick in die Glaskästen, die, wo der Alkohol weggeschlossen ist, reicht. In Sachsenhausen-Mitte kostet die teuerste Flasche 50 Euro, in Bornheim verhökern sie Champagner für 600 – noch Fragen?

K.-o.-Sieg (01.06.2012)

Es war ein großer Kampf. Ein Duell auf Augenhöhe. Wie einst Foreman gegen Ali. Du hast alles gegeben. Hast über Dein Display kundgetan, Du könntest den Barcode nicht finden. Dann der Nierentreffer: Du warst voll und konntest nichts mehr annehmen. Und schließlich hast Du fast zum K.-o.-Schlag ausgeholt, als Du mitteiltest, meine Flaschen gehörten nicht zum Sortiment des Marktes. Aber am Ende hast Du doch mein gesamtes Leergut geschluckt. Am Ende, lieber Pfandautomat im Supermarkt, habe ich Dich besiegt.

Fiese Frage (31.05.2012)

Ja, die Koalition im Römer hat ihre Probleme. Da jammern die Grünen, dass sie zur Nassauischen Heimstätte nicht gefragt wurden, und in Sachen Blockupy liegen zwischen den Schwarzen und den Grünen ohnehin Welten. Dass FDP-Mann Rainer Rahn heute Abend in der Fragestunde des Stadtparlaments aber wissen will, ob der Magistrat überlegt hatte, bei der Versteigerung des Bildes „Der Schrei“ von Edvard Munch mitzubieten, weil das Bild doch treffend den Zustand der Koalition darstelle, das finden wir nun doch etwas fies.

Tempo 15 (30.05.2012)

Zugegeben, die Vorstellung, nachts um drei mit Tempo 30 über den Alleenring zu tuckern, ist recht gewöhnungsbedürftig. Auf der anderen Seite: Allein wegen der Frau, die dieser Tage in ihrem maßlos übermotorisierten SUV am Niederräder Ufer unterwegs war, einen Motorrollerfahrer vor sich her trieb, dicht auffuhr, mehrfach hupte und den Zweiradfahrer schließlich an unmöglicher Stelle überholte, während sie dabei in ein Brötchen biss, allein wegen dieser Frau würde es sich lohnen, Tempo 15 rund um die Uhr einzuführen.

Pfui! (29.05.2012)

Daisy ist ein ganz braver Hund. Sie kläfft nicht und freut sich riesig über jede Streicheleinheit. Deshalb darf der junge Boxer-Mischling auch den Garten des Vermieters mitnutzen. Meist liegt sie dort und widmet sich ihrer Lieblingsbeschäftigung: Sie schält Rinde von Stöcken ab. Doch Pfingstmontag entdeckte die Hündin eine neue Leidenschaft, die Frauchen überraschte und ihr ziemlich peinlich war: Sie sprang ins Kräuterbeet und knabbert ratzfatz das gesamte Schnittlauch ab. Jetzt kommt das Tier an die Kette. Pfui Daisy.

Zahllos (26./27.05.2012)

Stadtrat Volker Stein, auf Sie würden wir eigentlich nichts kommen lassen. Aber anderen Städten einfach vorzuwerfen, sie lägen in der Kriminalitätsstatistik hinter Frankfurt, weil sie weniger kontrollierten, und wo nicht kontrolliert werde, da gebe es eben keine Fälle, ohne das auch nur mit einer einzigen Zahl zu belegen, das ist schon, nun ja … sehr gewagt.

Lesezwang (25.05.2012)

Morgens in der U-Bahn lässt es sich hervorragend Zeitung lesen. Man sitzt ruhig da und stört niemanden. Falsch gedacht. Ein Räuspern ertönt. „Lesen Sie bitte woanders Ihre Zeitung“, tönt es gereizt vom Anzugträger gegenüber. Irritierter Blick über den Zeitungsrand. „Ja, Sie. Unverschämtheit.“ Fragender Blick. „Ich höre morgens auf der Arbeit immer Radio und möchte selbst entscheiden, wo ich Informationen bekomme.“ Dann machen Sie das nächste Mal doch bitte schön die Augen zu. Ich möchte das nämlich auch selbst entscheiden.

Hamster(24.05.2012)

Es ist angesichts eines gewissen Ereignisses viel über gewisse Entwicklungen bei der Polizei debattiert worden, von hochgerüsteter Staatsgewalt war da die Rede, aber nicht von Hamstern. Dabei hat gerade ein Hamster geholfen, den Überfall auf einen Fahrradladen aufzuklären. Er führte die Polizei zum entscheidenden Beweisstück, dem gestohlenen Ladenschlüssel – na gut, er saß drauf. Aber immerhin. Kommissar Hamster gehört die Zukunft. Sollten Sie also demnächst in der Stadt von einer Hamsterkette aufgehalten werden … keine Sorge!

Vollzeit (23.05.2012)

Jobsuche scheint doch regionale Unterschiede aufzuweisen. Wer an einem Restaurant-Fenster in Berlin vorbeigeht, sieht da tatsächlich plakatiert: „Beikoch gesucht! Vollzeit! Gerne auch mit Arbeitserfahrung und guten Deutschkenntnissen.“ Also, das würde in Hessen doch ganz anders heißen. Vielleicht: „Vollzeit-Koch gesucht. (kein Ausrufungszeichen, hier gibt es ja Jobs, auch in Vollzeit). Voraussetzung (nicht: gerne auch): Arbeitserfahrung (hat man hier so). Und die Deutschkenntnisse, die müssen nicht extra rein.

Die Vögel (22.05.2012)

Nachdem in den vergangenen Tagen 25000 Blockupy-Demonstranten die Stadt und die Polizei in Atem gehalten haben, können die Beamten sich nun wieder den echten Problemen zuwenden. Wie der aggressiven Krähe, die, wie uns eine Frau am Telefon mitteilte, am Montag Anwohner der Jahnstraße angegriffen habe. Dafür hat die Frau eine einfache Erklärung: die übermäßigen Hubschraubereinsätze der vergangenen Tage wegen Blockupy. Nun kam es doch noch zu dem von Stadt und Polizei befürchteten aggressiven Verhalten.

Die Lösung (21.05.2012)

In Frankfurt haben am Samstag etliche Tausend Menschen gegen die Krisenpolitik demonstriert, gegen Spardiktate, Ungerechtigkeit, Armut. Die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach (CDU) hat gleichzeitig vor dem Computer gesessen und eine Lösung gefunden, die sie zum Glück auch umgehend bei Twitter veröffentlichte. „Welche Macht hätten die Banken über die Menschen, wenn diese nicht über ihre Verhältnisse lebten?“, fragte Steinbach und antwortete selbst: „Keinerlei Macht!“ So einfach ist das nämlich.

Doppelfehler (19./20.05.2012)

Danke auch, Rhein-Main-Verkehrsverbund, für Deinen Service „Verbindungssuche“ im Internet. Da komme ich Deinen Berechnungen zufolge am Freitagmorgen um 9.07 Uhr mit der U2 an der Miquel-/Adickesallee an, und mein nächster Bus Richtung Frankfurter Fachhochschule fährt um 9.19 Uhr. Zwölf Minuten warten? Pah! Da bin ich ja schneller zu Fuß. Und während ich munter marschiere, überholen mich um 9.15 (!) Uhr vor der Deutschen Bibliothek zwei (!!) 32er Busse, die direkt hintereinander (!!!) herfahren. Danke, Verkehrsverbund.

Wie bitte? (18.05.2012)

Es geht doch nichts über kompetentes Fachpersonal.
„Willkommen bei XY – bitte sehr?“
„Drei Hamburger zum Mitnehmen, bitte, und einen großen Vanille-Shake.“
„Wie bitte?“
„Äh – einen Vanille-Shake?“
„Klein?“
„Groß.“
„Zum hier Essen?“
„Nein. Zum Mitnehmen.“
„Noch etwas?“
„Na ja – die drei Hamburger halt.“
„Das war’s?“
„Das war’s.“
„Fünf Euro zehn.“
Tüte zu Hause ausgepackt. Inhalt: drei Cheeseburger.

Ohne Pinsel (16.05.2012)

Wahr ist, dass wegen der für heute angekündigten Blockupy-Demonstration der ebenfalls für heute angekündigte Vortrag von Doktor Carsten Wenzel „Archäologie ohne Pinsel“, den dieser eigentlich um 19 Uhr im Institut für Stadtgeschichte halten wollte, entfällt. Unwahr ist, dass stattdessen Indiana Jones zur selben Zeit am selben Ort den Vortrag „Archäologie mit Peitsche“ hält. Jones war wohl angefragt worden, hatte aber viel zu viel Angst vor den Blockupisten.

(15.05.2012) Tatoresk

Der Tatort ist mit gutem Beispiel vorangegangen. Wir können das auch. Also: Ein Rabbi, ein Salafist und Volker Stein gehen in eine Bar im Bahnhofsviertel. Stein bestellt zwei Kurze und ein kühles Blondes. Sagt der Salafist: … Ätsch! Die Pointe müssen Sie im Internet suchen.

(14.05.2012) Maßvoll

Zu Beginn einer Woche, in der viel vom bösen Kapital, von raffgierigen Managern und skrupellosen Geschäftemachern die Rede sein wird, sei erst einmal der Inhaberin des Schreibwarenladens auf der Berger Straße gedankt. Die sagte auf Nachfrage, sie führe selbstverständlich Briefmarken. Aber zehn Stück könne sie uns beim besten Willen nicht verkaufen, zehn Stück, das seien doch viel zu viele. Zwar habe sie zehn Marken vorrätig, aber nein, die anderen Kunden wollten doch vielleicht auch welche, man müsse doch bitte Maß halten…

(12./13.05.2012) Blitzboxen

Grüß euch Gott, ihr vier Burschen unbekannter Provenienz, die ihr gestern gegen 14?Uhr durch den Sandweg fuhret und euch wohl im Auto gegenseitig geärgert hattet. Jedenfalls fuhrt ihr grußlos in die Haltebucht, stiegt aus, bedachtet euch und eure Mütter mit groben Worten und poliertet euch dermaßen die Visagen, wie wir das seit Bud Spencer nicht mehr erlebt haben. Dann stiegt ihr wieder ein und fuhrt davon. Wir blieben staunend auf dem Balkon zurück. Können wir das noch mal in Zeitlupe sehen? Nächsten Freitag 14 Uhr?

(11.05.2012) Powi

Neulich. Schüler.
„Hey!“
„Hey! Was geht?“
„Alles klar, Mann.“
„Gut.“
„Und sonst?“
„Alles klar, Mann.“
„Was hatten wir eigentlich in Deutsch auf?“
„Wir mussten so ein Gedicht von Brecht lesen und …“
„Brecht, Mann?“
„Ja, Mann, und …“
„Zeig’s mir nachher in Powi.“
„Okay.“
„Ich mach’s dann später in Powi.“
Es geht doch nichts über den guten alten Brecht als Hausaufgabe. Und Powi.

(10.05.2012) Schall

Es gibt solche Tage. An denen du irgendwie hintendran bist. An denen du nur langsam begreifst. An denen die U-Bahn am Lindenbaum einfährt, und diese Stimme sagt: „Nächste Station: Weißer Stein.“ Nachmittags näherst du dich mit der Tram 16 der Hohenstaufenstraße und hörst: „Nächster Halt: Platz der Republik“. Und so weiter. Immer eine Station zu spät. Man weiß aus der Physik, dass sich Schall langsamer überträgt als Licht. Daran wird’s wohl liegen. Tja. Oder ein U-Bahn-Fahrer und ein Trambahnfahrer haben am selben Tag gepennt.

(09.05.2012) Echt ehrlich

Heute soll an dieser Stelle eine 24-jährige Mutter gewürdigt werden, die am Montag auf dem Weg zum Heddernheimer Kindergarten eine Börse mit 7500 Euro fand – und bei der Polizei ablieferte. Wie sich zeigte, gehörte das Portemonnaie einem 43-Jährigen – er hatte es beim Herumtollen mit seinem Hund verloren. Bei den 7500 Euro handelte es sich um eine Kreditrate seiner Mutter, die der Sohn zur Bank bringen wollte. Diese Geschichte ist eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Aber sie steht im Polizeibericht. Also muss sie ja wahr sein.

Tagleben (08.05.2012)

Chapeau, liebe Bedienung eines Cafés an der Konstablerwache. Sich bei der Kaffeerechnung um vier Euro zu vertun, zugunsten des Hauses, das kann ja passieren. Dann aber auf die legitime Reklamation des Gastes hin eine Schnute zu ziehen wie Gargamel, dem mal wieder die Schlümpfe durch die Lappen gegangen sind, und ungeniert loszugrunzen: „Ich hasse das! So viele Gäste. Und alle wollen was anderes!“ – das setzt doch in der Tat Maßstäbe, selbst im für seine Muffelwirte weltberühmten Frankfurt. Sie sind hier richtig!

Rheinkultur (07.05.2012)

Das ist gemein, dass am Sonntagabend tausende Frankfurter auf dem Römerberg johlen, pfeifen und feixen, nur weil erwähnt wird, dass drinnen im Kaisersaal neben anderen auch der „hessische Innenminister Boris Rhein“ den weisen Worten Petra Roths lauscht, die gerade die Eintracht verherrlicht. Man könnte meinen, Frankfurter liebten nur Sieger. Stimmt aber nicht. Denn kurz darauf wird einer wackeren Schar zweiter Sieger mit Gesang und Feuerstein gehuldigt. Muss wohl doch an der Person des hessischen Innenministers liegen.

Inagtuell (05.05.2012)

Da hat man jahrelang sein Rad mit Hilfe eines Imbusschlüssels zusammengehalten. Dachte man. Und muss dann lesen, dass das Ding ja in Wahrheit Inbus heißt. Im Duden, der auch gleich die Erklärung mitliefert: Inbus „ist die Abkürzung für Innensechskantschlüssel (der Firma) Bauerund Schaurte“. Die heißt heute „Acument Global Technologies“. Inagt klingt aber blöd. Inbus ist besser.

Wunderbahn (04.05.2012)

Heute ist Freitag. Aus Dankbarkeit meckern wir an dieser Stelle einmal ausnahmsweise nicht über etwas, das in der U-Bahn passiert ist, sondern freuen uns über etwas, das in der S-Bahn passiert, und zwar jeden Tag, beinahe ununterbrochen: Ein Zug nähert sich dem Frankfurter Südbahnhof, eine wunderbar tiefe, warme, beruhigende Frauenstimme teilt uns das mit. Dann sagt sie: „Bitte steigen Sie alle aus. Der Zug endet dort.“ Fabelhaft. Man möchte den ganzen Tag in der S-Bahn hin- und herfahren und sich das immer wieder anhören.

Echt positiv (03.05.2012)

Natürlich ist Lauschen unfein. Aber interessant. Empfindliche Gemüter seien vor der drastischen Sprache gewarnt, aber so wurde es halt in der U-Bahn gesagt: „Der Hans geht mir voll auf’n Sack. Der verkackt beim Yoga jedes Mal das Om. Das kotzt mich echt an.“
Wikipedia: „Yoga hat auf viele Menschen eine beruhigende, ausgleichende Wirkung. Darüber hinaus kann die innere Einkehr genutzt werden, das eigene Verhalten gegenüber den Mitmenschen zu reflektieren, um es positiver zu gestalten.“
Rauscher: „So ist das also.“

Prinzesschen (02.05.2012)

Wenn man was erlebt, dann meist in der U-Bahn. Gestern betritt das Prinzesschen die U2, lauthals telefonierend, wie es inzwischen wohl Vorschrift ist in öffentlichen Verkehrsmitteln, und beim Telefonieren stellt sie ihre Handtasche auf dem nächstbesten Fahrgast ab. Irgendwo muss sie ja hin, die Tasche. Der Nächstbeste aber schiebt die Handtasche einfach weg. Frechheit, findet das Prinzesschen und schnauzt („Oh Mann, ey!“) den Nächstbesten an. Deal: Nächstes Mal halte ich Prinzesschens Tasche – wenn sie dafür die Klappe hält.

Am Kiosk (30.04.2012)

„Die ganze Stadt uffgeräumt“, sagt die Frau kopfschüttelnd am Wasserhäuschen, „nur weil der Präsident gekomme is. Isch wär froh, mei Mann würd mal uffräume, wenn isch nach Haus komm. Da siehts aus wie unnerm Sofa.“ Dann nimmt sie noch einen Schluck aus der Pulle. „Sach es, wie es is“, sagt ihr Gegenüber. Frankfurt ist schön.

Abseits (28.04.2012)

Schön von der Frankfurter Eintracht, dass sie Nachwuchs-Fußballerinnen zum „Mädchen-Adlertag“ an den Riederwald eingeladen hat, um sie „für die Eintracht zu begeistern“. Komische Idee nur, sich am Sonntag zwischen 12 und 14 Uhr zu treffen. Wer sich für die Eintracht begeistert, ist um diese Zeit nämlich im Waldstadion.

Zum 1.Mai (27.04.2012)

Liebe Radrennveranstalter, so habt doch ein Einsehen! Es funktioniert einfach nicht. Hört doch mal selbst: „Uff em Finanzplatz Eschborn/Frankfurt sitzt e Wermsche mit em Schermsche unnerm Ermsche, kimmt e Stermsche, bläst des Wermsche mit em Schermsche unnerm Ermsche vom Finanzplatz Eschborn/Frankfurt.“ Hört ihr’s? Das klingt doch total bescheuert, kindisch, albern. Ihr tut keinem einen Gefallen damit, weder der Stadt Frankfurt noch dem Finanzplatz Eschborn. Also gebt uns unser Henninger Termsche zurück!

Nr.6 lacht (26.04.2012)

Der Lachclub Frankfurt informiert uns, dass am 6. Mai Weltlachtag ist. Zudem gebe es in Frankfurt mittlerweile fünf Vereine, „die sich wöchentlich zum Lachen ohne Grund“ träfen. Was so funktioniert: Einer brabbelt was, dann spenden alle Zuhörer das begehrte „Lachlob“, welches da lautet „Sehr gut, sehr gut, yeah“, und dann kichern alle, dass man meinen könnte, die Vollmeisen flögen sehr, sehr tief. Falsch, Lachclub Frankfurt. Es sind sechs Vereine. Wir machen das sogar täglich, nennen es aber „Redaktionskonferenz“. Guckt doch mal vorbei.

Fisch her! (25.04.2012)

Lieber neuer Ladenpächter – nur verhalten war unsere Freude, als unlängst das Internet-Café ums Eck dichtmachte. Denn da waren wir der festen Überzeugung, dass dorten wie üblich ein Sportwettbüro eröffnet. Umso größer war unsere Freude, als wir das handgemalte „Hier komme frische Fisch Imbiss“-Plakat im Schaufenster lasen. Und ein paar bläuliche Stockfische, liebevoll fotografiert und aufgeklebt, uns daneben auffordernd anglotzten. Aber die glotzen jetzt schon seit Wochen. Wir haben Hunger! Wo bleibe frische Fisch?

Haarig (24.04.2012)

Hut ab, ihr Shampoo-Werbefritzen! Ehe eure greise Kundschaft in Agonie versinkt und das fahle Haupthaar ganz aufgibt, spült ihr sie mit einem knackigen Slogan zurück in die Drogeriemärkte: „Wenn schon grau, dann Power-Grau!“, dröhnt es uns jüngst zwischen zwei Fußballspielhälften entgegen. Euer neues Shampoo verleiht „einen frischen Grauton“? Genial! Power-Grau, das neue Blond. Was kommt als Nächstes? Lasst uns raten: Wenn schon Schuppen, dann Mega-Schuppen? Wenn schon kahl, dann blank geputzt mit Giga-Glatze?

Zu Staub (23.04.2012)

Jaja, wir wissen, keine Witze über Namen. Nur wenn es sein muss. Und es muss. Denn Sie, Raumausstatter Staub, müssen wir unbedingt mal was fragen, nachdem wir gestern erstmals Ihren Einsatzwagen in unserer Straße entdeckt haben. Seit Jahren nämlich arbeiten Sie ganz offensichtlich schon für uns, ebenso unermüdlich wie zuverlässig. Urlaub oder Krankheit kennen Sie nicht. Und Sie richten vor allem auf dem Laminat unterm Bett wahre Wunderdinge an. Und zwar genau dort, wo man mit dem verfluchten Rohr nur schwer hinkommt. Respekt! Zwei Fragen, Raumausstatter Staub, brennen jetzt aber doch in unserer Brust. Wie kommen Sie da eigentlich hin? Und wer bezahlt Sie?

Linksaußen (21.04.2012)

Heute steht diese Kolumne ausnahmsweise mal ganz links. Schuld hat mal wieder das Kapital. Denn wer bezahlt, bestimmt den Platz. Also, dann eben ganz links: Sagt Stalin zur Krupskaja: „Wenn Sie nicht aufhören, sich für die Trotzkisten einzusetzen, ernenne ich eine andere Frau zu Lenins Witwe!“ Zugegeben: Es gibt bessere. Aber noch weiter links fiel uns beim besten Willen nix ein.

Bringer (20.04.2012)

Ja – ist denn schon wieder Ostern? Da liegt unserer stets topaktuellen Zeitung doch gestern ein Prospekt mit elektrischen Geräten von der drahtlosen Zahnbürste bis zum beutellosen Turbo-Staubsauger bei, und vorne drauf steht der Hinweis: „Unser Hase ist der Bringer – Oster-Lieferpaket – bis 30. April 2012“. Kein Irrtum. Da sieht man, wo das hinführt, wenn die Arbeitnehmer nicht mehr zu ihren Gewerkschaften stehen. Jetzt schiebt schon der arme Osterhase Sonderschichten. Motto: Bringsten nicht Ostern, bringsten Pfingsten.

Strandperle (19.04.2012)

Verehrte Frau O. aus N., unter all unseren liebenswürdigen Leserinnen und Lesern sind Sie ein ganz besonderer Engel, Nein, eine Nixe: Sie lasen hier an dieser Stelle von verloren gegangenen Muscheln der Liebsten und zauberten ohne Zögern Ersatz aus der Nordsee in die Redaktion. Sogar mit einem kleinen Bernstein dabei. Herzlichsten Dank! Die Freude ist riesig. Und bei näherem Hinsehen kommt Wiedersehensfreude hinzu. Denn was keiner ahnen konnte: Sie waren einst die Grundschullehrerin des anonymen Autors. Kein Seemannsgarn!

Gebeutelt (18.04.2012)

Wo wir gerade beim Staubsaugen waren: Da erbarmst du dich nach Jahren des reuelosen Saugens, den prallvollen Staubbeutel im Innern der guten alten Vampyreuse 666 auszutauschen. Natürlich ist im Schrank kein frischer aufzufinden. Du machst nach unendlichen Mühen die Artikelnummer des einzig passenden Beutels unter zwölf Millionen im Handel erhältlichen Varianten ausfindig. Ja, und dann, wenn du endlich den neuen, schönen, leeren Beutel hineingewurstelt hast – dann gibt die Vampyreuse ihren Geist auf.

Muckefuck (17.4.2012)

Liebe Betreiber des Cafés Mainstrand, kennt ihr den? „Sieht nach Regen aus“, sagt der Gast zur Pensionswirtin, als die ihm seinen Morgentrunk einschenkt. „Ist aber tatsächlich Kaffee“, beteuert die Wirtin. Findet ihr nicht lustig? Wo da der Witz sein soll? Na ja, normalerweise handelt es sich bei Kaffee um einen aromatischen, dunkelbraunen Sud, der aus der Kaffeebohne gewonnen wird. Habt ihr nicht gewusst? Jetzt wisst ihr’s. Der Witz funktioniert übrigens auch mit Latte macchiato, da muss der Gast dann aber sagen: „Sieht nach Schnee aus“. Witzig, gell?

Versaugt (16.04.2012)

Ein Spiel mit dem Feuer, dieser Hausputz am Samstag. Und immer wieder total spannend, wie nah ich mit dem Staubsauger an die Muschelsammlung der Liebsten – oh. Äh, hat jemand ein paar Muscheln übrig? Ganz kleine?

FDP-Tag (14.04.2012)

Nachdem wir jetzt aus Versehen die Dippemess am „Familientag“ besucht haben, an dem alle Fahrgeschäfte etwas billiger sind, hier mal ein Vorschlag für die nächste Dippemess: Wie wär’s denn mal mit einem Tag, an dem alle Karussells das Doppelte kosten? Für alle, die keine Lust haben, sich mit den entmenschten minderjährigen Legionen der Hölle um einen Platz im Break-Dancer zu prügeln. Notfalls könnte man auch noch eine Krawattenpflicht draufpacken. Und das Ganze „FDP-Tag“ oder so ähnlich nennen. Wäre doch eine Überlegung wert.

Unter uns (13.04.2012)

Sie sind unter uns! Sie tarnen sich als Freunde und Kollegen. Sie wirken das ganze Jahr über völlig normal, vielleicht manchmal ein bisschen überheblich. Wie wir haben sie ein Spiegelbild. Sonne und Knoblauch können ihnen nichts anhaben. Und doch kann man sie besiegen. Wenn man sie am Tag, nachdem Arjen Robben einen Elfer schulmäßig vergeigt hat, tröstend in den Arm nimmt und ein gut gemeintes „Geld schießt nun mal keine Tore“ ins Ohr flüstert, lösen sie sich vor Wut in Rauch auf, die Fans des FC Bayern München.

Retter (12.04.2012)

Von der versunkenen „Titanic“ ist ja nun viel die Rede, von Eisbergen und vom Funkverkehr in der Unglücksnacht. Mit diesem anderen Schiff namens, ähem: „Frankfurt“. Keine schöne Geschichte. Sie endet mit einem Schimpfwort („Idiot“) und der Havarie des großen Dampfers vor 100 Jahren. Schade. „Frankfurt rettet Titanic“ wäre eine schöne Schlagzeile gewesen. Aber zu Recht erinnert das Eintracht-Museum in dem Kontext an unseren 2010 verstorbenen Trainer Jörg Berger. Ihm haftete der Ruf an, er hätte auch die Titanic gerettet. Na bitte.

Bsinöldn (11.04.2012)

Luat eneir Sutide eneir Uvinistrerät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wort sehetn. Das ezniige was wcthiig sei ist, dsas der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn´ Psotoiin snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sein, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nchit jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als Gzeans enkreenn. Das foktinierunt wicklirh! Und mahct die Abriet eneis Rakteurdes veil, veil enifacher. Wiel Bsinöldn sreibechn so enfacih ist.

Namensfrage (10.04.2012)

Der ehemalige Frankfurter, der im Exil das Geschehen in seiner Heimat nach wie vor verfolgt, möchte wissen, ob der Henninger Turm, der ja bekanntlich zu einem Bonzencluster umgebaut werden soll, danach auch „Turm rund um den Finanzplatz Eschborn/Frankfurt“ heißen wird. Da kann man nur antworten: Es steht zu befürchten. Doch der Exil-Frankfurter findet Trost in der Nachricht, dass nach wie vor kein Frankfurter zur Eintracht in die „Commerzbank-Arena“, sondern immer noch ins Waldstadion geht.

An G.G. (07.04.2012)

Das wird man ja wohl mal sagen dürfen
Dass man das ritzeratzedoof findet
Dass es jetzt so kalt ist
Weil da macht die Dippemess nicht so viel Spaß
Wenn’s so kalt ist
Und tanzen darf man auch
nicht
Weil jemand den Heiland ans Kreuz genagelt hat
Und man wird ja wohl mal
sagen dürfen
Wer da genagelt hat
Aber egal
Lesen wir stattdessen
Halt mal ein Buch
Aber ein gutes
Vielleicht eins von Wolf Haas.

Noch’n Grund (05.04.2012)

Jetzt mal abgesehen von dem ganzen Lärm: In der Nacht auf den 4. Februar 1959 stürzte der junge Pilot Roger Peterson mit seiner viersitzigen Sportmaschine über Iowa ab. Dort tobte ein Schneesturm und es war zappenduster, weil es ein Uhr nachts war. Mit an Bord war Buddy Holly, der den Unfall nicht überlebte. Man muss klar sagen: Mit Nachtflugverbot wäre das nicht passiert. Und darum sitzt Buddy heute frohgemut auf seiner Wolke, zupft die Harfe, lobt das Bundesverwaltungsgericht und singt „It Doesn’t Matter Anymore“.

Edle Rothaut (04.04.2012)

Lieber Bauarbeiter, der Du neulich nach erfolgreich absolviertem Feierabendbier festen Schrittes wahrscheinlich nach Hause und sicherlich die Straße überqueren wolltest, obwohl die Ampel Rot zeigte, angesichts des wartenden Sechsjährigen jedoch Deinen Plan ändertest, innehieltest und dich dem Kinde mit den Worten zuwandtest: „Das macht man nicht, bei Rot über die Gass’ zu gehen. Das machen nur Idioten – so wie ich einer bin“ – lass’ Dir gesagt sein: Du bist gar kein Idiot. Ganz im Gegenteil. Die Idioten, das sind die anderen.

Geduscht (03.04.2012)

Die Leidensmiene des schicken jungen Mannes ganz vorn in der Schlange könnte gar nicht leidender sein. Quälend lang hält er den Betrieb am Eingang zur Brotfabrik auf. Gestikuliert. Jammert. Leidet. Die Ungeduld der anderen Wartenden wächst. Mal lauschen, um was es geht. „Muss das denn un-be-dingt sein?“, heult der schicke junge Mann und zeigt auf den Einlass-Stempel, den jeder Gast auf die Hand kriegt. „Ich hab gerade geduscht!“ Da seufzt die Frau an der Kasse und stempelt ersatzweise ein Blatt Papier. Das hat nicht geduscht.

Enkelszungen (02.04.2012)

Es ist ja so, dass man mittlerweile chronisch misstrauisch ist, wenn einer einen auf der Gass’ anquatscht und was von einem will. Selbst wenn es sich dabei lediglich um die gebrauchte Eintracht-Eintrittskarte handelt, die nach dem Spiel ohnehin viel an Wert verloren hat. Doch wer auf die Frage, wofür er die denn brauche, antwortet: „Zum Dabbeziere von der Oma ihrm Gaddehäusche“, dem kann man die milde Gabe einfach nicht verweigern. Er ist entweder ein wahrhaftiger Enkel auf Erden oder ein guter Geschichtenerzähler.

Ungesichert (31.03.2012)

Polizeireporter schreiben über zu viel Unschönes, um zu glauben, dass Frankfurt sicher ist. Da können der Polizeichef und der Ex-OB-Kandidat von der CDU noch so oft sagen, dass eigentlich alles gut ist auf den Straßen. Wenn aber der Reporter den Schlüssel im Schloss seines Mopeds stecken lässt, die Kiste also die ganze Nacht abfahrbereit auf der Berger Straße steht, aber bis zum nächsten Morgen nicht wegbewegt wird, muss man sagen: Vielleicht haben die beiden Männer recht.

Flexitarisch (30.03.2012)

Der Bio-Großhändler Dennree hat uns per Mail über einen neuen Trend informiert, von dem wir noch nichts wussten: dem Flexitarismus. „Flexitarier essen ab und zu mal fleischfrei“, schreibt uns das Unternehmen, und das ist toll, denn „pro Flexitarier-Tag“ werden weltweit „8,1 Tonnen CO2 eingespart“. Sauber. Wir zeigen uns beeindruckt und werden uns heute ebenso solidar- wie flexitarisch ausschließlich von Schokoriegeln und Salzstangen ernähren. Aber sag mal, Bio-Großhändler Dennree: Ist zu viel Flexitarismus nicht gefährlich und kann zu Laberanfällen und Morbus Salbader führen? Kann er? Dachten wir’s uns doch.

Indiskret (29.03.2012)

„Seid ihr wieder zusammen?“, wird die Kassiererin im Supermarkt von einer Kundin angesprochen. „Habt ihr euch ausgesprochen?“, trötet die Kundin ungeachtet des tiefroten Kopfes der Frau. Die murmelt was von Missverständnis. „Hab ich doch gleich gesagt“, kreischt die falsche Freundin und ergeht sich in Betrachtungen über Missverständnisse in Liebesdingen. Der Berichterstatter macht sich von dannen, um eine sichere Erkenntnis reicher: Die Kassiererin hat keine glückliche Hand mit Beziehungen.

Blasmusik (28.03.2012)

Noch mal ganz kurz, liebes HR- Fernsehprogramm: Was war das denn eigentlich am OB-Wahlabend? „Internationale Musikparade der Militär- und Blasmusik“? Um 20.15 Uhr? 90 Minuten lang? Und danach das „Hessen-Quiz“? Während Frankfurt gerade völlig aufgewühlt feiert/trauert/staunt, weil es einen sensationellen neuen Oberbürgermeister hat? Ach so, es gab ja zwei aktuelle Extra-Sendungen im Abendprogramm: jeweils drei (3!) Minuten lang. War das etwa dein Ernst, HR?

Druckfehler (26.03.2012)

Es ist ein lustiges Buch, das Stefan Gärtner da geschrieben hat. Kein Wunder, der Mann ist schließlich Titanic-Autor, da geht ihm sein Anti-Reise-Führer namens „Deutschlandmeise“ natürlich leicht von der Feder. Besonders gelungen ist das Kapitel über das Verhältnis zwischen Offenbach, Kelkheim (!) und Frankfurt. Nur ein Satz macht uns nachdenklich. Er steht auf Seite 146 und handelt von Frankfurter Oberbürgermeistern: „Boris Rhein, der glänzend juvenile Nachfolger der ,roten’ Petra, ist da Fleisch vom Fleische…“ Naja, vielleicht gibt’s ja eine zweite Auflage.

Pfui Deibel (24./25.03.2012)

Wenn am frühen Morgen die Rolling Stones im HR ihre „Sympathy for the devil“ rauskrähen, und man die unsterblichen Zeilen „Pleased to meet you / hope you guess my name / but what’s puzzling you / is the nature of my game“ im eigenen Hessekopp synchron mit „Gudn Morsche / du ahnst ja wer isch bin / doch dei Ranzerobbe / is ganz in meinem Sinn“ übersetzt – dann wird es wohl höchste Zeit, die nächste Enthessifizierungsstelle aufzusuchen oder einen Urlaub im befreundeten Ausland anzutreten.

Und Action (23.03.2012)

Ach ja, Metropolis, zweieinhalb Wochen hattest du jetzt geschlossen. War eine harte Zeit für deine Fans. Und deine Geschäftsführer werden auch geflucht haben. Aber es geht immer noch schlimmer: In Köln hat es jetzt der Cinedom mit einer Nachricht in den „Express“ geschafft. Während der Vorführung von „Das gibt Ärger“ mit Til Schweiger gab es eine wüste Mädchen-Prügelei, bei der auch Popcorn und Cola flogen. Siehst du, Metropolis, zumindest das ist dir erspart geblieben.

Rachevögel (22.03.2012)

Liebe Polizei, was hat das zu bedeuten? Während alle vor dem Zoo geparkten Autos mit jungfräulichen Klarsichtfrontscheiben glänzen, prangen auf dem einzigen Streifenwagen acht Prachtexemplare fangfrischen Vogelschisses. Entweder habt ihr dem bösen Fabelwesen Vogel Roch ein Knöllchen verpasst. Oder eine höhere Macht will euch sagen, dass ihr lieber Verbrecher jagen solltet als Eltern, die kurz im Verbot halten, weil sie ihre Kinder in deren Garten bringen. Denkt mal nach!

Fehlansage (21.03.2012)

Bislang hielten wir unsere Versicherung für eine Trutzburg der Seriosität – und damit auch der Langeweile. Bis gestern. Da wollten wir was wissen wegen der Teilkasko fürs Auto und landeten in der telefonischen Warteschleife, wo uns zu unserem Entsetzen eine allzu vertraute Stimme per Band begrüßte: „Guten Tach, ich bin Dieter Bohlen. Leider sind alle Experten der XY-Versicherung derzeit beschäftigt. Bleiben Sie in der Leitung …“ Blieben wir nicht. Wir legten auf. Und sind immer noch ein bisschen erschüttert. Langweilig war uns lieber.

Altes Eisen (20.03.2012)

Die beiden alten Damen, die etwas hilflos durch die Trambahn tapern, suchen gar keinen Sitzplatz. Da hilft auch kein Aufstehen. Die suchen was ganz anderes. Nämlich „den Fahrkartenentwerter“. Den habe es noch gegeben, als sie das letzte Mal mit der Trambahn gefahren seien. Wann um Himmels willen das denn gewesen sei, will der Sitzanbieter wissen. „Irschendwann im Nachkrieg“, wahrscheinlich „vor der Währung“, so genau wissen die Damen es nicht mehr, aber es ist auch wurscht. So oder so: war wohl verdammt lang her.

Hinterlassen (19.03.2012)

Ein Kinderstrumpf, Größe 18, linker Fuß. Waffeln aus dem Bio-Laden, das Haltbarkeitsdatum leicht überschritten. Ein Wahlprogramm von Boris Rhein. Ein Stadionmagazin der Eintracht vom Spiel gegen Cottbus (1:0), eine leicht verrostete Nagelschere … es ist immer wieder faszinierend, was man in Carsharing-Autos alles findet. Bei der Gelegenheit: Hat irgendjemand meine funkelnagelneue CD von Bruce Springsteen gesehen?

Zu viel Krach (17./18.03.2012)

Bisweilen ist es ganz nett, wenn Mitmenschen über ihr Handy laut Musik hören. So erfahren auch die Umstehenden etwas über den Geschmack des Telefonbesitzers. Wenn aber, wie diese Woche geschehen, jemand über die Berger Straße schlendert und dabei ein Lied hört mit der Textzeile „Wir kommen, um zu f…, Frankfurt ist aggressiv“, dann kann man nur sagen: Herr, lass Kopfhörer regnen.

Schnabelhaft (16.03.2012)

Reizend, dass die Vögel wieder zwitschern. Ganz wunderbar. Herrlich. Auch um 5 Uhr in der Frühe. Sehr hübsch. Eine Bitte nur: Können wir uns darauf einigen, dass die Tauben ihr nervtötendes Gegurre diesmal bleiben lassen?

Kein Trend (15.03.2012)

Ausgerechnet aus Quickborn erreicht uns die traurige Nachricht, dass Frankfurt irgendwie nicht so der „Magnet für Trendsetter“ ist. Das will eine Bank mit Sitz in eben jenem Quickborn herausgefunden haben, anhand einer „repräsentativen Umfrage“, mit der Einwohner deutscher Städte verschiedenen „Trend-Geoclustern“ zugeordnet wurden. Um es kurz zu machen: Ganz vorne München, irgendwo dann Frankfurt, abgeschlagen Berlin, nirgendwo Quickborn. Dabei liegen solche Erhebungen des Schwachsinns doch wirklich ganz und gar im Trend.

Volltreffer (14.03.2012)

Das Nordend steckt voller Merkwürdigkeiten. Während die Eltern andernorts mit Zeitung auf den Spielplatz gehen, brachte ein Paar jetzt zwei Gläser Wein mit zu den Spielgeräten am Friedberger Platz. Was dann passierte, im Schnelldurchlauf: Kinder, Ball, Ball fliegt, Glas kaputt, Nordend-Paar nicht amüsiert. „Entschuldigung, das will ich ersetzt haben“, sagt die Frau zur Mutter des Fußballers. Mit fliegenden Bällen auf Spielplätzen ist aber auch wirklich nicht zu rechnen.

McDoofsey (13.03.2012)

Ach, Herbert Henzler, Sie sind Ex-Chef des deutschen Auswuchses der Jobabrissfirma McKinsey, und für manche Leute genügt das schon, um Ihnen gegenüber tief in sich drin Gefühle zu hegen, die auch Götz von Berlichingen weiland nicht fremd waren. Uns genügt das nicht. Dass sie aber im sonntäglichen HR1-Talk auf die Frage, ob Sie an der Demokratie irgendwas doof fänden, antworteten: „Ja, die egalitären Stimmen. Dass die Stimme vom Bundesratspräsidenten gleich viel wert ist wie die Stimme von, jetzt sage ich mal, einem Obdachlosen“ – doch, das genügt auch uns, sagen wir mal.

Vor der Wahl (12.03.2012)

Nur mal angenommen, Odysseus hätte damals die Möglichkeit gehabt, Skylla zu ärgern, indem er Charybdis wählt - hätte er das gemacht? Oder wäre er der Meinung gewesen, dass man sich nicht mit einem Ungetüm gemein macht, nur um dem anderen eins auszuwischen? Ist ja auch nur eine theoretische Frage, weil Odysseus hatte ja gar keine Wahl, der hatte zwei Probleme. Und ist einfach zwischendurchgesegelt, der Held, der griechische. Ist vermutlich auch eine blöde Frage. Eine, auf die man kommt, wenn man die ganze Nacht schlecht geschlafen hat, aus welchen Gründen auch immer. Wegen Flugzeuglärm zum Beispiel.

Automatenlob (10/11.03.2012)

Vor der Haustür hängt seit Jahren ein maroder Zigarettenautomat. Er ist leer. Nur an Silvester schmeißen Lausbuben Böller in den Schacht. Er ist verschmiert, verklebt und völlig nutzlos. Aber er bleibt. Ich mag den Zigarettenautomaten. Er ist so tapfer.

Alles Gute (09.03.2012)

Der 8. März, das sollte an dieser Stelle auch nachträglich noch einmal betont werden, ist von unermesslicher Bedeutung für den Kampf um Gleichstellung in der Gesellschaft, für die Lebensbalance zwischen Mann und Frau, die Wertschätzung von Leistung in der Familie, die versöhnte Verschiedenheit, den gerechten Ausgleich, den Frieden zwischen den Geschlechtern. Das alles kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Und deshalb haben wir auch an diesem 8. März wieder gerufen: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Eintracht Frankfurt!

Unsummen (08.03.2012)

„Zweineunundachtzig“, sagt die junge Frau an der Kasse mit Blick auf meinen Einkauf.
„Zweineunundsechzig“, sage ich mit Blick auf die Leuchtanzeige der Registrierkasse.
„Oh – stimmt, Entschuldigung“, sagt die Kassiererin und lächelt versöhnlich.
„Kein Problem“, sage ich und lächle versöhnlich zurück.
„Also zweineunundsechzig“, sagt die Kassiererin.
„Gern“, sage ich und gebe ihr einen Zehn-Euro-Schein. „Uuuuund siebeneinundzwanzig“, sagt die Kassiererin. Und gibt mir siebeneinunddreißig heraus.

Großeinkauf (07.03.2012)

Was darf’s denn sein, fragt die freundliche Wurstwarenfachverkäufern. Gelbwurst, sagt der Mann mit Hut knapp. Wie viel Gramm? 20 Stück. Sonst noch was? Ja, Serrano. Und wie viel? Ja, den da halt. Da schaut sie dann doch kurz verdutzt, packt dann aber gekonnt die zwei Kilo Schinken zu den fünf Kilo Gelbwurst. Darf’s noch was sein? Also das langt ja wohl, sagt der Mann barsch und geht kopfschüttelnd weiter in die Süßwarenabteilung. Was er da wohl will? Acht Kilo Gummibärchen? 200 Tafeln Edelbitter? Endloskaugummi?

Gut versteckt (06.03.2012)

Einen gewissen Respekt verdienen die zwei 17 und 18 Jahre alten Gören, die die Polizei am Sonntag am Hauptbahnhof festnahm. Die Mädchen, die wohl einer fahrenden Diebesbande angehören und sattsam polizeibekannt sind, wurden mit 130 Goldschmuckstücken erwischt, die zu einem großen Teil aus Einbrüchen in Frankfurt stammen. Die beträchtliche Beute befand sich laut Polizeibericht „gut versteckt im Innenfutter einer Reisetasche sowie professionell verbaut in zwei original verpackten Polizeispielzeugautos“. Chapeau!

Prinzenbrille (05.03.)

Seit Tagen frage ich mich, wieso der schwedische Prinz Daniel, dieser frischgebackene Papa, die ganze Zeit ohne Familie in Frankfurt unterwegs ist. Jetzt merk’ ich: Das ist ja gar nicht der Prinz. Das ist Boris Rhein. Diese Brille ...

Hosen an (03.03.)

Gestern schickt mir das Internet-Auktionshaus eine E-Mail mit dem Titel: „Fraa Rauscher, das passt zu Ihnen!“ Und gibt mir Textil-Tipps – für Männer. Danke sehr. Dass ich vorige Woche eine Hose für meinen Alten gesucht hab, haben die nicht kapiert.

FRAntastisch (02.03.)

Also, uns hat die „Ja zu FRA“-Demo richtig gut gefallen. Fürs nächste Mal hätten wir allerdings noch ein paar Vorschläge für selbstgemalte Transparente. Unser Favorit: „Stille Nacht – langweilige Nacht“. Auch nicht schlecht: „Nachtflugverbot? Ich hup’ euch was!“ Oder, etwas wutbürgerkritisch: „Euer Gejammer kotzt uns an.“ Für die Freunde der leichten Muse: „Motörhead sind ja auch laut.“ Ach, es gibt so viele schöne Ideen. Endlich mal eine Demonstration für kreative Köpfe.

Mops-Pups (01.03.2012)

Nicht überliefert ist, ob der Busfahrer über ein absolutes Gehör oder eine außergewöhnliche Nase verfügt. Jedenfalls hat’s ihm echt gestunken. Der kleine Mops hatte zwischen Platen- und Mönchhofstraße ein wenig Wind gemacht. Der Pups traf mitten hinein in die empfindliche Seele des Busfahrers. „Alle raus“, lautete sein gewohnt höflich vorgetragenes Kommando. Als keiner ging, rief der abgelenkte Buslenker die Polizei. Eindeutiges Ermittlungsergebnis der Ordnungshüter: Der Mann hinterm Steuer hat einen an der Waffel.

Pizza mortale (29.02.2012)

Respekt, Pizza-Bringdienst. Dass du zur Lieferung der Redaktionspizza ein verwirrtes Väterchen schickst, das nach zwei Stunden eine in Ehren erkaltete Pizza liefert, ist ja normal. Dass wir darüber nicht begeistert sind, irgendwie auch. Dass du uns aber später noch einen jugendlichen halbkriminellen Vollpfosten vorbeischickst, einen waschechten Wasguggsdu-Typen, der was von Familienehre salbadert, uns alle mit Messer machen will und ein Wiederkommen androht, das hat was. Das nennt man dann wohl Erlebnisgastronomie.

Uffstieg (28.02.2012)

Liebe Possmanns, es ist wahrlich ein Segen, dass ihr uns, wie ihr ganz richtig mitteilt, „in bewährter Weise“ unterstützt. Tatsächlich nehmen wir auch „freudig zur Kenntnis“, wie ihr unsere Sammlung „um ein prickelndes Motiv“ bereichert. Auch wenn wir keine Ahnung haben, was so ein „Tray“ eigentlich ist, so wollen wir doch ganz viele davon kaufen und trinken. Aber dass ihr meint, „gerade rechtzeitig“ mit dem neuen „Uffstiegsschoppe“ ums Eck zu kommen, ist uns am Tag nach der Klatsche in Paderborn dann doch wirklich ein Rätsel.

Ausstieg (27.02.2012)

Entschuldigung, dürfte ich bitte zuerst aussteigen? Das ist die höfliche Variante. Man lässt die Leute zuerst aussteigen, bevor man einsteigt. Sagt der Oberlehrer. Lassen Sie mich durch, ich bin Chirurg. Ruft der Humorist. Weg da! Schreit der Flegel. Aber das, was der Mann am Südbahnhof verkündet, weil ihn die Menschen kaum aus der Bahn raus lassen, geht dann doch zu weit: „Ihr kommt alle ins Krematorium!“

Kuchenweise (25./26.02.2012)

„Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ So spricht der Vater. Was das heißen solle, fragt der Filius. Soll heißen, spricht der Vater: Verjucke, was du hast, auf Erden, denn wenn du hinüber bist, dann hast du nichts mehr davon. Blöder Spruch, sagt der Sohn. Unverständlich. Am Abend präsentiert der Sechsjährige dann seine eigene, kindgerechte Version: „Das letzte Stück Kuchen hat keinen Schokoguss.“ Stimmt. Genauso isses.

Vorbilder (24.02.2012)

Die drei Radfahrer am Cityring sind erschüttert. „Das gibt’s doch gar nicht …“ Der Lieferwagen fährt einfach in die Berger Straße rein. Gegen die Einbahnrichtung! Immerhin, das muss man ihm lassen, ganz ordentlich mit Blinker. Trotzdem: „So was!“ Die Empörung wächst, man ist ernsthaft erschüttert. „Die Autofahrer nehmen sich auch immer mehr raus.“ Der vierte Radler, der gerade auch noch dazukommt, meint nur: „Na ja, das haben sie ja wohl von uns gelernt.“ Sagt’s und fährt einfach los, bei Rot über die Fußgängerampel. So was!

Useum (23.02.2012)

Aus aktuellem Anlass eine Huldigung des lange unterschätzten Buchstabens „U“, er ist in den Hintergrund geraten, seit es kaum noch U-Bootfahrer und immer weniger Usurpatoren gibt, nirgends mehr Usambaraveilchen blühen. Umso ungestümer unser Urschrei: Frankfurt hat jetzt eine unterirdische Ausstellungshalle! Ein echtes Useum!

Asche (22.02.2012)

Einen wunderschönen guten Morgen, wir melden uns heute direkt aus Ihrer möglicherweise noch benommenen Großhirnrinde und fragen gleich mal ganz forsch: Erinnern Sie sich noch an den 10. November? Nicht? War ja klar. Also: Der Iran erschütterte damals die Welt. Deutschland hatte einen Bundespräsidenten. Die Ära von Petra Roth war beendet. Die Eintracht verzauberte die Zweite Bundesliga. Der Rauscher war die schönste und beste Kolumne der Welt.
Es gibt also durchaus Dinge, an die sich bei aller Asche anknüpfen lässt.

Ehrenwurst (21.02.2012)

Die Frankfurter Rundschau distanziert sich ausdrücklich von den Äußerungen einer Kantinenmitarbeiterin im Rauscher vom Rosenmontag, eine Bockwurst sei „eine kurze dicke“ und: „Die Rindswurst sind zwei lange dünne.“ Jedem anständigen Menschen ist klar, dass da etwas grundsätzlich nicht stimmt. So auch dem FR-Leser S., der seinen Senf dazugibt und mit ernsten Konsequenzen droht. Da es hier um die Wurst geht: Ja, die Rindswurst ist kurz und dick, Frankfurter sind zu zweit und lang. Alles andere wäre ja wohl ein Witz.

Um die Wurst (20.02.2012)

„Was ist denn der Unterschied zwischen der Bock- und der Rindswurst?“, will die Kantinenkundin wissen. „Die Bockwurst“, antwortet die ebenso freundliche wie kompetente Verkäuferin, „ist eine kurze dicke. Die Rindswurst sind zwei lange dünne.“ Ach, wenn doch alle Menschen so klar und deutlich und einfach und ehrlich wären!

Morsche! (18.02.2012)

Man kann morgens beim Duschen das Wasser zunächst ein ganz kleines bisschen aufdrehen und dann den Hebel betätigen, der das Nass vom Badewannenzulauf weg- und zum Duschschlauch hinführt. Das geht durchaus. Dann wechselt das Wasser völlig geräuschlos die Richtung. Man kann aber auch das Wasser gleich volle Pulle aufdrehen und dann den Hebel reinhauen – ZACK! Dann ist um 5.30 Uhr das ganze Haus wach. Danke, Nachbar

[email protected] (17.02.2012)

Verbittert hat sich die Generation 30plus daran gewöhnt, dass immer mehr Teile des Internets in unser Leben und Werk eindringen. Wir können ihn nicht stoppen, den Fortschritt, wir wollen es auch gar nicht, nur manchmal noch versetzt er uns ins Staunen. Gestern etwa, als eine Dame vom Rhein den Doppelnamen (von der Redaktion geändert) ihrer Kollegin schön langsam zum Mitschreiben in den Telefonhörer diktierte: „Auguste Schnippensiebler MINUS Bohauzke“. Oder reden die da alle so an Weiberfastnacht?

Völlig gaga (16.02.2012)

Jahrelang lebte der kleine Mann in der sicheren Gewissheit, die Schule, die nicht nur neben dem Zoo, sondern auch direkt neben seinem Kindergarten steht, sei die „Schreihälsen-Schule“. Diesen Namen hatte er nach ein paar Wochen im Kindergarten selbst erfunden, vermutlich nach eingehender Betrachtung des dortigen Schulhofs zu Pausenzeiten, und er hielt sich bis heute. Jetzt geht der Junge selbst bald in die Schule, und er hat dazugelernt. „Die heißt gar nicht Schreihälsen-Schule“, verbesserte er jetzt den Papa am Frühstückstisch, „die heißt in Wirklichkeit Gaga-Gymnasium.“ Auch nicht schlecht. Eigentlich sogar noch ein kleines bisschen besser.

Neugründung (15.02.2012)

Ich habe es nie bereut, nicht bei Facebook zu sein. Auch nicht, als die Gruppe „Nur Graf Zahl darf den Kragen hochklappen“ gegründet wurde. Die ist witzig, aber die Leute dort kommen auch ohne mich klar. Am Dienstag aber, einen Tag nach dem brutal ungerechten Remis unserer Eintracht in Düsseldorf, war ich ganz kurz davor, mich doch noch anzumelden. Nur für die Mitgliedschaft in einer einzigen, neu gegründeten Gruppe: FC Fallsucht Düsseldorf.

Leseschwäche (14.02.2012)

„Betreten der Eisfläche verboten!“ steht auf dem Schild im Palmengarten. „Nein, ihr dürft nicht näher an die Enten ran – das ist zu gefährlich“, ermahnt deshalb die Mutter ihre Kinder. Dumm nur, dass kurz darauf eine Gruppe Erwachsener an ihr vorbei aufs Eis hinausschlittert. Stummer Vorwurf aus vier großen Kinderaugen. Die Mutter überlegt kurz, dann die rettende Erklärung: „Wisst ihr, die können halt nicht lesen.“

Abgefahren (13.02.2012)

Lieber Busfahrer (Linie 38)! Eines Tages werden Sie spätabends hundemüde aus dem Panoramabad kommen. Wie ich in der vergangenen Woche. Sie werden sehen, dass der Bus an der Haltestelle steht, und hinsprinten. Wie ich. Sie werden den Fahrer durch demütige Gesten anflehen, die Tür noch einmal zu öffnen. Wie ich. Aber der Busfahrer wird hämisch grinsen und Gas geben. Wie Sie. Ich wünsche es Ihnen so sehr.

Fahruntüchtig (11.02.2012)

Was können Kinder heutzutage überhaupt noch zufriedenstellend? Jungen und Mädchen aus hessischen Grundschulen haben nach Erkenntnissen der Polizei Schwierigkeiten, sich auf dem Fahrrad zu halten, sie brauchen Nachhilfe bei der Verkehrserziehung – und von den schulischen Leistungen soll gar nicht erst die Rede sein.
Aber Kinder von heute fahren eben auch nicht mehr mit dem Fahrrad. Im Kleinkindalter besitzen sie ein Bobbycar, wie wir neuerdings aus den höchsten bundespolitischen Kreisen wissen. Als Schulkinder lassen sie fahren – Mama oder Papa mit dem Auto bis vor das Schultor. Also, Erwachsene, was wollt ihr eigentlich noch?

Tee online (10.02.2012)

Mensch, danke, Easy Apotheke! Für Deine Mail mit dem Gutschein, gültig „bis einschließlich 14.2.!“, der mir ein tolles Geschenk verheißt: „1 Packung Tee, verschiedene Aromen (nicht auswählbar), solange der Vorrat reicht“ – sage und schreibe „3 Aufgussbeutel“. Ich weiß gar nicht, ob ich das alles annehmen kann.

Laibspeise (09.02.2012)

Wenn man in der Bäckerei einen Laib Brot bestellt, und die Bäckersfrau nach kurzem Blick auf den Kunden die Frage „Zum Mitnehmen oder Hieressen?“ stellt – dann sollte man vielleicht ein bisschen an seinem Erscheinungsbild arbeiten.

Die Spinnen(08.02.2012)

Natürlich – es ist total albern. Geradezu kindisch. Normalerweise hört man mit sowas auf, wenn man aus dem Kindergarten kommt, so doof ist das. Und sehr bald werden wir uns diesem Thema auch wieder ernsthaft widmen. Sie kennen uns, wir sind durchaus in der Lage, uns seriös mit Naturthemen zu beschäftigen, ja, Naturthemen sind hier besonders gut aufgehoben. Daher lesen Sie bei uns auch in Kürze alles Wichtige über die nächste große Ausstellung im Senckenberg-Museum. Heute aber erst mal nur den Titel (hihi!): „Faszination Spinnen“.

Sehr süß (07.02.2012)

Danke, Deutsche Bahn. Durch eure nicht mehr ganz so neuen Raucherbelästigungsmaßnahmen habt ihr es tatsächlich erreicht, dass ein seit seiner Jugend Süchtiger einen ganzen Tag rauchfrei erleben konnte. Spaß hat’s ja keinen gemacht, aber gesund war es sicherlich. Dafür merci vielmals. Dass ihr es aber gleichzeitig schafft, dem sechsjährigen Mitreisenden, der ohnehin keiner kulinarischen Orgie abhold ist, sage und schreibe vier Lollis und drei Schokoriegel zuzustecken – das ist allerhand. Auch gut, dann sind wir wieder quitt.

Thermofrost (06.02.2012)

ThermofrostWas für ein Gejammer. Kaum ist es mal ein paar Grad unter Null – schon bricht die Panik aus. Alles Weicheier. Der Außenfühler vom Thermometer meldet doch gerade mal minus 12. In Mühlheim ist eine Meise festgefroren? Meine Rede – wahrscheinlich in einem Weichei ausgebrütet. In einer Woche ist es doch eh wieder vorbei mit kalt. Wie? Das Thermometer ... ? Funkstille von draußen, ihm ist zu kalt. Jetzt wird’s ernst.

Ganz sanft (04.02.2012)

Ganz sanftDas ist so schön, dass uns die Tränen kommen und auf den Wangen festfrieren. Da saß in Mühlheim bei Offenbach eine Blaumeise regungslos mitten auf der vielbefahrenen Gass’. Das fiel zwei Streifenbeamten auf. Die ermittelten, dass die Vogelfüßlein festgefroren waren. Sie lösten das zitternde Tier vom Asphalt, wärmten es im Wagen, bis es sich erholte. Ganz sanft, gewiss haben sie ihm lieb zugeredet. Gleich müssen

Tuchfühlung (03.02.2011)

Eine Facette des Winters wird oft übersehen: Die Menschen sind in ihren Mänteln und Pullovern derart breit, dass man sie auf herkömmlichen Rolltreppen praktisch nicht überholen kann, ohne sie zu berühren oder anzusprechen. Oh lala, diese Winterzeit! So was schafft der Frühling freilich ganz ohne Jacke.

Flügelschlag (02.01.2012)

Sicher, was das Maskottchen des brasilianischen Fußballvereins Ceará gemacht hat, ist unschön. Man belästigt nicht die Fans der gegnerischen Mannschaft mit obszönen Gesten. Deshalb ist es richtig, dass der brasilianische Fußballverband das Maskottchen für zwei Spiele gesperrt hat. Auf der anderen Seite: Mal angenommen, Eintracht-Adler Attila flöge in die gegnerische Fankurve und würde den Herrschaften mit ein paar Flügelschlägen klarmachen, dass man nichts Böses gegen unsere Mannschaft sagt – das hätte schon was.

Wurstegal (1.02.2012)

Den ganzen Tag haben wir gestern gebangt und gebibbert am sogenannten Transferfenster der Fußball-Bundesliga, ob er zu unserer Eintracht kommt: der Patrick Helmes aus Wolfsburg. Als es dann zu war, das Fenster, um 18 Uhr, die bittere Gewissheit: Nö. Aber was soll’s. Wer wird denn deshalb gleich mit halben Bratwürsten um sich werfen.

Vorbilder (30.01.2012)

Die drei Radfahrer am Cityring sind erschüttert. „Das gibt’s doch gar nicht…“ Der kleine Lieferwagen ist einfach in die Berger Straße reingefahren. Gegen die Einbahnrichtung! Immerhin hat er ordnungsgemäß den Blinker gesetzt. „So was!“ Die Empörung wächst. „Die nehmen sich auch immer mehr raus.“ Gemeinsam überlegt man, was zu tun ist. Anzeige? Sitzblockade vor dem Auto? Da kommt ein vierter Radler dazu und meint nur: „Naja, das haben sie ja wohl von uns gelernt.“ Sagt’s, und fährt bei Rot über die Fußgängerampel.

Unbekannter! (28./29.01.2012)

An Frankfurter Maßstäben gemessen ist das natürlich ein Klacks, gar nicht groß der Rede wert. Man könnte allenfalls ein Geschoss des Stadthauses in der Altstadt errichten. Das Museum der Weltkulturen vielleicht um einen Wintergarten erweitern. Ein paar Löcher stopfen und offene Rechnungen bezahlen. Gut, der Eintracht diesen Helmes kaufen, das ginge schon. Gerade so. Aber sag doch mal, verehrter Unbekannter, der du nach Medienberichten vom Freitag der Stadt Marburg einfach so und ungefragt vier Millionen Euro geschenkt hast: IST DA NOCH MEHR?

Bittere Arznei (27. 01.2012)

Schon in Ordnung, wenn du zwanzig Minuten in der Apotheke stehst und wartest, bis du dran bist, weil die beiden Kundinnen vor dir mit den beiden Apothekerinnen wirklich ernste Sachverhalte zu klären haben. Eine anständige Krankheit braucht eben eine seriöse Erörterung. Wenn aber neunzehneinhalb Minuten nach dir ein weiterer Kunde in die Apotheke tritt, der ersten frei werdenden Apothekerin sein Rezept gibt und deinem Protest mit den Worten begegnet: „Sie stehn doch an de annern Kass“ – da musst du schon kerngesund sein.

Goldig (26.01.2012)

Hallo, Gold-Adam auf der Zeil. Sie wollen also unser Gold. „Wenn Sie Ihr Gold verkaufen“, lesen wir in Ihrem Schaufenster, „recyceln Sie. Recyceln schont die Natur.“ Die liegt uns auch schwer am Herzen. Darum möchten wie Sie gerne davon in Kenntnis setzen, dass wir in der Lokalredaktion eine Altdiamantensammelstelle (erster Tisch links) eröffnet haben. Durch ein neues Verfahren können wir feste Kohlenstoffe flüssig machen. Wir recyceln gerne, auch Ihre gebrauchten Geldscheine, und zwar nachhaltig, darauf unser Wort.

Unerhört (25.01.2012)

Heute erreicht uns der „Diskussionsbeitrag eines Oberräders“, der hier ausnahmsweise ungekürzt wiedergegeben werden soll. Schließlich steht er unter der Überschrift „Unerhört!“ Und tatsächlich: „So ein Mist“, schreibt der Oberräder, „ich hör hier kein Fluglärm! Vor lauter Autos, Busse und Baumaschine.“ Wir denken schon oh weh, da setzt er hinzu: „Wohne halt am Buchrainplatz, meine Freundin an der Friedberger Landstraße und die Eltern am Schaumainkai.“ Und da bleibt so eine vierstrahlige Boeing 747 natürlich auch mal unerhört.

So geht's (24.01.2012)

Hier die drei besten Anmach-Sprüche der Kampagne, exklusiv für FR-Leser!

Platz 3: „Hoppla, in was für ein hübsches Rettungsboot bin ich denn da gefallen?“ (Verkleidung: Kapitän).

Platz 2: „Ich möchte nicht Präsident eines Landes sein, in dem man bezahlen muss, wenn man in einem fremden Bett aufwacht!“ (Verkleidung: Präsident).

Platz 1: „Guten Abend, mein Name ist Uwe Becker, darf ich Ihnen vielleicht einen ausgeben?“ (Verkleidung: Stadtkämmerer, nur im Hemd).

Gutes Gelingen!

Saisonware (23.01.2012)

Wachsam bleiben, liebe Freunde! Nur weil im Moment auf dem Sektor des Frittiergebäcks alles gut ist, muss das noch lang nicht so bleiben. Allzu wach ist noch die Erinnerung an das vergangene Jahr. Gott, war das schlimm, als die Frau in der Bäckerei auf der anderen Straßenseite sagte: „Kreppel haben wir nicht das ganze Jahr. Die sind Saisonware.“ Kreppel. Saisonware. Was für ein Schock. Damals beschlossen wir, uns nicht mehr alles gefallen zu lassen. Wir wollen Kreppel. An 366 Tagen im Jahr. Wenn Sie auf unserer Seite sind, treten Sie unserem Klub bei.

Sportsgeist (21./22.01.2012)

Pottstolz erzählt der kindergartenaltrige Bub in der S-Bahn seiner Mama vom Sport: „Wir haben Basketball gespielt. Mann war das gut. Und ich kann das schon, das müsstest du mal sehen. Ich glaube, wenn ich groß bin, werde ich mal Basketballspieler.“ Mama ist tief beeindruckt und demonstriert einige Fachkenntnis: „Und dann habt ihr den Ball immer in den Korb geworfen.“ „Nöööö“, sagt der künftige Profi, „das geht doch gar nicht. Der ist doch viel zu hoch.“

Freilandrad (20.01.2012)

Im Nordend, jeder weiß das, leben ordentliche Leute. Nie würden sie freitagabends als Feierbiester in Horden über ihre öffentlichen Plätze herfallen. Keineswegs würden sie ihren Kindern erlauben, in beschaulichen Cafés die Honigmilch in die falsche Richtung zu rühren (oder noch wildere Ausschweifungen), niemand dort würde auch nur ächzen, weil gefühlte sieben Jahre lang die Hauptverkehrsader zum Bau einer Tramlinie samt Installation von Laternen mitten auf Radwegen lahmliegt. Man weiß, was sich gehört im Nordend. Wo die Dinge hingehören. Folgerichtig also, dass an der Glauburgstraße jemand sein Heimtrainer-Trimmrad in den Hof gestellt hat: zu den anderen Fahrrädern halt.

Blasiert (19. 01. 2012)

In der Nachbarschaft hat jetzt einer dieser hochmodernen Bubble-Tea-Läden aufgemacht. Bubble Tea ist ein tee-orientiertes Erfrischungsgetränk aus Asien mit viel Zucker, viel Eis und jeder Menge Glibberblasen, die beim Lutschen zerplatzen und Kinder erschrecken können. Also exakt das, was der Hesse als Ferz mit Kricke bezeichnet. Trotzdem wird jetzt jeden Morgen ein Becherchen der überflüssigen Plörre gekauft. Weil man mittlerweile schon dankbar ist, wenn es sich bei einer Geschäftseröffnung in der Nachbarschaft mal nicht um ein Wettbüro, eine Spielhölle oder ein Nagelstudio handelt.

Bahnhof (18.01.2012)

Bei allem Verständnis für die neu erwachte Lust des Bürgers am Protest: Man sollte doch ein bisschen Maß halten in seiner Rage! Da treffen sich nun Montag für Montag Tausende Menschen am Flughafen und fordern: „Die Bahn muss weg!“ Überlegt doch mal, Leute: Ja, die Bahn ist zu voll, ja, sie ist unpünktlich, ja, sie verwirrt uns mit sibyllinischen Durchsagen, und ja: Bahnfahren ist teuer. Aber deshalb zum Flughafen zu gondeln und ausgerechnet dort für die Abschaffung der Bahn zu demonstrieren: Sacht ma – hab ich da was nicht kapiert?

Gangster (17.01.2012)

Man muss den Tatsachen ins Auge sehen: Während es bei uns nur trockene Brezeln gibt, nach denen Plastikbier-Bottiche der einzige Ausweg sind, das Kommerzkonzert zu überstehen, haben die: Currywurst, Burger, Caipirinha, und The Roots (schon lange her). Aber dafür halt leider auch: Marianne Rosenberg, den Fehlerteufel Bastian Sick und Gäste, die vom Klo kommend ungefragt verkünden: „Nicht dass ich verdächtigt werde, mir nicht die Hände gewaschen zu haben, ich komme von der Toilette mit Waschbecken.“ Offenbach ist auch nicht mehr so gangster wie’s war.

Safer script (16.01.2012)

Zugegeben, anfangs haben alle Kollegen T. ausgelacht. Weil der seine Computer-Tastatur, auf der in seiner Abwesenheit Krethi und Plethi rumhacken, mit einer Art Schreib-Kondom gesichert hat. Also einer Klarsichthülle, durch die man die Buchstaben zwar noch drücken, aber nicht mehr verseuchen kann. Doch, sowas gibt’s. Kann man kaufen, kann man aber auch selber machen. Mit Klarsichtfolie zum Beispiel. Es lohnt sich. Denn, das ist das Allertollste: es funktioniert. Seit etwa zwei Wochen ist die Tastatur nicht mehr erkältet gewesen. Jetzt lacht keiner mehr.

Engelsfurt (14./15.01.2012)

Die Rocker der Hells Angels gelten gemeinhin als wilde Kerle, die weder Tod noch Teufel fürchten. Aber selbst die härteste Nuss hat eine Sollbruchstelle. Und so rang ein wichtiges und hohes Mitglied eines derzeit verbotenen Frankfurter Charters am Freitag vor dem Amtsgericht, wo er wegen unerlaubten Messerbesitzes erscheinen musste, sichtlich um Fassung. „Geboren sind Sie in Offenbach“, hatteder Richter gesagt. „Um Gottes Willen: Frankfurt!“, ächzte der Rocker. Die Geldstrafe nahm er dann wieder gelassen hin.

Vokalvogel (13.01.2012)

Ihr Leben ist fad und anthrazit? Drei Wochen seit der Wintersonnenwende, und immer noch ist es morgens finster, wenn Sie hinausgehen, abends finster, wenn Sie heimkehren, und dazwischen eigentlich auch? Hey, machen Sie Ihre Umgebung doch durch einfache Vokalverschiebung bunter! Unser Tipp heute: Das u hüpft sieben Stellen nach hinten – Holzhasenstrauße.

Claus Theo(2) (12.01.2012)

Claus Theo Gärtner darf alles. Und wir meinen wirklich ALLES. Neulich zum Beispiel – CTG hatte beim Joggen das Grüngürteltier getroffen und erlegt – wollte er zur Feier des Tages die Familie zum Kuchen einladen. Also ging er ins Café Sahnesteif – mit Kindern. Und natürlich bekam er den besten Platz.

Claus Theo (11.01.2012)

Claus TheoÜber Chuck Norris kursieren jede Menge Geschichten im Internet. Eine davon besagt, dass der Großmeister des Roundhouse-Kick mal eine Gastrolle in „Ein Fall für Zwei“ übernehmen sollte. Norris hat seinerzeit abgelehnt. Das Drehbuch sah vor, dass er in einer Szene Claus Theo Gärtner (alias Matula) verprügelt. „Fantasy mach’ ich nicht“, sagte Norris und blieb zu Hause. Die Wahrheit ist: Claus Theo Gärtner ist der einzige Mensch, der Chuck Norris Angst macht. Claus Theo Gärtner hat auch mal den Yeti getroffen. Seitdem hat er seine Lederjacke.

Latein (10.01.2012)

LateinEs gibt Stimmen in einer zuletzt stark schrumpfenden Partei, die wollen die Kommunale Ausländervertretung am liebsten abgeschafft sehen. Aber da rufen wir: Perfer et obdura, KAV! (Halte durch und sei hart, KAV!) Immerhin kümmerst du dich nun sogar auch um jene Ausländer, die es nicht mehr gibt, und überschreibst Anträge deiner neuesten Tagesordnung wie jenen zum Bolzplatz im Gallus mit lateinischen Wendungen wie „Panem et circensis“ (Brot und Spiele). Wir verstehen bloß nicht, was die Kinder beim Kicken mit Brot anfangen sollen. Aber das ist nun wahrlich kein Grund, dich abzuschaffen.

Rabatt (09.01.2012)

RabattRichtig einsichtig ist er nicht, der Kollege, der auf dem Fahrrad ohne Licht fuhr („nur das eine Mal“) und Kopfhörer trug („das bisschen Musik stört doch nicht“). Immerhin geriet er an einen Polizisten, der milde gestimmt war. Die Sache mit dem Kopfhörer vergesse er jetzt mal, sagte der Beamte, und für das fehlende Licht berechne er nur zehn Euro, obwohl deutlich mehr möglich wäre. Und der Kollege? Sagte: Danke? Mitnichten. In Bayern, wo er herkomme, hätte er für die Vergehen richtig viel zahlen müssen, tönt er. Dafür hätte er aber ein echtes Feindbild gehabt. Recht machen kann man es dem Kollegeneher nicht.

Tonsur (07./08.01.2012)

„Sie haben ein Problem“, beginnt der ganz nette alte Mann in der S-Bahn das Gespräch. „Äh, wie bitte?“ „Ihre Tonsur ist Ihr Problem“, sagt der merkwürdig ungehemmte Alte. Meint der etwa die Stelle aufm Kopf, wo nicht mehr ganz so viele Haare wie früher wachsen? „Sehn Sie mich an“, sagt der reichlich aufdringliche Mitfahrer und lüpft die Kappe, unter der allerdings ein üppiger grauer Haarschopf erscheint: „Volles Haar mit 80! Das liegt an den Vitaminen und sonst nichts. Sollten Sie auch essen.“ Der unverschämt eingebildete Kerl ist im Gallus ausgestiegen, leider zu früh! Ich hätte ihn gerne fertiggemacht, mir ist aber einfach nix Cooles eingefallen.

Nachträglich (06.01.2012)

Es sind Tage wie diese, an denen das junge Jahr da draußen grau ist und stürmt und niemand sich auf die Straße wagt, wenn es denn nicht unbedingt sein muss, da sich die ganz grundsätzlichen Fragen stellen. Darf man also eigentlich immer noch ein frohes neues Jahr wünschen? Oder muss es jetzt langsam heißen: nachträglich ein frohes neues Jahr? Und warum überhaupt froh, kann uns doch piepegal sein, ob das Jahr froh ist? Muss es nicht also ein froh stimmendes neues Jahr heißen? Oder einfach: Ich wünsche dir ein neues Jahr. Und mir. Uns allen ein neues Jahr.

Snoop (05.01.2012)

Vom Amerikaner Calvin Cordozar Broadus Jr. ist bekannt, dass er als Kind häufig die Peanuts geschaut hat, weshalb seine Mutter ihm den Spitznamen Snoop verpasste. Noch bekannter ist, dass er als Snoop Doggy Dogg später ein weltberühmter Rapper wurde, dazu steinreich, ständig bekifft und frauenumschwärmt. Warum er neuerdings als Sicherheitsmann bei Kaufhof am Eingang steht, weiß also kein Mensch. Ist aber so verrückt nun auch wieder nicht: Der Rapper Bushido spielt ja auch als Benjamin Köhler bei Eintracht Frankfurt.

Ruf uns an! (04.01.2012)

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Wulff, uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie gerne bei Zeitungen anrufen und Chefredakteure ausschimpfen. Falls Sie unsere Nummer gerade nicht parat haben: 069/2199-0 wählen und gleich zum Chef durchstellen lassen. Falls der verhindert sein sollte, haben wir hier noch einen unartigen Fotografen und einen stinkfaulen Redakteur, die ebenfalls Ihrer Lesung der Leviten harren. Wenn mal wieder alle im „Pudelkönig“ rumhängen sollten, hinterlassen Sie uns bitte einfach eine Nachricht auf der Mailbox. Wir sagen’s auch nicht weiter.

Kater (03.01.2012)

Auch schon von diesem allerneuesten Trend gehört? Vom nächsten großen Ding, das 2012 wirklich alles verändern wird? Mit dem mal wieder alles noch leichter wird und noch schöner und noch größer? Nicht?? Wir auch nicht. Kommt aber bestimmt. So sicher wie das nächste Silvester.

Prost! (02.01.2012)

„Isch feier ka Silvester“, informiert einen der mürrische Hesse ungefragt am Silvesterabend an der Trambahnhaltestelle. „Isch bekomm am erste Januar alles abgebucht. Kerl, was soll isch denn da feiern?“ Zugegeben, das klang an jenem Abend etwas misanthropisch. Aber aus heutiger Sicht muss man sagen: Der gute Mann hatte vollends recht.

Vorsatz III (31.12.2011/01.01.2012)

Das heute endende Jahr lässt sich präzise in zwei Hälften unterteilen; in der einen ging es vor allem um Entschuldungen (Griechenland und so), in der anderen um Entschuldigungen (Guttenberg, Wulff und so). Da das mit der Entschuldung ja eh nichts wird, wollen wir also künftig öfter mal Entschuldigung sagen. Für was auch immer. Sorry.

Vorsatz II (30.12.2011)

Ich habe gefehlt! Deine Rede sei Ja, Ja und Nein, Nein verlangt die Bibel, wie aber war meine Rede? Noch ein Stück Fleisch? Ja, Ja. Ein Löffel Pudding? Ja, Ja. Ein bisschen Kuchen? Ja, Ja. Ein Gläschen Roten? Ja, Ja. Marzipankartöffelchen? Ja, Jaaaa. So kann, so darf es nicht weitergehen! Eine Geburtstagsfeier noch und Silvester freilich, dann aber …
Ja, Ja, sagen die Kollegen.

Vorsatz (29.12.2011)

So, und zum Jahresende noch mal alle auf dich, Unitymedia. Bist zwar nur ein Kabelfernsehanbieter und uns insofern herzlich egal, aber wenn man sich dann doch mal auf dich einlässt: nichts als Ärger. ARD? Weg. ZDF? Grisselig. Bundesliga mit Sky? Absolute Katastrophe. Das ist alles ziemlich frech. Und muss 2012 ganz dringend besser werden.

Uweschweif (28.12.2011)

Wie sich nun aus den geheimen Römer-Akten ergab, hat der Stadtkämmerer am Heiligen Abend nochmals die kommunalen Finanzen geprüft. Sein Kopf soll sehr rot geworden sein dabei. Später war dann ein mysteriöser Lichtschweif über der Stadt zu sehen. Von wegen Raketenschrott. Oder hat jemand Uwe Becker gesehen?

Prost (27.12.2011)

Fraa Rauscher gönnt sich einen Schluck, denn das Jahr neigt sich dem Ende zu. Ein gutes Jahr? Äh … Fluglärm verhundertfacht, Eintracht abgestiegen, Momo kündigt Dschungelcamp-Teilnahme an. Aber zumindest eine gute Nachricht gibt es: Wie die Bild-Zeitung berichtet, wird OB Petra Roth wieder Oma. Na dann: Hoch die Tassen.

Geht schon (23.12.2011)

Warten Sie kurz einen Moment, dann nehme ich mein Auge zur Seite und mache Platz für Ihren Regenschirm. Kein Problem. Gern geschehen. Wir wollen doch freundlich miteinander umgehen, hier oben am Ende der Rolltreppe. Ist ja Platz genug für uns alle. Muss man nicht weitergehen, nein, nein. Vielleicht räumt die Rolltreppe ihrerseits das Feld. Wer weiß. Könnte sie ruhig mal machen. Vor Weihnachten an der Hauptwache scheint schließlich alles möglich.

Abschied (22.12.2011)

Viele, viele Jahre hat sie mit dem alten Mailprogramm gearbeitet. Sie hat damit schöne Nachrichten empfangen, traurige, lustige und solche, die gar nicht für sie bestimmt waren. Nun stellt ihre Firma um. Von heute an soll sie mit einem neuen Programm arbeiten. Die alte Ansicht – das Erste, was ihr der Computer jeden Morgen anzeigte – ist Geschichte, sie wird sie bald nie wieder sehen. Als der Kollegin das klar wird, nimmt sie ihr Handy und fotografiert den Bildschirm. Irgendwie rührend.

Abgefahren (21.12.2011)

Heute stand sie wieder da und rührte sich nicht. Als die Menschen das sahen, machten sie kehrt, wandten sich ab, eilten in die andere Richtung, hin zur Mörfelder Landstraße. Als gelte es, sie zu fliehen, die da nur stand in ihrer ganzen Länge. Sie steht ja oft am Südbahnhof. Manchmal bleibt sie stur und starr, wenn man auf sie zugeht. Aber heute fuhr sie dann doch brav los, die lange Rolltreppe von der U-Bahn hinauf zum Diesterwegplatz. Man muss ihr halt vertrauen. Auf sie zugehen. Dann nimmt sie einen mit. Manchmal.

Bommel (20.12.2011)

„Blickste noch dorsch?“, fragte einst der Redakteur K. jeden, der mal wieder versunken ins Nichts stierte. Ja, liebe Freunde des erschöpft sich über die Ziellinie Rettens, um diese Jahreszeit werden sie häufiger, die besinnlichen Momente, in denen der Mensch innehält und denkt: Ich könnte sowieso mal wieder meine Brille putzen und auch sonst an meiner Außenwahrnehmung arbeiten. Etwa wenn Ihre Frau zu Ihnen sagt: „Horst, dass ich seit drei Tagen ein Nasenpiercing trage, ist dir wohl entgangen?“

Keineswegs werden Sie solche Schnitzer auszubügeln versuchen, indem Sie ihr sagen, diese neue Hose stehe ihr gar zu gut. Denn diese Hose trug sie dann garantiert auch schon vorige Woche, und neu ist sie sowieso nicht. Aber ganz abgesehen davon – ist Ihnen eigentlich mal aufgefallen, dass unsere Fraa Rauscher hier unten rechts, und zwar nicht erst seit heute, sondern schon seit Samstag, eine Nikolausmütze trägt?

Gar nicht süß (19.12.2011)

Gut, liebe Ebbelweifreunde, in Ordnung: Es gibt da offenbar ein Missverständnis. Vorige Woche informierten wir an dieser Stelle über den richtigen Gebrauch des Begriffs Gespritzter. Hauptargument war: Es ist sinnlos, den Begriff Sauergespritzter zu verwenden, unter anderem deshalb, weil ja schließlich kein Süßgespritzter existiert. Nun erreichen uns zahlreiche Zuschriften von Leuten, die das Gegenteil behaupten, nämlich dass sie Süßgespritzten mit eigenen Augen gesehen hätten. Dazu ist zu sagen: Mag sein. Aber wir reden hier über Flüssigkeiten, die man trinken kann. Süßgespritzter zählt nicht dazu. Prost.

Was fürs Herz (17./18.12.2011)

War eine harte Woche im Rauscher. Am Montag der Text über den Rammstein-Fan in der S-Bahn, der nur Leute aussteigen ließ, wenn sie versicherten, brechen zu müssen. Oder gestern: Der Besucher einer Weihnachtsfeier haucht einem Polizisten ins Gesicht, nachdem er Schnitzel mit Kraut gegessen hat. Harter Stoff. Deshalb heute was fürs Herz: Am Freitag haben die Kinder der Kirchnerschule in der U-Bahnstation Bornheim Mitte Weihnachtslieder gesungen. Es war entzückend, manche Zuhörer hatten Tränen in den Augen. Auch das ist Frankfurt. Danke.

Krautgefüllt (16.12.2011)

„Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?“, fragt der junge, freundliche Polizist nächtens am vollgesperrten Anlagenring. „Gerade eben. Ein kleines Pils und vorher nur Alkoholfreies“, ist die wahrhaftige Antwort. „Dann hauchen Sie mich mal an!“ Nun, die schöne Müllerin hatte bei der Weihnachtsfeier ein krautgefülltes Hessenschnitzel mit Apfelweinsößchen serviert – besser natürlich als eine Pizza Thunfisch, Doppelknobi, aber …
„Vielen Dank, gute Fahrt und schlafen Sie gut“, sagt der Held dieser Nacht. Respekt!

Selbstzahler (15.12.2011)

Und wie der wieder aussah. Unmöglich. Hat sich aber auch ordentlich volllaufen lassen. Mein lieber Scholli. Und dann natürlich gleich wieder der Dings hinterhergestiegen. Die tut ja echt alles für ’ne Gehaltserhöhung. So eine blöde Gans. Apropos, ganz schön zähes Mistvieh gewesen. Knusprig ist was anderes. Und dann auch noch alles selbst zahlen müssen. Schon frech. Bei dem ganzen Unsinn, den man sich den ganzen Abend vom Chef anhören muss. Na ja. Aber schön war sie ja schon, die Weihnachtsfeier.

Live is live (14.12.2011)

Zum Live-Cooking eingeladen – was wohl Kochen meint. Der Vorteil: Live-Cooking ist besser als eine Video-Aufzeichnung des Mahlzeit-Zubereitings von gestern. Oder als Live-Aufwärming. Oder als Live-Mikrowelling. Der Nachteil: Von Live-Essing ist keine Rede. Ganz ohne Englisch-Spreching: Lass mer doch mei Ruh’. (Übersetzt: Beenden Sie das Live-Belästiging.)

Kopflos (13.12.2011)

Was macht die Welt plötzlich für einen entsetzlichen Krach. Nie zuvor habe ich den Motor meines Rollers so laut erlebt. Zumindest nicht während der Fahrt. Und nie hörte er sich so hell an, fast kreischend, wie ein Ferrari im zweiten Gang. Ich bin beunruhigt, fahre aber weiter. Aber woher kommt bloß dieser scharfe Wind, der mir um die Ohren bläst? An der nächsten Ecke gestikuliert ein Mann auf dem Bürgersteig, ruft mir was zu. Ich verstehe ihn nicht, ich fahre weiter. Nach wenigen Minuten endet die seltsame Fahrt vor meiner Haustür. Als ich meinen Helm verstauen will, bemerke ich, dass ich heute gar keinen trage.

Türsteher (12.12.2011)

Einfache Regel in der überfüllten S-Bahn: Aussteigen darf nur, wer brechen muss. So sagt es der breite, glatzköpfige Typ an der Tür. Wie fast alle Fahrgäste kommt er vom Rammstein-Konzert in der Festhalle. Nun singt er Frère Jacques. Nicht von Rammstein, aber ein Klassiker. Ich will aussteigen. Er fragt, was er immer fragt, ich nicke: „Ja, brechen.“ Verhängnisvolle Nachfrage: Auch beim Konzert gewesen? Nein. Der Dicke wird wild, packt mich von hinten. Ich komme nicht raus. Ausstieg abgebrochen.

Mehr Licht! (10./11.12.2011)

Prometheus, so sagt man, wurde von den Göttern an einen Felsen gekettet, weil er den Menschen verbotswidrig das Feuer schenkte. Zur Strafe schnabuliert ein Adler täglich an seiner Leber. Wir finden das ungerecht und übertrieben, weil Feuer auch ganz nützlich sein kann. Vorschlag, Götter: Macht Prometheus mal frei und schmiedet stattdessen die Erfinder der „Energiespar-Glühlampe“ an den Schmerzensfelsen. Als Rache für die ewige Finsternis, die uns allmorgendlich vor dem Rasierspiegel umnachtet. Besten Dank im Voraus!

Sauerei (9.12-2011)

Freunde – ein für alle Mal: Es heißt Gespritzter. Nicht Sauergespritzter. Beim Ebbelwei gibt es nur zwei Möglichkeiten: gespritzt oder pur. Sauer ist er sowieso. Noch saurer wird er durch Mineralwasser ganz sicher nicht. Und wenn es einen Sauergespritzten gäbe, müsste es ja auch einen Süßgespritzten geben. Es existiert aber nun mal kein Süßgespritzter. Fragen Sie mal den Herrn Schankwirt.

Retour (8.12.2011)

Guten Morgen, Daniella Baumeister (HR1). Wir haben gerade den Frankfurt-Krimi „Robin Tod“ von Gerd Fischer, erschienen im Mainbook Verlag, auf dem Nachttisch liegen. In dem ermittelt Kommissar Andreas Rauscher in – Überraschung! – Frankfurt am Main. Auf dem Cover prangt Ihre Kurzkritik: „Rauscher ist ein netter Typ.“ Sie aber auch, liebe Frau Baumeister.

Zenne Minut (7.12.2011)

Am größten ist unser Spaß immer, wenn der Mensch in einer gewöhnlichen Situation mit einer ungewöhnlichen Reaktion aufwartet. Also jubelten wir jüngst lauthals, als wir in der Pizzeria anriefen, zwei belegte Teigscheiben bestellten, einmal die mit Peperoniwurst und dann noch die Tonno, und als wir dann fragten, wie lang das wohl dauern werde – und der Pizzameister antwortete: „Da möchte ich mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht festlegen.“

Märchenhaft (6.12.2011)

Schee war’s: am Wochenende, die Enkelchen zu Besuch. Immer aufgeweckt, immer neugierig, die Bande. Fragen nach allem und jedem und wie’s früher war. Und dann wollen sie wissen, was denn das für ein nasses Zeug sei, das da neuerdings vom Himmel fällt. Und sind ganz beeindruckt, dass das früher von Sommer bis Winter und Winter bis Sommer so war, das mit dem Regen. Nächste Woche gibt’s Wetterkunde Teil zwei. Dann kommt die Tante mit dem Bettenfimmel und den weißen Flocken dran.

Coffee to go (5.12.2011)

In einem Kapselkaffeeladen in der Goethestraße gibt es jetzt kafkaesk teure Reisetäschchen für Kaffeemaschinen zu kaufen. Für alle, die nicht ohne ihr Kaffeemaschinchen verreisen mögen. Als der Frankfurter Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch vor gar nicht langer Zeit die steile These aufstellte, demnächst würden die Leut’ noch Techtelmechtel mit ihrem Toaster oder so beginnen, hat man ihn ausgelacht. Aber das Gelächter von Narren war schon immer die Begleitmusik von Genies.

Schon okay (3./4.12.2011)

Der Kerl, der heute 20 Minuten lang den U-Bahn-Waggon mit seinem Mobiltelefon vollquasselte, brachte wieder einmal die alte Weisheit an den Tag: Fast jede Entgleisung lässt sich verzeihen, trägst du auf Auto, Tasche oder Jacke einen Eintracht-Adler.

Geladen (2.12.2011)

Geldvernichtung ist ja weltweit Thema. Wir in Europa wissen das. Aber das lässt sich auch prima auf privater Ebene machen. Mit der EC-Karte. Die hat einen goldenen Chip. Ist der geladen, hilft er am Fahrkartenautomaten oder im Parkhaus – münzlos. Aber dann kommt per Post die neue EC-Karte. Brav wird die alte mit der Schere zerschnitten – und weg ist der Restbetrag, so 22 Euro. Nix zu machen, sagt die Bank, muss man vorher entladen. Welcher Rettungsschirm hilft jetzt?

Lippenkunst (01.12.2011)

Das Schönste, was Lippen tun können, ist: küssen. Meint zumindest die Firma Labello, die Lippencreme herstellt. Und alldieweil ja eine „ausgedehnte Knutscherei oder ein kleines Bussi zwischendurch“ immer gehen und nirgendwo ungenierter gezüngelt wird als am Bahnhof, steht dort ab heute ein Lippenstiftcluster rum, „ein einzigartiges Kunstwerk“, quatsch, eine „einzigartige Installation“, der „Höhepunkt der ,Lippen lieben‘ -Kampagne“ und … also ehrlich: Das Schönste, was Lippen tun können, ist: schweigen.

Standhaft (30.11.2011)

Heute gilt es, eine Frankfurter Institution zu adeln, die sich inmitten des Konsums und der religiösen Verblendung ihr Profil bewahrt hat: den Brezel-Benno in der Neuen Kräme. Da mögen, jahreszeitlich bedingt, ringsherum die dollsten Buden aus dem Pflaster wachsen, mit Süßkram, eitlem Tand und Spezereien – der Brezel-Benno bleibt beim Kerngeschäft. Ein hölzern’ Hüttlein um seinen Traditionsstand aus Tisch und Plane, das hat er sich zwar gefallen lassen. Aber nur wegen des Weihnachtsmarkts die Angebotspalette erweitern, über Brezel, Haddekuche und Rosinenbrot hinaus? Darauf kann es nur eine Antwort hinterm Tresen geben: „Nö.“

X-Faktor (29.11.2011)

Irgendwas ist anders an diesem Morgen. Die hr3-Moderatoren haben genauso schlechte Laune wie man selbst, reden lustlos wirres Zeug und haben am Vorabend offensichtlich dieselben Drogen eingeschmissen, die man selbst als Student so schätzte. Kein Gekrähe, kein kumpelhaftes Gekreische, keine bescheuerten Hörer, die anrufen und sich bescheuerte Musik wünschen. Seltsam. Und dann das: Das erste gespielte Lied ist weder von Lady Gaga noch von Coldplay! Ist man gar nächtens gestorben und im Himmel gelandet? Nö. Der kleine Sohn ist an den Radio-Regler gedotzt und hat aus Versehen „Radio X“ eingestellt. So bleibt’s jetzt auch!

Gesalzen (28.11.2011)

Keine Butter im Haus, das heißt: kein Frühstück. Um die vier Ecken gibt es drei Läden, echt Luxus. Erste Anlaufstelle: der Kiosk, immer offen. Auch an diesem Morgen. Nur ist leider die Butter aus. Eine Ecke weiter: der Italiener. Aber leider noch zu. Hm. Also rein zum schnieken Feinkostgeschäft. BUTTER!?! fragt der Mann an der Theke, er verschnürt grade ein schniekes (Fress?) Päckchen. Dabei hat er welche, er fragt: gesalzen? Ich: nein danke. Er packt eine französische Butter ein. Um ihn milde zu stimmen, nehme ich auch ein Croissant. Macht irgendwas über vier Euro. Na, Hauptsache, das Frühstück geht los. Beim Biss ins Honigbrötchen wird klar: Die Butter ist doch gesalzen. Kein Wunder, bei den Preisen.

Schlamperei (26./27.11.2011)

Schäm dich, ADAC! 30 Rodelbahnen hast du getestet und bewertet. Und zwar recht gestreng. Sehr gut: drei. Gut: vier. Der Rest: mau bis völlig panne. Aber wo bitte ist der legendäre Siegfried-Schuss am Feldberg-Gipfel? Der fehlt unentschuldigt. Trotz sehr guten Fun-Faktors.

Allwissend (25.11.2011)

Wie smart ist das neue iPhone wirklich? Dass die Spracherkennung die Frage: „Wie wird das Wetter morgen?“ erkennt und zufriedenstellend beantwortet – geschenkt. Dass es aber auf die mündlich vorgetragene ewige Menschheitsfrage „Was ist der Sinn des Lebens?“ antwortet: „Man sagt, es sei Schokolade“, das ist dann doch allerhand. Aber gut zu wissen.

Sitzwidrig (24.11.2011)

Dass man es im Metropolis mit Nachokäsedippern und Pointenvorweglachern zu tun bekommt, ist bekannt. Eine neue Erfahrung in den Cinema-Kinos: Einmannsitzer im Pärchensessel, umgeben von leeren Einzelsesseln. Ist das ein Emanzipationsschlag der Sing-les, fragt man sich, während der Einmannsitzer wütend herüberfunkelt und Freud gerade mit Jung um die Psychoanalyse ringt? Oder sind zu viele Stunden auf der Couch doch kontraproduktiv?

Verfolgt (23.11.2011)

Kriegt ihr nie den Hals voll? Da zieht man Jahr für Jahr weiter raus aus dem Stadtzentrum. Und noch eine U-Bahn-Station weiter. Da können wir uns die Miete halbwegs leisten. Ist ja immerhin Stadtgebiet Frankfurt. Gerade noch so. Und dann das, gestern in unserem Briefkasten – ein Brief vom „traditionsbewussten Maklerunternehmen“ in Eschersheim, bei dem immer fünf blank gewienerte dunkelblaue Karossen vor der Tür stehen: ob diese „attraktive Immobilie“ zu veräußern sei. „Für unsere Kunden suchen wir verstärkt in Ihrer Lage nach neuen Angeboten.“ Nix da – gentrifidingst euch doch selbst!

Tatorte (22.11.2011)

Die Brücke, von der der mutmaßliche Täter in die Tiefe springt (erstaunlicherweise ohne sich irgendetwas zu tun)? Das ist einfach: am Niederräder Ufer. Das Haus der Witwe des Opfers? Schon eher was für Experten: liegt in der Heimatsiedlung. Das Hotel, in dem die Kommissarin in Deckung gehen muss? Klar, Bahnhofsviertel. Aber wo, bitte, wo ist diese blöde Bar, in der der arrogante Soldat unserer Conny Mey sagt, dass er mit ihr ins Bett gehen will? Gibt es eine schönere Beschäftigung am Montag nach einem Frankfurt-Tatort, als mit den Kollegen darüber zu diskutieren, welche Ecken unserer Stadt am Sonntag zu sehen waren?

Ganz fest (21.11.2011)

An der Station, an der sonst nur Banker aussteigen, stürmt ein ausflügender halber Kindergarten die S-Bahn. „Guck mal“, sagt ein Zwerg kaum dass er sitzt und kramt im Rucksäcklein: „Ich hab ein Nähset. Mit Nadeln! Toll, gell?“ „Pöh, damit kann man ja niemanden töten“, antwortet der coole Kamerad. „Klar doch, wenn man einen mit der Nadel ins Auge piekst. Natürlich ganz fest!“ Das jedenfalls hätte der junge Mr. Bond geklärt.

Abgehangen (19./20.11.2011)

Da sage noch einer, der Frankfurter habe keinen Sinn für Geschichte. Gar fürbildlich sind die Bergen-Enkheimer zu nennen. Berühmt, um nicht zu sagen berüchtigt, ist der Stadtteil für seine Henker, putzigerweise von den Bewohnern Schelme genannt. Und der Galgen wies jahrhundertelang Durchziehenden den Weg nach Frankfurt. Jetzt haben sie oben am Berg Baumelbänke aufgestellt. Das nenn’ ich mal lebendige Geschichtsstunde… Wie? Ach so, die sind zum Draufsitzen. Na ja, ist ja heute eh alles eins. Ob Beine oder Seele, alles baumelt.

Fachwerk (18.11.2011)

Jetzt mal zu Dir, liebes Stadtplanungsamt. Was soll eigentlich der ganze Wirbel um den Wiederaufbau der Altstadt? Guck Dir doch mal die Zimmerleute auf dem Weihnachtsmarkt an. Die bauen innerhalb von 24 Stunden ein komplettes Fachwerkhaus vor die Paulskirche. Und das Beste daran: Wenn’ s nicht mehr gefällt, ist es in 24 Stunden auch wieder weg.

Duzfreunde (17.11.2011)

Ist gut, HR 3, wir haben’s kapiert. Wir wissen jetzt, dass es eine Band namens „Coldplay“ gibt, wir haben begriffen, dass die ein neues Lied namens „Charly Brown“ gemacht haben, das klingt wie alle anderen. Aber auch wenn besagte Band ständig über irgendwelche HR3-Bühnen fällt und AUCH WENN die Coldplay-Mitarbeiter samt und sonders Duzfreunde von Jörg Bombach sein sollten: SPIELT UM HIMMELS WILLEN DOCH AUCH MAL WAS ANDERES!

Okku & Pia (16.11.2011)

Von Claus Kleber und Gundula Gause ist nicht überliefert, wie ihre erste Sendung beim Publikum ankam, es darf aber gemutmaßt werden, dass sie gar nicht ankam, weil sich schon bei Namensnennung alle am Boden kringelten. Ziemlich schlau im Vergleich zu Okku und Pia, den animierten Sprechern der gestern erstmals im Internet gesendeten „Occupy Frankfurt“-Nachrichten. Die nannten ihre Namen erst am Schluss. Und wurden gnadenlos verrissen.

Bauch-Attac (15.11.2011)

(Fortsetzung vom Montag) Die Bauchkampfgruppe im Fitnessstudio der TG Bornheim hat den ersten Teil der 100 Crunches hinter sich (genau, diese fiesen Übungen für die Zone, wo Bier besonders ansetzt). „Okay, die zweite Runde wird härter“, verspricht der Vorturner der drei kräftigen, älteren Herren. „Parole … Kickers Offenbach oder SG Rosenhöhe!“ Der Kollege im Eintracht-Trikot (Scheibenschießen, aktuelle Saison) bricht zusammen. „Eyyh neee. Geht gar nicht.“ – „Ich hab’ doch gesagt, es wird härter. Für eins musst du dich entscheiden.“ – „Na gut: Ich nehm’ das ,oder‘.“

Attac wirkt (14.11.2022)

Sonntag, der Tag nach der Banken-umzingelung. Die drei etwas älteren, kräftigen Herren im Fitnessstudio der TG Bornheim bereiten sich auf den letzten Akt vor: Crunches. Das ist eine Art fieses Bauchmuskeltraining. „Männer, 100 Stück!“, legt der Vorturner die Latte hoch. Stöhnen. „Und als Parole: Kapitalismus oder Sozialismus?“ Muss so eine Art Ritual, ein Mantra sein, damit man besser auf die Zähne beißen kann: An was Böses denken und durchkämpfen. Antwort: „Sieg für den Sozialismus!“ – „Sehr gut. Dann bereiten wir uns auf den Straßenkampf vor.“ (Fortsetzung folgt)

Tataaaa! (12./13.11.2011)

Aus aktuellem Anlass, und das muss dann auch reichen, bitte keine weiteren Fragen, wir wollen da gar nicht tiefer einsteigen, im Gegenteil, aber heute, na gut, der geschrumpfte Witz: Geht ein Journalist an der Kneipe vorbei.

Nostalgie (11.11.2011)

Früher sind wir in die Postämter gerannt, sobald das neue Exemplar gedruckt war. Wir standen Schlange, um eines zu ergattern, und wenn wir es dann endlich in den Händen hielten, haben wir es triumphierend in die Höhe gereckt und sofort durchgeblättert. Und heute? Seit Tagen liegen ganze Stapel des neuen Telefonbuchs (plus Gelbe Seiten!) in den Hauseingängen. Doch niemand, niemand nimmt sich eines.

Durst (10.11.2011)

Tja, was soll man über den städtischen Bediensteten sagen, der seine Arbeit beim Protokollamt dazu missbrauchte, über Jahre die Bierfässer zu klauen, die OB Petra Roth und Konsorten versäumt hatten, bei offiziellen Anlässen wegzugluckern? Mindestens 6000 Liter soll er im Lauf der Zeit über den Römerberg nach Hause gerollt haben. Er hatte zumindest ein Motiv, das jedermann nachvollziehen kann.

Zu spät (9.11.2011)

Das ist ja schön, Frankfurter Kantorei, dass ihr die ergötzliche Bach-Kantate „Herr, gehe nicht ins Gericht“ magna cum voce am Sonntag in der Dreikönigskirche trällern werdet. Aber müsst ihr euer Ankündigungsplakat ausgerechnet in der Kantine des Frankfurter Landgerichts aufhängen? Wenn man’s da liest, ist es doch schon zu spät.

Sanlisuche (8.11.2011)

Jetzt stehen also wieder mal OB-Wahlen an, und die ersten unabhängigen Bewerber bringen sich in Position. Den Anfang hat in Daniela Cappelluti eine Frau gemacht. Jetzt sind die Männer am Zug. Was macht eigentlich Kadim Sanli, der bereits 2007 OB werden wollte, aber die Fünf-Promille-Marke dann doch deutlich verfehlte? Und das trotz des unvergesslichen Wahlslogans: „Puffhausfrau kommen zurück Rathaus.“ Jener Kadim Sanli, der schon vor Jahren forderte: „Alle Preise von A bis Z müssen halbiert werden.“ Damals war die Zeit schlicht noch nicht reif. Heute ist sie es. Kadim Sanli, übernehmen Sie! Wo sind Sie?

G-Frage (7.11.2011)

Die jungen Damen in der Trambahn sind eindeutig als Gymnasiastinnen zu erkennen. Und zwar daran, dass sie über ihren frisch gemachten Führerschein und Hausaufgaben reden. Erstes gut, zweites schlecht. Denn als Aufgabe hat der Lehrer mitgegeben, ein Buch zu lesen. Aber was für eins? Eine der Frauen ist sichtlich verzweifelt: „Literatur oder Schiller – ist beides doof.“ Zweifellos. Aber wo hört der Schiller auf, wo fängt die Literatur an? Wahrhaftig eine Gretchenfrage.

Groupe de F. (5./6.11.2011)

In der Geschichte der Menschheit kommt es immer wieder vor, dass sich Entscheidungen über unsere Zukunft mit einem einzigen Ort verbinden; in der Vergangenheit ist das oft Washington gewesen, manchmal Moskau und nie Hanau, zumeist aber war es Frankfurt. Und siehe da: Die Menschheit gibt es noch. In tiefster Krise hat das nun die Mächtigen darauf gebracht, diese positive Energie des Ortes zu exportieren, weshalb die Merkels und Sarkozys ihr neues Spitzengremium, ihr Machtzentrum der Euro-Rettung, dieses Küchenkabinett der Schuldenkrise einfach so nennen: „Groupe de Francfort“. Das ist wahrlich weise. Und es wird gutgehen. Ist es ja immer.

Karamelle! (4.11.2011)

Wie wir aktuell der Lektüre einer Hamburger Illustrierten entnehmen, war Bruno H. Schubert nicht nur der Erfinder des Rades und der tiefen Teller, was eh alle wussten – nein er war auch der „Erfinder des Karamalz“, steht im Blatt mit dem Stern. Tiefenwirksame Recherchen ergaben: Ei ja, sicher! „Karamalz ist seit über 50 Jahren der erfolgreiche Klassiker unter den Malzgetränken“ (Internet), und Bruno H. Schubert wurde nach dem Krieg der Klassiker bei der Henninger-Brauerei. Dort firmierte das Gesöff übrigens zunächst (1955–58) als „Henninger Karamell-Kraftbier“. Großartig. Den Namen fordern wir jetzt natürlich ultimativ zurück.

Kunst (3.11.2011)

Wie erklärt man eigentlich einem kleinen Kind, dass die Schokoladeneier, die auf dem Boden des Museums für Moderne Kunst rumkullern, nicht zum Verzehr bestimmt, sondern Teil des Kunstwerks sind? Und wie, dass der Raum voller Konfetti kein Spielplatz ist, sondern ebenfalls ein Kunstobjekt, das an das Lebendgewicht des Künstlers gemahnen soll? Gar nicht. Vergessen Sie’s! Kunst will manchmal auch gar nicht erklärt werden. Das Blöde ist nur, dass die Kinder das nicht wissen.

Normal (2.11.2011)

Diese Saison schon beim Arzt gewesen? Sehr zu empfehlen! Man sitzt warm im trauten grippalen Kreis und erfährt die tollsten Sachen. Kommt ein beleibter Herr aus dem Sprechzimmer und sagt im Gehen zum Onkel Doktor: „Früher war der Blutdruck ja allgemein viel höher, da hat man bei 150 noch normal gesagt.“ Ach ja, das waren Zeiten. Früher waren auch die Bäuche allgemein viel dicker. Da hat man bei 100 Kilo noch normal gesagt. Aber was ist heutzutage noch normal? Heute muss man schon unbedingt einen Body-Mass-Index von hmpfunddrmpfzig haben. Nur die liebe Omi, die nennt einen wahrscheinlich auch mit 90 Kilo auf den Rippen noch Derrabbel.

Schade (1.11.2011)

Aus aktuellem Anlass hat der Stadtkämmerer in den vergangenen Tagen seine Mitarbeiter zusammengetrommelt, auch am Wochenende. Noch mal alle Bücher ganz genau durchsehen. Ob nicht doch vielleicht … müssen ja nicht gleich 55 Milliarden … wenigstens ein paar Milliönchen. Oder auch nur Tausender. Hätte ja sein können. Schade.

Guggsdu (31.102011)

Es gibt Antworten, die sind einfach groß, unvergesslich und universell. So wie die des weisen Kellners mit Migrationshintergrund in einem Café an der Konstablerwache, von dem man wissen möchte, wer denn bitte die betagte Blondine mit den aufgespritzten Lippen und den toten Augen ist, die am Nachbartisch gerade von einem RTL-Kamerateam belagert wird. „Guggsdu Google“, sagt der Kellner. Die Blondine bleibt unbekannt, aber der Tag ist gerettet.

Goldisch (29./30.10.2011)

Leute gibt’s, die schaffen es unter widrigsten Umständen, im Gespräch zu bleiben. Wie kommen Sie jetzt auf Michael Paris? Nein, es geht heute, da die Welt allüberall auf einen Mann mit Bart und roter Mütze vorbereitet wird, um dessen langohrigen Kollegen Er hat zum gefühlt 241. Mal gerichtlich klarstellen lassen, dass ihn nicht nur eine Firma produziert. Uns erinnert das daran, dass es auch wieder Frühling wird. Danke, Goldhase!

Rauchmelder (28.10.2011)

Macht Kiffen blöde? Da müsste man wohl den 18-Jährigen fragen, der sich am Mittwochmittag in der S5 in aller Seelenruhe einen Joint drehte. Was der direkt neben ihm in voller Uniform sitzende Polizeibeamte eher befremdlich fand und ihn erst mal festnahm. Bei seiner Vernehmung sagte der 18-Jährige, er habe den uniformierten Polizisten nicht als solchen erkannt. Die Eingangsfrage dürfte der junge Mann wohl verneinen.

Zwieback (27.10.2011)

Angesichts des enormen Gedöns, das in den jüngsten Tagen um Philipp Reis gemacht worden ist, der anno tobak das Telefon erschuf, und der unerfreulichen Tatsache, was draus geworden ist (Jamba-Klingeltöne, Apps), sei hier nochmal lobend erwähnt, dass Reis’ Heimatstadt Friedrichsdorf ihre Besucher jahrelang mit dem Schild „Stadt des Zwiebacks“ begrüßte.

Maschine (26.10.2011)

Unter den Okkupanten an der EZB sollen auch solche sein, die eine neue Weltordnung unter die Herrschaft eines alles gerecht regelnden Supercomputers zu stellen gedenken. An verschiedenen Stellen ist das als obskurer Sektenquatsch gebrandmarkt worden, was natürlich Unsinn ist. Man muss sich das ja nur mal vorstellen: Keine Regierung mehr, keine Arbeit mehr, nichts, was nervt! Entscheiden, ob das neue Weltkulturenmuseum gebaut wird? Macht die Maschine. Aufstellung fürs Spiel gegen Kaiserslautern? Macht die Maschine. Autozündler fangen? Macht die Maschine. Gegen Entscheidungen der Maschine protestieren? Macht selbstverständlich die Maschine. Das kann nur klappen. Und auch hier schreibt dann nur noch: die Maschine.

Karte (25.10.2011)

Entschlossen läuft der bärtige Mann den Block 29 im Waldstadion hoch. Er trägt eine Polizeiuniform, und er wirkt wie jemand, der schon einiges erlebt hat in seinem Job – die Startbahn-Proteste inklusive. Sein Blick, der eine natürliche Autorität ausstrahlt, geht durch die Reihen der Eintracht-Fans. Die ersten Zuschauer tuscheln: Auf wen hat es der Polizist abgesehen? Auf einen Mann in Reihe 12, der zusammenzuckt, als der Beamte an seinem Platz steht. Gerüchte machen die Runde. Der Fan soll einen gegnerischen Anhänger beleidigt haben, heißt es da, vielleicht habe er ihn sogar bespuckt, wird getuschelt. Plötzlich gibt der Polizist dem Mann ein Stück Papier: „Ihre Karte, haben Sie da unten verloren.“ Der Fan lacht, der Polizist lacht. Nur die anderen Leute in Block 29 sind dann doch irgendwie enttäuscht.

Denkzettel (24.10.2011)

Das hier ist für die Graublonde mit der dreiviertel rausgewachsenen Mahagoni-Tönung, dem hellbeigen Blazer, der „modisch“ braunen Hose, den schwarzen Lack-Pumps und dem altweißen Pudel – und für alle anderen Leute, die ihren Einkaufszettel und das Faltblatt mit den Sonderangeboten im Einkaufswagen liegen lassen: Ab sofort veröffentlichen wir immer, wenn Sie Ihren Müll dem nächsten Kunden aufhalsen, Ihre Personenbeschreibung. Und Ihren Einkaufszettel! Originalschreibweise! Bitte sehr: „4 Put. Schnitz, 3 kl. Feigling, 1 Asbach, Eier, Klopa., Nagelack, WC Ente, Pizza, kl. Teewurst, Schlemmerfanne...“ Noch jemand?

Bonjour! (22./23.10.2011)

Wir gratulieren dem französischen Präsidenten Isnogud nachträglich, aber umso herzlicher zur Geburt seiner Tochter. Die, wie wir hören, Giulia heißen soll. Bon. Wir hätten ja, da der Vater zur Zeit der Geburt durch die Frankfurter Alte Oper strolchte, einen Namen empfohlen, der ihn auf ewig an die schöne Stadt am Main erinnert. Es gibt viele schöne Vornamen Frankfurter Mädchen. Rosemarie etwa. Aber der ziemt sich nicht für eine Präsidententochter. Daher schlagen wir Rauscher vor. Wie die Fraa aus der Klappergass. Natürlich müsste der Name mit ein paar tütteligen Accents französisiert werden: vielleicht in Rauchère. Das klingt dann zwar ein bisschen nach Schokopraline. Aber Mercédès ist ja auch ein französischer Vorname.

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